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Hariolf-Schrein erstrahlt in neuem Glanz

Ein Juwel frisch herausgeputzt: Pünktlich zum Hariolf-Gedenktag wurde die Restaurierung des Hariolf-Schreins in der Basilika St. Vitus abgeschlossen.

Ellwangen (Jagst)
Die Basilika St. Vitus in Ellwangen beherbergt den Hariolf-Schrein. Foto: Christine Eberle

Nach einem Gottesdienst am restaurierten Hariolf-Schrein in der Basilika St. Vitus würdigte Pfarrer Prof. Dr. Sven van Meegen (rechts) das Engagement der an der Restaurierung Beteiligten. Das neuromanische Kunstwerk verbindet die Geschichte der Kirchengemeinde St. Vitus mit der Geschichte der gesamten Stadt Ellwangen. Foto: Christine Eberle

Der Schrein gehört zu den bedeutenden sakralen Kunstwerken der Basilika und ist zugleich ein wichtiges Zeugnis der kirchlichen und städtischen Geschichte Ellwangens. In ihm werden die Reliquien der beiden Kloster- und Stadtgründer Hariolf und Erlolf verwahrt. Ziel der Restaurierung war es, die historische Substanz des Schreins zu sichern, seine kunsthandwerklichen Details wieder sichtbar zu machen und dieses besondere Zeugnis der Ellwanger Gründungsgeschichte dauerhaft für kommende Generationen zu bewahren.

Hariolf und die Anfänge Ellwangens

Die Geschichte Ellwangens ist eng mit Hariolf und seinem Bruder Erlolf verbunden. Mit der Gründung eines Klosters im 8. Jahrhundert legten sie den Grundstein für die spätere geistliche, kulturelle und städtische Entwicklung Ellwangens. Die Gründung des Klosters war für die weitere Geschichte des Ortes von entscheidender Bedeutung. Aus der geistlichen Gemeinschaft entwickelte sich über die Jahrhunderte zunächst ein bedeutendes Benediktinerkloster, aus dem sich spätestens im 12. Jahrhundert die Stadt Ellwangen entwickelt hat. Das Kloster wurde 1460 in ein Chorherrenstift umgewandelt. Hariolf und Erlolf werden deshalb nicht nur als Gründer der Kirche von Ellwangen, sondern auch als Gründer der Stadt Ellwangen verehrt.

Die Erinnerung an Hariolf und Erlolf ist bis heute ein fester Bestandteil der religiösen und historischen Identität Ellwangens. Ihre Verehrung kommt insbesondere in der Aufbewahrung ihrer Reliquien, im jährlichen Hariolf-Gedenktag und in der besonderen Bedeutung des Hariolf-Schreins zum Ausdruck. Der Schrein ist Reliquiar und Ort des religiösen Gedenkens, zugleich aber auch ein kunsthistorisch wertvolles Objekt und ein sichtbares Zeichen für die Ursprünge der Stadt Ellwangen.

Entstehung und Geschichte des Hariolf-Schreins

Der Hariolf-Schrein wurde in den Jahren 1909 und 1910 in seiner heutigen Form gefertigt. Seine Entstehung steht im Zusammenhang mit der Verehrung der beiden Kloster- und Stadtgründer sowie mit der würdigen Aufbewahrung ihrer Reliquien.

Von besonderem Interesse ist auch die Geschichte seines Standortes innerhalb der Basilika. Der Schrein befand sich im Laufe der Zeit an verschiedenen Standorten innerhalb der Abtei-, Stifts- und heutigen Pfarrkirche. Aufgrund von Veränderungen in der liturgischen Nutzung und der baulichen Gestaltung der Basilika wurde das Reliquiar im Laufe der Zeit an verschiedenen Orten aufgestellt und unterschiedlich präsentiert. Die Präsentation des Schreins an seinem jeweiligen Standort zeigt, welche Bedeutung der Verehrung Hariolfs und Erlolfs in den verschiedenen Epochen beigemessen wurde.

Gestaltung und Ausstattung des Schreins

Der Hariolf-Schrein zeichnet sich durch seine reichhaltige und kunstvoll ausgeführte Gestaltung aus. Seine vergoldeten Flächen, die plastisch hervortretenden Verzierungen, die eingefassten Schmucksteine und die Medaillons verleihen ihm eine besonders festliche und kostbare Erscheinung. Der architektonische Aufbau erinnert an ein kleines, reich geschmücktes Bauwerk. Die einzelnen Flächen sind durch ornamentierte Bänder und plastisch gestaltete Gliederungselemente voneinander getrennt. Die Verbindung von Gold, farbigen Schmucksteinen, Medaillons und Inschriften unterstreicht die besondere Würde des Reliquiars.

