Zum Inhalt springen

In der Trauer getragen

Seit zehn Jahren bieten Diakon Michael Weimer und sein Team sowie die kirchlichen Sozialstationen Albstadt einen Ort des Trostes und der Zuversicht.

Albstadt (Württemberg)
Dekan lädt aus Anlass von zehn Jahren Trauerarbeit der kirchlichen Sozialstationen Albstadt zum ökumenischen Gottesdienst in die St. Johannes der Täufer Kirche in Lautlingen. Bild: DRS

Gemeinsam beim ökumenischen Gottesdienst in Lautlingen. Das Bild zeigt (von links): Ministrant Josua Weimer, die Trauerbegleiterinnen Sybille Fink, Victorina Vivas und Cathrin Lindner, Pfarrerin Nicole Gneiting, Dekan Pater Augusty Kollamkunnel, Dekanatsreferent Achim Wicker, Diakon Michael Weimer, Trauerbegleiterin Hannelore Mauch, Hospiz-Leiterin Regina Birk und Ministrant Marvin Leibold. Bild: DRS

Die Angebote in der in der Vinz-Pflegewerkstatt "Oase" für Trauernde sind vielfältig. Angefangen mit einem monatlichen Trauercafe kamen ein Frühjahr- und Herbsttrauerkurs, Trauerwanderungen und Trauerwochenende hinzu. Auch die Einzelbegleitung bietet das Team an. Die Einsatzleiterin des Hospiz in Albstadt, Krankenschwester Regina Birk, bildet ein wertvolles Bindeglied der Hinterbliebenen zur Trauergruppe, berichtet Diakon Michael Weimer.

Viele Besucher kommen

Anlässlich des Zehnjährigen lud Dekan Pater Augusty Kollamkunnel, Pfarrerin Nicole Gneiting sowie das Trauerbegleitteam in die St. Johannes der Täufer Kirche in Lautlingen zu einem ökumenischen Gottesdienst, wozu viele Besucher kamen. Kirchenmusikdirektor a.D. Rudolf Hendel und Jutta Binder an der Querflöte umrahmten den Gottesdienst musikalisch. Die Texte des Gottesdienstes waren mit Glaubenszeugnissen und Impulstexten wunderbar getragen, so Michael Weimer weiter.

Treuer Dienst für Menschen in Not

Dekan Pater Augusty sprach: "Trauer gehört zum menschlichen Leben und es gibt kein Entrinnen. Trauer kann Menschen schlechtgelaunt, sprachlos, lustlos und einsam machen. Keine  Lebensfreude mehr. Das ist ganz normal, dass das Leben sich verändert, wenn man einen wichtigen Menschen verliert. Die Oma, den Opa, die Mutter, den Vater, die Tochter, den Sohn, die Schwester, den Bruder, das Enkelkind die Freundin, den Freund. Man erlebt Angst, Sorge, Zorn, Empörung, Trauer, Nicht-mehr-können, Verlassen-sein, Wut, Unverständnis und Schmerzen, wenn der Tod einen lieben Menschen von uns einfach wegnimmt. Dann wünscht man sich wie es in einem Lied heißt: 'Ich möcht, dass einer mit mir geht, der's Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten geleiten kann. Ich möcht, dass einer mit mir geht!'" Genau dies tue das Trauerbegleitteam und für diesen treuen Dienst für die Menschen in Not dankte Dekan Kollamkunnel dem Team von ganzem Herzen.

Ein Weg zurück ins Leben

Pfarrerin Nicole Gneiting berichtete, dass der Abschied von lieben Menschen, das gemeinsam am Sterbebett sitzen, zusammen weinen, den Friedhof besuchen und gleichzeitig einen Weg zurück ins Leben finden schon seit ihrer Kindheit zu ihrem Leben gehöre. Viele der ihr nahen Menschen hätten schon früh die sichtbare Welt verlassen. Sie sei ihren Eltern sehr dankbar, dass sie ihr diesen Teil des Lebens nie vorenthalten haben. So habe sie stets auf Ressourcen zurückgreifen können, wenn allerliebste Menschen nicht mehr ihren Lebensweg begleiten konnten. In all ihren Abschieden spiele die Erinnerung und die innere Verbindung eine wichtige Rolle. Selbst heute nach Jahren stehe sie mit ihren liebsten Menschen in einem gedanklichen Dialog. Es fühle sich an, als seien sie nur hinter einer Wand, in einer anderen Dimension, die sie nicht sehen kann. "Für mich sind sie bei Gott und damit gleichzeitig auch
hier, denn Gott ist hier", sagte sie.

Wirklich nahe bei den Menschen

Dekanatsreferent Achim Wicker hielt fest, dass es ihn stört, dass in der heutigen Gesellschaft Trauer immer weniger vorkomme. Viele Menschen wollten mit dem Thema Tod und Trauer so lange es irgend geht, nichts zu tun haben. Aber das Leben sei nicht endlos. Krankheit, Schicksalsschläge und Tod gehörten dazu und eben auch die Trauer. Weiter stellte Achim Wicker sich die Frage, wo die Kirche hierbei ansetzen und den Menschen helfen kann. Eine Kirche, die wirklich nahe bei den Menschen sein will, könne nur eine Kirche sein, die gerade in Krankheit, Not und Trauer für die Menschen da ist. Seit zehn Jahren mache die kirchliche Trauerarbeit in Albstadt Menschen in Trauer vielfältige Angebote. "Das ist für mich Kirche, wie sie sein soll", sagte er.

