Im Gespräch bleiben – Dr. Johannes Warmbrunn im Porträt
Ines Szuck Dr. Johannes Warmbrunn möchte auch nach seiner Zeit im Diözesanrat im Gespräch bleiben - vor allem über Gott. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Ines Szuck
Mit Menschen ins Gespräch zu kommen, sie in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt wahrzunehmen, ihnen zuzuhören und sie ernst zu nehmen – das sind Grundhaltungen, die Johannes Warmbrunn bis heute prägen und ausmachen.
Vielleicht liegen die Wurzeln dafür weit zurück. Johannes Warmbrunn wächst in einer christlichen Familie mit sechs Geschwistern auf. Er studiert Medizin, wird Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und arbeitet später in der baden-württembergischen Ministerialverwaltung. Gemeinschaft und Glaube gehören früh zu seinem Leben und begleiten ihn später in seinem Beruf und in seinem kirchlichen Engagement.
Sein Weg in den Diözesanrat beginnt mit einem spontanen Gedanken. Denn als Warmbrunn 2002 von der bevorstehenden Wahl erfährt, denkt er: „Das ist was für mich.“ Ihn reizt der Vergleich zwischen staatlicher und diözesaner Ebene. Fünf Jahre später übernimmt er das Amt des Sprechers. Seine Begründung: „Aufgaben mit Gestaltungspotenzial sind für mich immer attraktiv.“
24 Jahre im Diözesanrat – Gestalten auf Augenhöhe
Gestalten heißt für Warmbrunn allerdings nicht, anderen vorzugeben, wo es langgeht. Synodalität bedeutet für ihn, auf Augenhöhe miteinander umzugehen. Unterschiedliche Meinungen gehören dazu, auch heftige Diskussionen. Menschen dürfen miteinander ringen. Entscheidend ist, den anderen dabei nicht aus dem Blick zu verlieren.
So achtete er im Diözesanrat darauf, dass jede Stimme das gleiche Gewicht hatte. Junge Menschen und ihre Möglichkeiten, Kirche mitzugestalten, lagen ihm dabei besonders am Herzen. Dass es trotz unterschiedlicher Positionen in 24 Jahren zu keiner Spaltung des Gremiums kam, macht ihn dankbar und auch ein wenig stolz.
Harmonie um jeden Preis meint das aber nicht. Auch Konflikte gehören für Warmbrunn dazu. Er hält es für wesentlich, klar Stellung zu beziehen. Ebenso wichtig ist ihm, Fakten ernst zu nehmen, auch dann, wenn sie unbequem sind. Gerade angesichts der Veränderungen, vor denen Kirche heute steht, etwa im diözesanen Prozess „Kirche der Zukunft“.
Die Frage nach Gott – Unbequeme Fragen erlaubt
Doch wer Warmbrunn nur über seine Jahre im Diözesanrat beschreibt, greift zu kurz. Denn hinter seinem Engagement steht eine Frage, die ihn sehr persönlich beschäftigt: Wie können Menschen heute an Gott glauben?
Darüber möchte er sprechen. Nicht nur mit Menschen, die seine Überzeugungen teilen, und nicht nur über Fragen, auf die es einfache Antworten gibt. Gerade die unbequemen Fragen, Widerspruch und Zweifel interessieren ihn.
Getragen wird er von der Überzeugung, dass in Gottes Schöpfungswirklichkeit alle Menschen und die gesamte Schöpfung in einem umfassenden Zusammenhang geborgen sind. Naturgesetze sind für ihn Schöpfungsgrundsätze Gottes.
2024 erschien im Matthias Grünewald Verlag sein Buch „Gott unfassbar groß denken“. Nun schreibt er weiter. Ein zweites Buch ist in Arbeit, dieses Mal stärker spirituell ausgerichtet und ergänzt durch zahlreiche Gebetstexte.
Abschied vom Diözesanrat – Ein neuer Abschnitt beginnt
Mit dem Ende der Amtszeit des 11. Diözesanrats hat Warmbrunn auf eigenen Wunsch ein Kapitel, das einen großen Teil seines Lebens begleitet hat, geschlossen. Der Abschied fiel ihm nicht leicht. Doch blickt er voller Dankbarkeit zurück - auf freundschaftliche Begegnungen, Wertschätzung und Unterstützung. Und auf seine Frau Ulrike, die ihn während dieser langen Zeit wohlwollend begleitet hat.
Päpstlicher Silvesterorden – Eine besondere Würdigung
Für sein jahrzehntelanges Engagement wurde Johannes Warmbrunn nun mit einer besonderen Ehrung gewürdigt: Er wurde zum Ritter des Ordens des heiligen Papstes Silvester erhoben. Die Verleihung des päpstlichen Silvesterordens erfüllt Warmbrunn mit großer Dankbarkeit. Er versteht die Auszeichnung nicht allein als persönliche Ehrung, sondern als Würdigung eines gemeinsamen Werks - getragen von vielen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern in Familie, Ehrenamt und Beruf.
Nun darf anderes mehr Raum bekommen: seine Frau und die Familie, Chöre, Wandergruppen und Gesprächskreise im Esslinger Umfeld. Der Kirchengemeinde, dem Dekanat und der Diözese will er verbunden bleiben.
Und vor allem möchte Johannes Warmbrunn weiter mit Menschen über Gott sprechen, auch wenn die Fragen schwierig werden.
Vielleicht ist es genau das, was Johannes Warmbrunn über die vielen Jahre hinweg ausmacht: dass für ihn eine Antwort nicht das Ende eines Gesprächs sein muss. Dass Menschen verschieden sein dürfen. Und dass es sich lohnt, einander zuzuhören, miteinander zu ringen und weiterzufragen – im Gespräch zu bleiben.