Vorsichtig streckt sie den großen Zeh ins Wasser. Isabell Hagenmaier atmet einmal tief durch und verzieht nur leicht das Gesicht, während sie beherzt nach dem rechten auch den linken Fuß ins kalte Nass setzt. Dann schreitet sie langsam durch den offenen Kanal des Reichenbachs beim Jordanbad. „Die Füße müssen aus dem Wasser“, erklärt die Theologin den sogenannten Storchengang. „Und wenn der Kältereiz eintritt, muss man aufhören und die Füße in Bewegung lufttrocknen lassen“, ergänzt die 35-Jährige. Diese Anleitung stammt von Pfarrer Sebastian Kneipp, der Ende des 19. Jahrhunderts die Kuranstalt zwischen Biberach und Ummendorf dreimal höchstpersönlich besuchte.
Markus Waggershauser