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Ein Netz von Erinnerungsorten

Am 12. Juni 1945 kehrte Bischof Sproll nach sieben Jahre währendem Exil in seine Diözese zurück. Eine Gedenktafel in Ulm erinnert daran.

Ulm (Donau)

Eine Gedenktafel an der Georgskirche in Ulm erinnert an die Rückkehr des Rottenburger Bischofs Joannes Baptista Sproll am 12. Juni 1945 nach sieben Jahre währender Verbannung durch die Nationalsozialisten zurück in seine Diözese. Foto: DRS/Jerabek

Ein Spalier aus Kommunionkindern, Fahnenabordnungen von Verbänden und Gruppen und eine unüberschaubare Menschenmenge aus Ulm und Umgebung bereiteten ihrem Bischof auf dem Weg aus dem bayerisch-schwäbischen Krumbad nach Rottenburg einen begeisterten Empfang. Das in Obhut der Ursberger St. Josefskongregation stehende Heilbad war für lange Zeit zum Refugium des von den Nationalsozialisten vertriebenen Bischofs geworden. Mit mutigen Predigten und dem Fernbleiben bei der Wahl zum Großdeutschen Reichstag und der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs im April 1938 hatte er den Hass des NS-Apparats auf sich gezogen.

Ein Netz von Erinnerungsorten

Zum 75. Jahrestag der Rückkehr wird am 12. Juni an der Ulmer Georgskirche eine Steintafel enthüllt, die an diesen großartigen Empfang erinnert. Die neue Gedenktafel ist ein weiterer Faden in einem Netz der Erinnerungsorte, das die Ulmer Kirchengemeinden und das Dekanat Ehingen-Ulm in den vergangenen Jahren gesponnen haben.

Mit der Benennung des Böfinger Kirchplatzes in Bischof-Sproll-Platz im Jahr 2016 und dem nach umfänglicher Renovierung Ende September 2019 wieder eröffneten Dekanatshauses, das jetzt Bischof-Sproll-Haus heißt, verfügt Ulm über markante Orte des Erinnerns. „Solche Erinnerungsorte“, so betonte Bischof Gebhard Fürst bei der Einweihung des Gebäudes an der Olgastraße, „sind wichtig, damit das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät.“

"Der heimgekehrte Bischof"

Ein für immer mehr Menschen ganz persönlicher Ort des Gedenkens an Bischof Sproll in Ulm ist die Sproll-Skulptur im Garten von St. Michael zu den Wengen. Die Skulptur des Rottenburger Bildhauers Ralf Ehmann aus rotem Untersberger Marmor zeigt Sproll als den "heimgekehrten Bischof". Er ist in sitzender Haltung dargestellt, der Kopf und eine Hand sind sichtbar ausgearbeitet und treten aus dem Marmorblock hervor. Gestiftet hat die Skulptur der in Munderkingen lebende pensionierte Pfarrer und Kunsthistoriker Dr. Franz Xaver Schmid. Er ist nicht nur ein großer Verehrer Sprolls, sondern auch Kenner seines Lebens und Wirkens und unermüdlicher Förderer des Gedenkens an den Bekennerbischof.

„Seit gut einem Jahr haben wir die Skulptur von Bischof Sproll hier an der Wengenkirche und seit dieser Zeit merke ich, dass das Andenken und die Verehrung auch in Ulm lebendiger geworden ist“, berichtet Dr. Michael Estler, Leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Ulm Mitte-Ost. Auf Sesseln aus wetterfestem Korbgeflecht können Gläubige bei Bischof Sproll im Wengengarten verweilen.

Im Videoclip erzählen Ulmerinnen und Ulmer, warum sie gerne zu Bischof Sproll kommen und was ihnen der Bekennerbischof bedeutet.

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