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In 850 kirchlichen Kitas läuft die Digitalisierung

Verwaltungsarbeit in Kitas erleichtern: Der Projektverantwortliche Antonius Bero spricht im Interview über die Hintergründe des Mammutprojekts.

Rottenburg am Neckar
Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Antonius Bero verweist darauf, dass durch die vereinfachte Verwaltungsarbeit mehr Zeit für die Betreuung der Kinder bleiben wird. In der Hand hält er eines der Tablets, die den Kitas bereitgestellt werden. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Unter der Überschrift "drsKita" erfolgt aktuell eine flächendeckende Digitalisierung der Arbeit in den 850 Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft auf dem Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Dies soll unter anderem mehr Zeit für die pädagogische Arbeit vor Ort schaffen. Der Projektverantwortliche Antonius Bero vom Bischöflichen Ordinariat in Rottenburg spricht im Interview über die Hintergründe des Mammutprojekts.

Herr Bero, die digitale Kommunikation hält Einzug bei den Kitas in kirchlicher Trägerschaft in Württemberg. Gab es ein Digitalisierungsprojekt mit solchem Ausmaß zuvor schon einmal in der Diözese?

Ein Vorhaben in dieser Dimension gab es bei uns bislang noch nie. Neben allen Kindertagesstätten sind darüber hinaus alle kirchlichen Verwaltungszentren, der Landesverband Katholischer Kindertagesstätten, die Eltern der betreuten Kinder, die Kommunen als Partner der Kirchengemeinden sowie das bischöfliche Ordinariat ebenfalls einbezogen. 

Was soll mit dem neuen Kitaportal der Diözese erreicht werden?

Eltern können sich über das neue Web-Portal kitaportal.drs.de über alle katholischen Kindergärten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart informieren und eine Online-Vormerkung vornehmen. Sollte es bereits ein kommunales Portal zur Vormerkung geben, kann dies sogar im diözesanen Kitaportal verlinkt werden. Mit der Online-Vormerkung möchte die Diözese neue, zukunftsfähige Wege gehen und den Verwaltungsaufwand im Anmeldeprozess für Eltern, Kindertagesstätten und Kommunen deutlich reduzieren.

Könnten Sie uns ein paar Eckdaten des Projekts nennen? 

Das Projekt hat einen enormen Umfang erlangt. Das beginnt schon mit der Vielzahl von 850 Kindergärten und deren circa 2.500 Kindergartengruppen. Diese werden von etwa 400 verschiedenen Trägern – also Kirchengemeinden, Gesamtkirchengemeinden, Zweckverbänden und dem Stadtdekanat Stuttgart – in 25 verschiedenen Dekanaten betrieben. Auf Grund der Trägervielzahl und deren bisherigen Individualität, mussten auch zur Vorbereitung der Digitalisierungsmaßnahmen zahlreiche Standards und Prozesse erstmals erarbeitet werden. Bei circa 9.000 pädagogischen Fachkräften und etwa 47.000 betreuten Kindern und deren Eltern, sind bei allen Maßnahmen sehr große Fallzahlen betroffen. Dadurch wird eine große Aufmerksamkeit erzielt, was bei allen Beteiligten natürlich auch einen gewissen Erfolgsdruck verursacht. 

Bis wann wird die Umsetzung erfolgt sein?

Das Projekt ist bewusst sehr agil und dynamisch ausgerichtet. Der Start ist mittels einer Kick-off-Veranstaltung im Oktober 2021 erfolgt, die Umsetzung aller festgelegten Inhalte erfolgt bis Jahresende 2023. Ungeachtet der zahlreichen Herausforderungen konnte der Zeitplan bislang immer exakt eingehalten werden. 

Für die Kommunikation zwischen Eltern und Kindertagesstätte gibt es eine spezielle App. Was soll hierdurch erleichtert werden? 

Eltern haben die Möglichkeit, jederzeit und überall die neuesten Informationen ihrer Kindertagesstätte abzurufen. Dabei können sie die Anwendung nach Bedarf mit dem Smartphone, mit dem Tablet oder auch am PC nutzen. Die Eltern-App bietet den Eltern die Möglichkeit, in Echtzeit mit der Einrichtung zu kommunizieren. 

Bietet die App Eltern noch andere Vorteile? 

