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Größte Reiterprozession Europas?

Etwa 100 Vertreterinnen und Vertreter der Blutreitergruppen zogen coronabedingt auf einem verkürzten und geheimen Weg um Bad Wurzach.

Bad Wurzach
Zwei Reiter tragen Standarten. Rechts steht Weihbischif Schneider in rotem Gewand auf einem Podium und segnet sie mit der Reliquie.

Etwa 100 Vertreterinnen und Vertreter der Blutreitergruppen zogen durch Bad Wurzach - Foto: DRS/Markus Waggershauser

Mit 1.500 Reiterinnen und Reitern ist der Bad Wurzacher Blutritt in gewöhnlichen Jahren die zweitgrößte Prozession dieser Art in Europa - hinter Weingarten. Dort konnten sich wegen höherer Inzidenzzahlen im Mai jedoch mit dem Reliquienträger nur 13 Begleiter zu Pferd auf den Weg machen. Die Kurstadt brachte es dank der entspannteren Pandemielage auf etwa 100 Reiter und Reiterinnen. Frauen sind hier schon viele Jahre dabei.

In Sachen Geschichte der Heilig-Blut-Reliquie hat Weingarten mit 950 Jahren die Nase jedoch klar vorne. Das vom Blut Christi getränkte Tüchlein in Bad Wurzach kam 1764 über Paulanerbrüder auf den Gottesberg. Die erste Reiterprozession riefen die Salvatorianer, die vor 100 Jahren den Wallfahrtsort übernahmen, 1928 ins Leben. Im Laufe der Zeit bildeten sich auch hier Traditionen, die bis heute tragen.

Sich Gott anvertrauen

"Segne uns, o Blut der Gnaden" komponierte Karl Kindsmüller 1930. Die Pilger freuten sich, das Heilig-Blut-Lied im Freien vor der Gottesbergkirche ohne Maske singen zu können. In seiner Predigt beim Festgottesdienst ging Weihbischof Gerhard Schneider auf das Ende des Matthäusevangeliums ein, wo Jesus seinen Jüngern verspricht bei ihnen zu bleiben. Schneider ermutigte im Blick auf die blutenden Wunden Christi dazu, die eigenen Wunden nicht zu verbergen, sondern offen auf sie zu schauen und sie vor Gott zu bringen.

Hingen nach den nächtlichen Regengüssen am Morgen noch dunkle Wolken am Himmel, strahlte zur Bergpredigt am Nachmittag die Sonne. Pater Hubert Veeser, Provinzial der Salvatorianer, machte sich Gedanken über die Zuständigkeit des erst im Mai seliggesprochenen Ordensgründers Franziskus Jordan. Dieser sei als Kind ein Schlingel gewesen und habe sich erst durch die Erstkommunion verändert. So könnten unter anderem verzweifelnde Katechetinnen und Eltern den neuen Seligen anrufen, riet der Prediger.

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