Zum Inhalt springen

(Im-)Pulsschlag der Weltkirche

Immer mittwochs reihen sich die Mitglieder der Laudes-Gruppe ein in den vielstimmigen Chor des Stundengebets, seit 25 Jahren ihr Ankerpunkt im Alltag.

Munderkingen
Menschen beten in St. Dionysius in Munderkingen.

Im Chorgestühl der Pfarrkirche St. Dionysius in Munderkingen versammelt sich die Laudes-Gruppe zum Gebet - seit 25 Jahren. Foto: DRS/Jerabek

„Es war die Idee von Gerhard Schneider“, erinnert sich Ursula Aleker an den Beginn der Laudes-Gruppe. Das war 2001. Schneider – jetzt Weihbischof der Diözese – absolvierte damals sein Diakonatsjahr in Munderkingen und lud zum Laudesbeten ein. Etwa ein Dutzend Gläubige folgten der Einladung; Ursula Aleker war eine von ihnen.

Die Laudes (Morgenlob) sind Teil des Stundengebets, das auch Tagzeitenliturgie, Chorgebet oder Brevier genannt wird. Dieser uralte Gebetsschatz der Kirche führt zu den Wurzeln des christlichen Glaubens. Gestützt auf das Wort Jesu (Lk 18,1) und den Aufruf der Apostel, „ohne Unterlass“ zu beten (1 Thess. 5,16), entwickelte sich in Klöstern eine geordnete Liturgie, die den Tag strukturiert und dabei helfen soll, sich immer wieder auf Gott auszurichten. Herzstück sind die Psalmen, die die ganze Bandbreite menschlicher Erfahrung und Emotionen – Dank und Bitte, Freude und Kummer, Glaube und Zweifel – ins Wort bringen. Das vor allem in geistlichen Gemeinschaften und von Priestern und Diakonen gepflegte Gebet spannt sich wie ein Netz über Kontinente und Zeitzonen und wird auch als „Atem der Kirche“ bezeichnet.

Laudes: Immer ein Impuls für den Tag

Was in St. Dionysius zunächst eine Heilige Messe „ersetzen“ sollte, die nicht mehr angeboten werden konnte, entwickelte sehr schnell eine ganz eigene Dynamik. Mittwochs um 7 Uhr, später wurde daraus halb acht, trifft sich die Laudes-Gruppe im Chorgestühl der Stadtpfarrkirche oder (in der kalten Jahreszeit) im Stuhlkreis im kleinen Saal des Gemeindehauses. Die knapp halbstündige Gebetszeit beginnt mit einem Hymnus aus dem „Gotteslob“, gefolgt von Psalmen und Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament. In einem Impuls werden diese Texte erläutert, schwierige oder „sperrige“ Passagen erklärt und eingeordnet. Fürbitten und der Segen schließen die Laudes ab.

„Die Laudes sind für mich ein fester Bestandteil der Woche geworden“, sagt Wolfgang Ertle. „Man bekommt immer einen Impuls für den Tag und die ganze Woche.“ Hannelore Springer schätzt die Gemeinschaft, die in der Laudes-Gruppe gewachsen ist. „Ich kenne die Leute und wir mögen uns. Wenn jemand aktuelle Anliegen hat, nehmen wir das ins Fürbittgebet mit auf.“ Dass es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein wohltuendes Erlebnis ist, „im Chorgestühl mit Blick auf den Hochaltar den Tag gemeinsam mit dem kirchlichen Morgengebet zu beginnen“, beobachtet Bruno Schmid. Der Diakon i.R. leitet derzeit zusammen mit Ursula Aleker die Laudes-Gruppe.

