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Höllenspektakel oder Vorgeschmack des Himmels?

Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte feiert in Weingarten ihren 100. Geburtstag auch mit einer Messe.

Weingarten
DRS / Markus Waggershauser

Die Kirchenpatrone Oswald alias Professor Andreas Schwab (l.) und Martin alias Pater Pirmin Meyer bei der Dialogpredigt in der Basilika - Foto: DRS/Waggershauser

Die Organisatoren sprechen von der größten Veranstaltung, die es in Weingarten jemals gab. Rein zahlenmäßig scheint das große Narrentreffen zum 100. Geburtstag der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) selbst den Blutfreitag mit der größten Reiterprozession Europas als jährlichen Höhepunkt der Stadt in den Schatten zu stellen. Haben Teufel, Dämonen, Hexen und andere gruselige Gestalten inzwischen überhandgenommen und den Heiligen Geist in der Gesellschaft vertrieben? Mitnichten. Denn der auf Tradition bedachten Vereinigung ist der christliche Ursprung der Fasnet als ausgelassene Feier vor der Fastenzeit durchaus bewusst.

Und so strömten Närrinnen und Narren aus Baden, Württemberg, Hohenzollern und der Nordschweiz am Samstagabend in Scharen zum Gottesdienst und füllten die mächtige Basilika. Die frömmesten Figuren im Häs der gastgebenden Plätzlerzunft erwarteten sie bereits als Dekoration im Raum verteilt oder von der Decke abgeseilt. Ein Projektchor hatte Schunkellieder mit religiösen Texten versehen und eingeübt. Die Abschnitte aus der Bibel trugen der Lektor und Dekan Ekkehard Schmid als Hauptzelebrant im Dialekt vor. Über große, bunte Luftballons verbreitete sich schließlich der Wunsch nach Frieden im Gotteshaus.

Grundverschieden, aber vor Gott gleich

War zur Segnung der VSAN-Fahne im Villinger Münster Anfang Januar nur der Freiburger Erzbischof gekommen, erschienen in Weingarten sogar die beiden Kirchenpatrone und machten sich so ihre Gedanken. Der angelsächsische König Oswald alias Professor Andreas Schwab von der Pädagogischen Hochschule und Benediktinerpater Pirmin Meyer als heiliger Bischof Martin wunderten sich über die ausgelassene Fröhlichkeit und das Treiben unterhalb ihrer Basilika. Schließlich entdeckten sie in dem bunten Geschehen eine Parallele zu Korinth und der vielfältigen Gesellschaft dort im ersten Jahrhundert. "Alle grundverschieden, aber vor Gott gleich", wie Martin feststellte.

Oswald erinnerte an den Brief, den Paulus an die dortige Gemeinde geschrieben hatte und aus dem im Gottesdienst gelesen wurde. Er zitierte den Apostel, dass "alle Talente vom gleichen Geist stammen und der ganzen Gemeinschaft zugute kommen sollen", worauf Martin folgerte: "Der Geist der aus Vielfalt Gemeinschaft schafft, ist der Heilige Geist." Das fastnächtliche "Höllenspektakel" wollte der Heilige dann doch nicht mit dem himmlischen Festmahl gleichsetzen, aber ein Vorgeschmack sei es schon. Und um selbst nicht zu verstauben, beschlossen die Kirchenpatrone, Mitra und Krone gegen Narrenkappen einzutauschen und sich unters bunte Volk zu mischen. Dieses bejubelte sie mit Geschell und Geklapper. Die Eucharistie mit den Narren war wirklich eine fröhliche Feier.

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