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Im Reich der blühenden Fantasie

Eine märchenhafte Reise in ferne Welten und eigene Träume ist die Blumenschau der Landesgartenschau. Im Kreuzgang von St. Vitus ist Raum für Fantasie.

Ellwangen (Jagst)

Der „Zauberspiegel" ist eine von vielen inspirierenden Stationen auf einer märchenhaften Reise durch die aktuelle Blumenschau der Landesgartenschau in Ellwangen. Theresa Neugebauer und Sarah Hasenhündl haben zusammen mit weiteren Florist-Kolleginnen und -kollegen eine zauberhafte Ausstellung geschaffen. Foto: drs/Jerabek

Verspielte Kolibris flattern durch den Abendhimmel, schier schwerelos schlagen Schmetterlinge mit ihren Flügeln, nur feine Nylonfäden hindern die grazilen Tiere aus Acrylglas am Davonfliegen. Kleine weiße Orchideenblüten wachsen aus Glasballons, dünne weiße Gräser wiegen sich im Hauch des Lüftchens und spannen einen optischen Bogen zwischen zarten Tropfen aus Plexiglas. Das in mystisches lila Licht getauchte Werkstück von Floristmeisterin Sarah Hasenhündl ist der Einstieg in die „Wunderwelten der Träume“, eines der vier Themenbereiche der aktuellen Blumenausstellung auf der Landesgartenschau Ellwangen 2026. „Ein Platz für Fantasie“ ist die Präsentation überschrieben, die die Besucherinnen und Besucher „durch die Blume“ in ferne Welten entführen, Abenteuer erleben lassen und die eigene Vorstellungskraft beflügeln soll.

Morpheus, der Herr der Träume in der griechischen Mythologie und Hauptfigur der berühmten Comic-Reihe „The Sandman“, stand Pate für die geheimnisvolle Installation von Sarah Hasenhündl in einem etwa zwei auf zwei Meter großen und 30 Zentimeter tiefen dunklen Holzrahmen. Die filigrane Komposition aus Elementen von Flora und Fauna „steht für die Zartheit eines Traums“, der ja oft Gefühle und Gedanken aus dem Unterbewusstsein hervorbringe, erklärt die Floristmeisterin. Als Kontrast hat sie ein großes Gesteck mit Blumen und Zweigen in dunklen, mystischen Farben vor die Installation gestellt – eines ihrer „Herzenswerkstücke“, wie sie sagt –, um zu zeigen, dass Träume abwechslungsreich und frei sind.

Blumen im Spiegelbild der Träume

Morpheus ist nicht allein. Ein ganzer Gangflügel ist voll von so illustren und mysteriösen Herrschaften wie Peter Pan oder der roten Königin aus „Alice im Wunderland“. Letztere hat mit ihrer Frisur in Herzform die Floristmeisterin inspiriert. Auf eine Unterlage gehaftete Bastschlaufen umrahmen ein Gesteck aus temperamentvollen Blüten in kräftigem Rot und ein wenig Orange; als Hintergrund hat Sarah Hasenhündl ein großformatiges Foto des „Hutmachers“ aus Lewis Carrolls berühmten Roman platziert. Schräg gegenüber hat Floristin Margit Gloning aus Unterschneidheim ihr „Spiegelbild der Träume“ aufgebaut, eine luftige Installation von Vasen, die auf einem Spiegel stehen und mit Zierlauch, leuchtend gelben Trommelschlägel, feinen Gloriosa und ein paar Mohnkapseln bestückt sind.

Das Kind in sich entdecken und sich an die Zeit erinnern, in der die Mutter vor dem Einschlafen Geschichten und Märchen vorgelesen hat, können Besucherinnen und Besucher in den „Verwunschenen Welten“. Ein Hingucker dort ist der „Zauberspiegel“ aus Schneewittchen, ein „verwunschenes“, verspieltes Werkstück von Theresa Neugebauer aus Esslingen. Die frischgebackene Floristmeisterin hat ein Gesteck mit Flamingoblumen und Lilien in Pastelltönen, weißen Farnblättern und Gräsern zusammenstellt. Die große Vase steht – natürlich – auf einem Spiegel vor einer mit Eukalyptusblättern bestückten Wand und erzählt von Schönheit, Eitelkeit und verborgenen Wahrheiten. Andere Werkstücke lassen Rumpelstilzchen, Aschenputtel und andere mehr in die Fantasie der Betrachter eintreten.

Floristen sind mehr als Blumenstecker

„Fantastische Reiche“, die von Abenteuer, Mut und Aufbruch erzählen, bilden einen dritten Themenbereich. Welten wie Harry Potter oder „Herr der Ringe“ gaben dafür die Inspiration. Da gibt es etwa fliegende Schlüssel zwischen kleinen Blüten in reagenzglasartigen Vasen. Die großen Holzrahmen, in denen sich diese und andere Installationen abspielen und die als ein verbindendes Element zwischen den Themenwelten dienen, hat Sarah Hasenhündl selbst gebaut. „Wir sind mehr als einfach nur Blumenstecker“, betont die engagierte Floristmeisterin, die unter anderem an der Floristmeisterschule in Stuttgart unterrichtet. „Wir verarbeiten kleine Charaktere – mal elegant, mal verspielt, mal bodenständig“, sagt sie liebevoll über die Blumen, die für die Werkstücke sorgfältig ausgewählt wurden.

Der Innenhof des Kreuzgangs ist der Garten der Poesie. Violett-weiße Orchideen blühen an einem rechteckigen, bücherregalartigen Gestell zwischen Werken von Goethe und Ganghofer. „Gedichte besitzen die besondere Fähigkeit, mit wenigen Worten ganze Welten entstehen zu lassen. Sie erzählen von Liebe, Sehnsucht, Freude, Erinnerung oder Hoffnung und berühren uns oft tiefer als lange Geschichten. Sprachliche Bilder werden zu floralen Bildern“, erklärt Sarah Hasenhündl. Diesen Außenbereich versteht sie auch als einen Ort der Ruhe und des Innehaltens – ein Garten, in dem Blumen und Worte miteinander in Dialog treten.

Zur Ruhe kommen können Besucherinnen und Besucher nach dem Gang durch die Blumenschau auch in der Basilika St. Vitus, die mit dem Kreuzgang direkt verbunden ist. „Die Menschen kommen durch die Blumenausstellungen und die Impulse, die da gegeben werden, näher an Gott, an die Menschen und an sich selber ran. Denn die Blumenausstellungen haben ja ganz tiefgründige, existenzielle Fragen, und die Fragen spiegeln sich im Denken und im Reden wider“, sagt Stadtpfarrer Prof. Sven van Meegen. „Ich merke, wie viele dann hier zur Ruhe kommen in der Basilika.“

Alle zwei Wochen gibt es im historischen Kreuzgang der Basilika St. Vitus eine neue Präsentation aus der großen Vielfalt der floralen Kunst.

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