„Vater der Laudes-Gruppe“ kam zum Jubiläum

Im Lauf der Jahre sei die Gruppe auf knapp 40 Frauen und Männer ganz unterschiedlichen Alters angewachsen, berichtet Schmid. Aufgrund von Alter und Krankheit und vielleicht auch durch die Zwangspause in der Coronazeit ist die Zahl inzwischen zwar auf die Hälfte zurückgegangen. Im Gebet füreinander und in verschiedenen persönlichen Anliegen blieben sich viele Beterinnen und Beter aber verbunden, weiß Pfarrer Dr. Thomas Pitour von der Seelsorgeeinheit Donau-Winkel. Und wer in der zurückliegenden Woche Geburtstag hatte, darf sich am Ende des Gebets ein Lied wünschen, bevor sich die Gruppe dann im Gemeindehaus zum Frühstück trifft. „Zur Gemeinschaft trägt auch das Frühstück bei.“

Als gemeinschaftsstiftend erwiesen sich auch die Laudesfeste und Ausflüge, die die Beterinnen und Beter miteinander gefeiert und unternommen haben. Eine fest organisierte Gruppe der Kirchengemeinde sei die Laudes-Gruppe trotzdem nicht, betont Bruno Schmid. Vielmehr seien jederzeit neue Mitbetende willkommen. Die Spendendose, die zur Deckung der Frühstückskosten immer bereitstehe, habe in 25 Jahren so manchen Überschuss angesammelt, aus dem dann verschiedene Ausstattungsgegenstände für Kirche und Kapellen angeschafft worden seien, erinnert sich Schmid. 

Zum 25-Jahr-Jubiläum kam Weihbischof Dr. Gerhard Schneider nach Munderkingen. Als „Vater der Laudes-Gruppe“ trage er die Mitbeterinnen und Mitbeter oft im Herzen, sagte Schneider. Etwa die Hälfte der damaligen Interessierten sind heute noch dabei.

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Constanze Stark

Eine Kirche mit außergewöhnlicher Geschichte

Hechingen

Eine alte Legende erzählt, dass Engel die Wallfahrtskirche über Nacht an ihren heutigen Ort getragen haben. Doch was steckt dahinter?

Axel Morat

Eine ganze Insel feiert

Reichenau (Baden)

Mit dem Pontifikalamt, der Kräutersegnung, der Prozession und Bischof Klaus Krämer als Festprediger lebt die Tradition am Inselfeiertag auf.

Aktuelles

aus der Region

Christine Eberle

Kunst zum Entdecken und Nachdenken

Ellwangen (Jagst)

Eine Ausstellung mit Werken von Judith Wettemann-Ebert knüpft an die Themen der Landesgartenschau und besonders an die dortige Blumenschau an.

Insta-Pfarrer goes TV und Sonja (fast) zum Beichten

Obermarchtal

„Sonja in ...“ heißt eine Reportagereihe der SWR-Landesschau. Auf ihrer Tour durch Obermarchtal trifft Sonja Faber-Schrecklein „Insta-Pfarrer“ Loi.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Angelika Sönnichsen

Frieden wächst, wo Menschen einander begegnen

Rottenburg

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht Friedens-, Bildungs- und Klimaprojekte in Burundi. Die Reise zeigt, wie langjährige Partnerschaft Zukunft schafft.

Markus Waggershauser

Im Storchengang durchs kalte Wasser

Jordanbad

Wassertreten im Kneippbecken ist gut für die Gesundheit und erfrischt im Biberacher Jordanbad und anderswo Körper und Seele - nicht nur im Sommer.

Markus Waggershauser

Friedensglocken verbinden Deutsche und Tschechen

Aichtal

Gegenbesuch von Pilgern aus Grötzingen und Lustnau in Pìst‘ stärkt die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Gemeinden der beiden Länder.

TVB-Maltatal

Micky Maus eine Kirchenmaus?

Stuttgart

Mit großen runden Ohren und einer spitzen Mäuseschnauze ist sie an der Außenfassade einer Kirche im österreichischen Maltatal in Kärnten gemalt.

Gregor Moser

Gut gerüstet dank Theologiestudium

Tübingen

Michael Heisters spricht über die Chancen, die ein Studium der Theologie in der Diözese Rottenburg bietet. Sein Berufswunsch lautet: Pastoralreferent.