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Hinterbliebene nicht alleine lassen

Seit zehn Jahren berät und begleitet die Kontaktstelle in Biberach Trauernde.

Biberach

Magdalena Ruf, Diplomsozialpädagogin bei der Caritas Biberach-Saulgau (r.) und Dekanatsreferent Björn Held berichten von der Arbeit der Kontaktstelle Trauer, die seit zehn Jahren besteht – Foto: DRS/Markus Waggershauser

Helmut, der in Wirklichkeit anders heißt, hat seine Frau bei einem Unfall verloren. Es fällt ihm nach der Beerdigung schwer wieder arbeiten zu gehen. Helmuts Vorgesetzter möchte ihm helfen und wendet sich an die Kontaktstelle Trauer, die die Caritas und das Dekanat Biberach vor zehn Jahren ins Leben riefen. Hier finden nicht nur Angehörige und Freunde von Verstorbenen Unterstützung. Mit dem Chef und den Kollegen überlegt Magdalena Ruf von der Kontaktstelle, wie sie Helmut für eine Übergangszeit entlasten können.

Ruf ist Diplomsozialpädagogin und arbeitet seit 30 Jahren bei der Caritas in Biberach. In der Hospizarbeit hatte sie festgestellt, dass haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Menschen beim oft jahrelangen Abschiednehmen hilfreich begleiten. Nach der Bestattung ist aber plötzlich niemand mehr da, der die Trauernden an die Hand nimmt. Auch Hinterbliebene nach Suizid baten um Unterstützung.

Jeder darf kommen - und auch wieder wegbleiben

"Wir haben das dann gemeinsam beantwortet, der sozialpädagogische Dienst in Kombination mit dem seelsorgerlichen Dienst", erklärt die 63-Jährige den damaligen Beginn der Zusammenarbeit mit dem katholischen Dekanat Biberach. Seit vier Jahren ist Dekanatsreferent Björn Held ihr pastoraler Kooperationspartner. Er steht in engem Kontakt mit den Männern und Frauen, die Beerdigungen leiten und vor Ort in der Trauerseelsorge tätig sind. Die Arbeit und die Themen der Kontaktstelle Trauer bringt er in Konferenzen und Fortbildungen bei ihnen immer wieder ins Bewusstsein.

In Bad Buchau wandten sich beispielsweise Kirchengemeinderäte an Held, sie möchten etwas für Trauernde tun. So baute Held gemeinsam mit sozial Engagierten und in Absprache mit dem Pfarrer der Seelsorgeeinheit Federsee einen Trauerkreis auf. Dieser versteht sich aber nicht als feste Gruppe, sondern die Treffen sind - wie an den anderen Orten in der Region - für alle Trauernden offen. Jeder darf unabhängig von Wohnsitz oder Konfession kommen und auch wieder wegbleiben, wie es für sie oder ihn gut ist.

Ruf und Held bilden Ehrenamtliche aus, die dann die Treffen vor Ort leiten, und begleiten sie. Sie betreuen aber auch selbst Trauerkreise. Die Themen ergeben sich dabei aus den Gruppen. Mal ist es die Versöhnung bei innerfamiliären Konflikten - etwa wenn Kinder sich schwertun, dem verwitweten Elternteil einen neuen Partner zuzugestehen. Mal geht es um die Selbstdefinition ohne den Partner oder um Glaubenszweifel, wie Gott Leiden und Tod zulassen kann.

Corona hat Abschiednehmen und Trauer erschwert

Nach einem inhaltlichen Input, den sie oder Betroffene einbringen, moderieren die Leiter dann den etwa einstündigen Austausch. Manchmal gibt es auch "indirekte Hausaufgaben". So ermutigte Magdalena Ruf eine ältere Witwe dazu, nach langer Zeit zu Hause mal alleine in ein Café zu gehen. "Es war gar nicht so schlimm. Ich hatte mir zur Sicherheit eine Zeitschrift mitgenommen", berichtete die Seniorin hinterher stolz über ihre neue Erfahrung zurück in die Gesellschaft.

Neben Trauergruppen und Seminaren gehört auch Einzelberatung zum Angebot der Kontaktstelle. Hier geht es neben Seelsorge vor allem um Unterstützung bei der Lebensgestaltung. In letzter Zeit kommen vermehrt Menschen, die wegen der Coronabeschränkungen von Verstorbenen nicht richtig Abschied nehmen konnten und denen auch das Getragensein durch eine große Gemeinschaft bei Beerdigungen fehlt. Andere schätzen es, dass sie den letzten irdischen Weg mit ihren Lieben ohne Rechtfertigungsdruck im ganz intimen Rahmen gehen konnten.

Insgesamt beobachtet Björn Held bei den Beerdigungen, dass sie pluraler und individueller werden. Der kirchliche Ritus wird immer weniger selbstverständlich und auch diejenigen, die ein katholisches Begräbnis wünschen, erwarten zunehmend Sensibilität für ihre persönlichen Bedürfnisse. "In einer Welt, in der vor allem Leistung, Fitness und Schönheit zählen, kommen Sterben und Trauer unter die Räder", befürchtet der 44-jährige Theologe. Hier will die Kontaktstelle Trauer ein Zeichen für Menschlichkeit und Fürsorge setzen.

Informationen und Kontakt

Offene Gesprächskreise für Trauernde gibt es in den Dekanaten Biberach und Saulgau in Bad Buchau, Bad Saulgau, Bad Schussenried, Biberach, Laupheim, Mengen und Riedlingen sowie in der Seelsorgeeinheit Bussen. Informationen über Ansprechpartner auch für Selbsthilfegruppen, Einzelbegleitung und Psychologische Beratung finden sich auf den Webseiten der Caritas Biberach-Saulgau und der beiden Dekanate.

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