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In Treue zum Weingartener Blutritt

Wie andere in den letzten Jahren feiert die Blutreitergruppe Meckenbeuren 2026 ihre Gründung vor 100 Jahren mit Gottesdienst und Reiterprozession.

Meckenbeuren
Das historische Schwarzweiß-Foto zeigt die Reiterprozession in der Innenstadt. hinter zwei Ministranten reitet der Pfarrer, dahinter folgen die übrigen Reiter. Den Straßenrand säumen viele Menschen. Blutreitergruppe Meckenbeuren

Die Meckenbeurer Blutreitergruppe mit Pfarrer Msgr. Karl Heda um das Jahr 1950 in der Weingartener Kirchstraße. Archivfoto: Blutreitergruppe Meckenbeuren

Dass sich einige junge Landwirte nach dem Sonntagsgottesdienst im Meckenbeurer Gasthof Baur zum Frühschoppen trafen, war sicher nichts Besonderes. An einem Tag im Herbst 1926 saß unter ihnen auch Anton Raiber, Pfarrer der gerade selbstständig gewordenen Pfarrei. Er konnte die jungen Männer von der Idee begeistern, bei der großen Reiterprozession in Weingarten den Segen Gottes durch das Heilige Blut für Familie, Haus und Ernte zu erbitten. So oder so ähnlich könnte sich die Geburtsstunde der Blutreitergruppe Meckenbeuren zugetragen haben. Eine Neuordnung Anfang des 20. Jahrhunderts hatte zunächst in den direkten Nachbargemeinden Weingartens, dann auch im weiteren Umland zur Gründung von Ortsgruppen geführt.

Den Gasthof Baur, in jener Zeit auch als Hotel die erste Adresse im Dorf, gibt es nicht mehr. Er wich einer generationenübergreifenden Wohnanlage. Doch die Blutreitergruppe macht sich seit 1927 - zusammen mit dem Musikverein - bis heute jedes Jahr am Tag nach Christi Himmelfahrt nach Weingarten auf, um am Blutritt teilzunehmen. Wobei es zwangsweise Pausen gab, wie die zum 100-Jahr-Jubiläum am 13. September erscheinende Festschrift verrät. Von 1940 bis 1945 verboten die Nationalsozialisten das öffentliche Glaubensfest, das nur mit einem Pontifikalamt und einer Prozession zu Fuß innerhalb der Basilika stattfinden durfte. 1946 und 1947 sowie während der Coronapandemie 2020 und 2021 gab es nur ein kleines Blutrittle ohne die Meckenbeurer Pferde.

Hoffentlich kehren alle heil zurück

"Ein ganz besonderes Gefühl ist es jedes Jahr aufs Neue, am Blutfreitag früh am Morgen die Pferde herauszuputzen und die feierliche Prozession zu erleben", erklärt Gruppenführer Hubert Bernhard, der schon als Sechsjähriger neben seinem Vater und Vorgänger im Amt sowie seinem großen Bruder in Weingarten mitritt. Erleichtert und dankbar sind nicht nur die Reiter und inzwischen auch Reiterinnen, wenn alle wieder heil zurück sind und sich die Pferde zufrieden in der Koppel wälzen, sondern auch die Angehörigen im Hintergrund. Vor allem, wenn das Wetter mitgemacht hat und nicht alles durchnässt ist. "Es fällt einem gewissermaßen ein Stein vom Herzen", sagt Marlene Brendle, die sich um die Garderobe ihres Mannes und ihrer beiden Söhne kümmert.

Zahlenmäßig gab es bei der Meckenbeurer Gruppe, die auch an kleineren Prozessionen in der Umgebung und an Feierlichkeiten in der Kirchengemeinde mit und ohne Pferde teilnimmt, in den 100 Jahren Hochzeiten und Durststrecken. Während es jedoch für andere Blutreitergruppen heutzutage immer schwieriger wird, reitende Priester, Diakone oder andere Pastorale Mitarbeitende zu finden, sticht Meckenbeuren regelmäßig mit ihren zwei Priestern in Chorkleidung und roter Stola heraus. Dabei reitet Pfarrer Shinto Kattoor wie sein Vorgänger bei der Nachbargemeinde Kehlen mit. Der Aachener Domvikar Dr. Peter Dückers begleitet die Gruppe seit 2004 und der aus Meckenbeuren stammende und in Stuttgart wirkende Pfarrer Andreas Gälle hält den Blutreitern seit 2008 die Treue.

Festprogramm zum Jubiläum

Am Sonntag, 13.September, feiert die Blutreitergruppe ihr 100-jähriges Gründungsjubiläum unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Georg Schellinger auf dem Hof Bernhard, Brugg 3, 88074 Meckenbeuren.

Das Festprogramm bei gutem Wetter

  • 8.30 Uhr: Aufstellung der teilnehmenden Blutreitergruppen und Begrüßung im Hof Bernhard in Brugg
  • 8.45 Uhr: Beginn der Reiterprozession: Stationsaltar am Feldkreuz in Brugg und Stationsaltar im Lohner, Rückkehr zum Hof Bernhard
  • 10.30 Uhr: Eucharistiefeier mit Domkapitular Msgr. Dr. Uwe Scharfenecker (Hof Bernhard)
  • anschließend Frühschoppen und Mittagessen sowie Grußworte
  • Zudem ist eine Festschrift erhältlich
  • Der Musikverein Meckenbeuren umrahmt die Jubiläumsfeier musikalisch.

Bei schlechtem Wetter

entfällt die Reiterprozession, die teilnehmenden Blutreitergruppen nehmen in Frack und Zylinder und den Standarten an der Messe auf dem Hof Bernhard teil.

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