Buch für Trauernde soll noch vor Weihnachten erscheinen

Trauerbegleiterin Cathrin Lindner berichtet von ihrem Erfahrungsschatz der vergangenen zehn Jahre, dass Trauer ein schmerzhafter Prozess sei, der weh tut. Es gebe keine Medizin, die sie erleichtert oder betäubt. "Da braucht es jemanden, der einem beisteht, mitweint, einen, der mit mir schweigt, mich annimmt und so aushält, wie ich gerade bin. Einem Menschen, dem ich vertrauen kann und der mir hilft, mich in meinem veränderten Leben neu zu finden und mich neu zu definieren", sagte sie. Trauerbegleiterin Victorina Vivas berichtete über ihre Abschlussarbeit, welche sie 2014 in der Ausbildung zur Trauerbegleiterin machte und der sie die Überschrift: " Das Trauerjahr - So bunt wie das Leben" gab. So bunt? Ja, die Trauer habe viele Facetten und Farben. Jeder und jede empfinde, fühle und trauere anders, das habe sie in den zehn Jahren gesehen und gespürt.

Zum Abschluss der Glaubenszeugnisse erzählte Diakon Michael Weimer, dass er in vielen Krankheiten und im Sterben, immer wieder die Sterbephasen des Nicht-wahrhaben-wollens, der Aggression, des Verhandelns, von Depression und Aktzeptanz erlebt habe, wie sie die schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin Kübler Ross erlebte. Die Begegnungen mit vielen Kranken und Sterbenden Menschen hätten seinen Glauben geprägt und gerade durch viele Krankenschwestern und Pfleger, Ordensschwestern und Ärzte seien für ihn die Evangelien zu lebendigen Quellen der Barmherzigkeit, Liebe und des ewigen Lebens geworden. Er wolle von Herzen für die Menschen in Not da sein.
Weimer dankte all seinen Mitstreiterinnen, welche mit ihm zusammen in den vergangenen zehn Jahren für die Trauernden da waren, mit einem Blumengebinde. Dies sind: Victorina Vivas, Cathrin Lindner, Annette Krizak, Blanda Grüner, Hannelore Mauch, Sybille Fink und Regina Birk.

Zum Ende des Gottesdienstes stimmte Kirchenmusikdirektor a.D. Rufolf Hendel mit der Orgel das Lied "Großer Gott wir loben dich an". Und es gab noch eine Neuigkeit: Zur Zeit arbeite das Trauerbegleitteam an einem eigenen Buch für Trauernde, das noch vor Weihnachten erscheinen soll.

Aktuelles

aus der Region

Lothar Schubert neu im Vorstand der Bischof-Moser-Stiftung

Rottenburg

Lothar Schubert gehört seit dem Sommer dem Vorstand der Bischof-Moser-Stiftung an. Diese fördert die pastoralen Dienste innerhalb der Diözese.

Matthias Zahner

Beeindruckende Wegmarken des Glaubens

Rottenburg am Neckar

Der emeritierte Bischof Dr. Fürst und Weihbischof Dr. Schneider segnen den nun vollständig restaurierten Prozessionsweg im Weggental in Rottenburg.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Niklas Heck

Junge Kirche St. Nikolaus feiert Wiedereröffnung

Stuttgart

Zwei Jahre Umbau haben eine flexible Kirche mit vielen Möglichkeiten entstehen lassen. Wiedereröffnung am 20. September mit Bischof Dr. Klaus Krämer.

Joscha Reuther

Popmusik: Glaube, der nicht glatt klingt

Stuttgart

Das popmusikalische Kollektiv Credo·Collab übersetzt das Glaubensbekenntnis in Musik. Single-Auskopplungen eines neuen Albums können gestreamt werden.

Angelika Sönnichsen

Burundi-Reise: Bischof plädiert für mehr Aufmerksamkeit

Rottenburg am Neckar

Frieden, Ernährung, Bildung und medizinische Versorgung als zentrale Felder der Zusammenarbeit. Theaterprojekt kommt 2027 nach Stuttgart.

Dekanat Stuttgart / Heinz Heiss

Kultur, Werte und Religion für die Praxis in Kindertageseinrichtungen

Rottenburg am Neckar

Die vier großen christlichen Kirchen im Land veröffentlichen Praxisbuch zur Umsetzung des für Kindertageseinrichtungen geltenden Bildungsplans.

iStock.com/Smederevac

Bischof Dr. Krämer wünscht guten Start ins neue Schuljahr

Rottenburg am Neckar

Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger begleiten Schüler- und Lehrer:innen das Schuljahr hindurch wohlwollend und unterstützen sie tatkräftig.