Neben der direkten Kommunikation mit der Kindertagesstätte verfügt die Anwendung über ein sogenanntes Schwarzes Brett mit Nachrichten für Elterngruppen, sowie über einen privaten Posteingang mit Kommentarfunktion. Des Weiteren können über die App Umfragen versandt und Einverständniserklärungen eingeholt werden. Sehr praktisch ist auch, dass Abwesenheits- und Krankmeldungen der Kinder versandt und Einrichtungstermine und Schließtage in die jeweiligen Kalender der Eltern übertragen werden können.

Und wo findet man sie zum Download?

Die Anwendung kann mittels eines gängigen Browsers auf der Internetseite eltern.kitaplus.de abgerufen und installiert werden. Die Webseite ist quasi die App und funktioniert auch offline. 

Mit drsKita soll auch die Verwaltungsarbeit in den Kindergärten erleichtert werden. In Zeiten von Fachkräftemangel und stetig zunehmendem Verwaltungsaufwand ein positives Signal. Wo genau haben Sie da angesetzt? 

Im Vordergrund des Projekts steht die Einführung von Anwendungen, welche den pädagogischen Fachkräften die Verwaltungsarbeit erleichtern sollen; immer mit dem Ziel, das mehr Zeit für das Wesentliche, nämlich die pädagogische Arbeit am Kind verbleibt. Ein Beispiel hierfür ist die mittels zentral bereitgestellter Tablets minutengenaue Erfassung der Kinder per Wisch- Funktion. Diese Funktion ist nicht nur in den Einrichtungen selbst, sondern gegebenenfalls auch ortsunabhängig – zum Beispiel auf einem Spielplatz, bei einem Ausflug oder Waldtag – voll nutzbar; auch durch die ebenfalls vorhandene Offline-Funktion. 

Heißt das, die App kommt auch den Kindern zugute?

In jedem Fall. Zum einen bleibt durch die vereinfachte Verwaltungsarbeit mehr Zeit für deren Betreuung, zum anderen wird die Kommunikation zwischen den pädagogischen Fachkräften und den Eltern verbessert. Damit rückt das Kind mit seinen Bedürfnissen und seiner Entwicklung mehr in den Vordergrund. 

Hatten Sie externe Unterstützung bei der Realisierung des Projekts?

Gemeinsam mit unserem Projektpartner, dem Landesverband Katholischer Kindertagesstätten, wurden wir vor allem durch die Piloteinrichtungen aus Horb und Ehingen unterstützt. Die haben in den letzten sechs Monaten eine enorm starke Leistung abgeliefert. Darüber hinaus ist das Team der Firma Price Waterhouse Coopers und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firmen BMS und NPO, die kitaplus anbieten, hervorzuheben. 

Die Diözese benötigt für ihre Kindergarten-Planung verlässliche Informationen. Hilft die App da weiter?

Für die Träger und die Diözese sind die nun möglichen Auswertungen und Statistiken von großem Vorteil. Damit können zeitnah, vollständig und präzise die Grundlagen für künftige Planungen und strategische Entscheidungen gewonnen werden. 

Wie steht es um die Sicherheit, etwa der persönlichen Daten?

Ein sensibler und sachgerechter Umgang mit den Stammdaten von Kindern und Mitarbeitern ist uns besonders wichtig. Aus diesem Grunde haben wir, unterstützt durch die Firma Sonntag IT Solutions, in intensiver Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Datenschutz eine sogenannte Datenschutzfolgenabschätzung erstellt. Mittels diesem ‚Datenschutz-Gutachten‘ sollen potenzielle Risiken frühzeitig erkannt und durch geeignete Maßnahmen abgesichert werden. Damit wird den Vorgaben des kirchlichen Datenschutzes in besonderem Maße Rechnung getragen.

Zur Person

Antonius Bero (48) ist verheiratet mit einer Grundschullehrerin und Vater von zwei Töchtern im Alter von elf und 15 Jahren. Der gelernte Diplom-Verwaltungswirt (FH in Ludwigsburg) kam über die Stationen Stadt Reutlingen, bei der er Persönlicher Referent des Ersten Bürgermeisters war, und die Stadt Albstadt, bei der er Leiter der Ausländerbehörde und Geschäftsführer eines Integrationsbüros war, im Jahr 2010 zur Diözese Rottenburg-Stuttgart. Seither ist er dort in der Abteilung Kirchengemeinden/Rechnungsprüfungsamt beschäftigt, die er seit 2018 leitet und die er von Grund auf modernisiert hat. In seiner Freizeit betätigt er sich seit vielen Jahren als Jugendfußballtrainer in der D-Jugend, betreibt selbst gerne Sport, trifft gerne Freunde, ist begeistert bei der Fasnet mit dabei und engagiert sich dort.

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