Eine besondere Bedeutung kommt den Medaillons zu. Sie zeigen unterschiedliche Darstellungen und Symbole, deren genaue Deutung Aufschluss über die theologische Aussage des Schreins geben kann. Zentral erscheint das Christusmonogramm XP, welches sich aus den beiden Anfangsbuchstaben des griechischen Namens „ΧΡΙΣΤΟΣ“, Christus, zusammensetzt. Daneben finden sich die beiden Buchstaben A und Ω für Alpha und Omega, Anfang und Ende. Auch dieses Monogramm deutet auf Christus, welcher von sich gesagt hat: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Off 22,13). Diese Christus-Monogramme am Hariolfschrein sind gehaltvoll, da von Hariolf berichtet wird, dass „seine ganze Existenz im Herrn [Jesus Christus] begründet ist“ (Vita s. Hariolfi fundatoris monasterii Elwangensis, Cap. 4). Die beiden Medaillons rechts und links weisen in ihrer Symbolik ebenfalls auf die Verbundenheit von Hariolf und Erlolf zu Jesus Christus hin.

Auf dem Schrein befindet sich eine lateinische Inschrift. Diese ist nicht lediglich schmückendes Beiwerk, sondern weist auf die Funktion des Schreins als Reliquiar hin. In deutscher Übersetzung lautet sie: „Hier ruhen die Gebeine der Brüder Hariolf und Erlolf, der Gründer dieses Ortes, 1909“.

Die Restaurierung im Jahr 2026

Die Restaurierung des Hariolf-Schreins wurde von Goldschmiedemeister Robert Werkmann durchgeführt. Matthias Schäffler übernahm die aufwendige Restaurierung der Medaillons. Die Arbeiten erforderten ein hohes Maß an handwerklicher Präzision, Erfahrung und Sensibilität im Umgang mit der historischen Substanz.

Im Mittelpunkt stand die substanzschonende Erhaltung des historischen Bestandes. Alters- und Gebrauchsspuren sollten nicht vollständig beseitigt, sondern als Teil der Geschichte des Schreins respektiert werden. Zugleich galt es, die ursprüngliche Gestaltung und die kunsthandwerklichen Details wieder deutlicher hervortreten zu lassen.

Die Initiative zur Restaurierung ging maßgeblich von Matthias Steuer vom Schlossmuseum Ellwangen aus. Ihm ist die Bewahrung der Erinnerung an die Ursprünge Ellwangens und an die beiden Stadtgründer ein besonderes Anliegen. Gemeinsam mit Pfarrer Prof. Dr. Sven van Meegen begleitete und unterstützte er das Vorhaben.

Gottesdienst am Hariolf-Gedenktag

Am 13. August feierte Pfarrer van Meegen anlässlich des Hariolf-Gedenktages einen Gottesdienst am restaurierten Schrein. Im Mittelpunkt standen das Wirken Hariolfs und Erlolfs, die Gründung des Klosters sowie die daraus hervorgegangene Entwicklung Ellwangens. Der Gottesdienst verband das religiöse Gedenken mit historischen Hintergrundinformationen. Dadurch wurde deutlich, dass der Hariolf-Schrein nicht nur ein wertvolles Kunstwerk ist, sondern auch für die geistlichen und geschichtlichen Wurzeln der Stadt steht.

Pfarrer van Meegen würdigte das Engagement der an der Restaurierung Beteiligten und dankte ihnen mit persönlichen Worten und kleinen Aufmerksamkeiten. Den Abschluss bildete Matthias Steuer mit dem Vortrag des Grabgedichts, das der Ellwanger Mönch und spätere Abt Ermenrich im 9. Jahrhundert für Hariolf verfasst hatte. Auf diese Weise entstand eine eindrucksvolle Verbindung zwischen der Geschichte Ellwangens und der Gegenwart.

Das neuromanische Kunstwerk reicht weit über seinen materiellen und kunsthistorischen Wert hinaus. Der Schrein ist ein Ort des Glaubens, der Erinnerung und der historischen Identität. Er verbindet die Geschichte der Kirchengemeinde St. Vitus mit der Geschichte der gesamten Stadt.

Mit der Restaurierung wurde ein bedeutendes Zeugnis des kulturellen und religiösen Erbes Ellwangens langfristig gesichert. Zugleich bietet der wiederhergestellte Schrein die Möglichkeit, die Geschichte Hariolfs und Erlolfs künftig noch stärker in die Liturgie, Kirchenführungen, in stadtgeschichtliche Vermittlungsangebote und in öffentliche Veranstaltungen einzubeziehen.

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