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Gute Gedanken im Wimmelbild des Lebens

Pater Philipp für Profis und für Anfänger - In einer kleinen, feinen Ausstellung im Programm der Landesgartenschau kann man den Seligen neu entdecken.

Ellwangen (Jagst)
Egli-Figur mit zum Lobpreis erhobenen Armen.

Mit Pater Philipp auf dem Weg: Verschiedene Körperhaltungen - hier zum Lobpreis erhobene Arme - und Lebensstationen ruft die Installation von Philipp-Jeningen-Verehrerin und Egli-Figuren-Fachfrau Anne Uhrle in der Ellwanger Basilika St. Vitus in Erinnerung. Foto: DRS/Jerabek

Willkommen im Wimmelbild: So zahlreich, so vielfältig sind die Elemente, Bilder, Figuren und Szenen in der Installation auf den Altarstufen von St. Vitus, dass man sich unweigerlich an jene wuseligen Bilder(bücher) aus der Kindheit erinnert fühlt, mit denen man als Betrachter nie „fertig“ war, weil es immer wieder Neues zu entdecken gab. Mit ganz viel Hingabe und Liebe zum Detail hat Anne Uhrle Lebensstationen und Haltungen von Pater Philipp Jeningen nachgezeichnet. Und wer sich schon einmal gefragt hat, warum die Basilika (vergleichsweise) so viele Altarstufen hat, findet hier eine „Antwort“: Weil die vielen hier gezeigten Wegmarken, Facetten und Impulse im Leben des Seligen sonst keinen Platz hätten.

Da sind zunächst die farbigen Bilder von Kirchen und Kapellen, die ins Auge stechen: Von Eichstätt, wo Philipp Jeningen 1642 geboren wurde (oben rechts), bis Ellwangen, wo er 1704 starb und 2022 seliggesprochen wurde (unten links), führt die Installation durch bayerische und schwäbische Orte, in denen er seine Ausbildung durchlief und die er später als Volksmissionar besuchte oder sogar prägte. Weiße Schilder ordnen diese Stationen ein, blaue Stoffbahnen schlängeln sich durch das Ensemble und ahmen die Flüsse Altmühl, Donau und Jagst nach, die seinem Wirkungsgebiet Kontur geben.

„Fest wie ein Baum am Wasser des Lebens“

Wasser ist auch das Element, das das Leitwort der Ausstellung mit dem Motto der Landesgartenschau verbindet: „Pater Philipp Jeningen – fest wie ein Baum am Wasser des Lebens“ ist die Installation überschrieben (in Anlehnung an Psalm 1); „Wir bringen Ellwangen an die Jagst“ lautet das Motto der LGS, für die der Fluss ein gutes Stück weit renaturiert und die Jagstaue in ein vielfältiges Natur- und Erholungsgebiet verwandelt wurde. Wasser ist Leben. Wo ein Fluss ist, ist Bewegung.

Immer „in Bewegung“ sieht sich auch die „action spurensuche“, die die Ausstellung verantwortet und hier ihren traditionellen Pilgerweg im Sommer von Eichstätt über Monheim, Maihingen, Wemding und Tannhausen nach Ellwangen lebendig werden lässt. „Hunderte Menschen, die seit 1992 auf diesen 120 Kilometern mit den inneren Wegen und Worten Philipp Jeningens eins geworden sind“, so erinnerte Dr. Wolfgang Steffel bei der Ausstellungseröffnung, „halten als Pilger seine Menschenfreundlichkeit und Gottesverbundenheit für unsere Zeit wach.“

Mit Pater Philipp im Alltag Gott Raum geben

Gleich mehrmals können Besucherinnen und Besucher, wenn sie sich mit den Augen auf den Weg durch die Installation begeben, dem seligen Pater Philipp begegnen – und über seine Haltungen, seine Worte und sein Wirken meditieren. Einmal sieht man ihn kniend: Als fromm und asketisch wird er beschrieben; als jemand, der sein Kreuz nicht nur im Alltag des Lebens schulterte, sondern darin den Sinn seines Lebens sah. Sein Gottesglaube zeichnete sich „durch eine tiefe, ständige Gottesverbindung im Alltag“ aus, wie Kardinal Jean-Claude Hollerich anlässlich der Seligsprechung sagte: „Er schaffte es, Gott in allen Dingen seines Lebens, in seinem Alltag zu finden.“ Und man kann reflektieren: Wo finde ich Gott in meinem Alltag? Suche ich ihn überhaupt?

Dann sieht man Pater Philipp am Weg sitzen – nachsinnend, hörend: Er muss wohl immer ein offenes Ohr für die Nöte der Menschen gehabt haben, immer ein liebevolles, ein tröstendes Wort, und auch ein guter Beichtvater gewesen sein, denn schon zu Lebzeiten nannten ihn die Leute den „guten Pater“ oder gar „den Heiligen“. Und Pater-Philipp-Kennern kommt vielleicht das Epitaph im Kreuzgang der Basilika in den Sinn: „Er schien für den Nächsten nur zu leben, hätte nicht alle Welt gewusst, dass er für Gott allein nur lebte.“ Und damit verbunden ist die Frage an jeden und jede: Wie eng verbunden und einander befruchtend sind Menschenfreundlichkeit und Gottesverbundenheit bei mir?

Pater Philipp als Wandrer durch die Zeit

In schlichter brauner Kutte, selbst genäht, und mit Sandalen hat Anne Uhrle ihre Pater-Philipp-Figuren gestaltet. Die oft zum Erzählen biblischer Geschichten verwendeten Egli-Figuren legen keine Gemütsregung fest und sind doch ausdrucksstark. Sie machen den dargestellten Philipp Jeningen gewissermaßen zum „Wandrer durch die Zeit“, wie Dr. Wolfgang Steffel in seinem Lied zur Seligsprechung formulierte. Vielleicht wollen sie Betrachtende dazu einladen, ihnen ein Gesicht zu geben – mein Gesicht. Und nachzuspüren: Welche Haltungen möchte ich in meinem Leben und Glauben einnehmen? Pater Philipp hat seine wichtigsten Haltungen, sein Lebensprogramm in einem Satz zusammengefasst: „Mit Liebe und Demut kann man alles erreichen.“

Die Ausstellung „Pater Philipp Jeningen – fest wie ein Baum am Wasser des Lebens“ kann bis 27. Juli zu den Öffnungszeiten der Basilika St. Vitus in Ellwangen, in der Regel von 9 bis 18 Uhr, betrachtet und meditiert werden.

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