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"Ist und bleibt Vorbild im Glauben"

Mit einer Feierstunde eröffnete Bischof Dr. Gebhard Fürst am Dienstagabend die Gedenkstätte für Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll.

Rottenburg am Neckar
Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart

Bei der Eröffnung der Bischof-Sproll-Gedenkstätte im Bischöflichen Ordinariat in Rottenburg (von links): Dr. Herbert Aderbauer vom Diözesanarchiv, Dr. Melanie Prange, Leiterin des Diözesanmuseums Rottenburg, Bischof Dr. Gebhard Fürst und Generalvikar Dr. Clemens Stroppel. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Mit einer Feierstunde eröffnete Bischof Dr. Gebhard Fürst am Dienstagabend eine Gedenkstätte für seinen Amtsvorgänger Johannes Baptista Sproll, der von den Nationalsozialisten als einziger Bischof in Deutschland aus seiner Diözese verbannt worden war. Das Interesse an dem neuen Gedenkort im Bischöflichen Ordinariat war so groß, dass die im Foyer bereitgestellten Stühle nicht ausreichten, um allen einen Sitzplatz zu bieten. 

Bischof Sproll und sein aus dem Glauben heraus gewonnener Widerstand gegen die NS-Diktatur dürfe nicht in Vergessenheit geraten, betonte Fürst bei seiner Begrüßung und erinnerte im Beisein des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel daran, dass im Jahr 2006 bei einem gemeinsamen Besuch in der Gedenkstätte für die Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts in Rom einer der Steine niedergelegt worden war, mit dem die Nazis 1938 die Scheiben des Arbeitszimmers von Bischof Sproll im vormaligen bischöflichen Palais eingeworfen hatten, in dessen Eingangsbereich sich der neue Gedenkort befindet.

Eindrücke von der Eröffnung des Bischof-Sproll-Gedenkorts

Gedenken braucht einen Ort

"Gedenken braucht einen Ort, gerade auch in Rottenburg, am Bischofssitz. Deshalb liegt mir die Errichtung dieser Gedenkstätte genau hier sehr am Herzen und ich freue mich sehr, dass wir hier nun einen herausragenden Gedenkort haben", hielt Bischof Fürst bei seiner Ansprache fest und erinnerte daran, dass 2011 ein Seligsprechungsverfahren für Bischof Sproll eröffnet wurde, das "hoffentlich positiv beschieden wird". 

Die von Dr. Melanie Prange, Leiterin des Diözesanmuseums, und Dr. Herbert Aderbauer vom Diözesanarchiv unter Mitwirkung des Stuttgarter Büros "von Jacobs. Ausstellungsgestaltung – Innenarchitektur" konzipierte Gedenkstätte lade  Besucher:innen anhand von sieben chronologisch gereihten Themenbereichen mit Texten, Bildern und Objekten zu einer Einführung in das Wirken von Bischof Sproll ein. Darüber hinaus biete die Ausstellung durch eine multimediale Präsentation die Möglichkeit, im Rahmen von Führungen noch mehr über Bischof Sproll zu erfahren.

Orientierung und Vorbild

"Die Gedenkstätte ist für eine große Öffentlichkeit konzipiert: Auch Gruppen können und sollen kommen. Insbesondere für  Schulklassen wäre ein Besuch für den Geschichts- und Religionsunterricht zum Thema christlicher Glaube und Widerstand relevant", hob der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart hervor und verwies auf Sprolls auch für die kommende Generation Orientierung und Vorbild gebende Haltung zu Themen wie Rassismus und Nationalismus sowie auf Sprolls Einsatz für den Frieden. Von besonderer Bedeutung dabei sei, dass Bischof Sproll alles "ganz aus seinem christlichen Glauben heraus tat", unterstrich Bischof Fürst. "Er ist und bleibt Vorbild im Glauben."

Neben Kardinal Graf von Galen sei Sproll der einzige Bischof, der sich den Nationalsozialisten öffentlich und entschieden in den Weg stellte – und dies früher als von Galen, betonte Fürst und erinnerte, dass Sproll in der Diözese Rottenburg-Stuttgart seit Jahrzehnten von der Bevölkerung als Bekennerbischof verehrt wird, der der nationalsozialistischen Ideologie Widerstand leistete.

Außerhalb der Diözese sei Bischof Sproll jedoch leider nach wie vor zu wenig bekannt. "Wir müssen es uns deshalb weiterhin zur Aufgabe machen, seine Haltung und seine Taten allgemein bekannt zu machen: Dazu soll die Gedenkstätte beitragen", hielt Bischof Fürst fest und verwies darauf, dass die Gedenkstätte vor diesem Hintergrund dem Bedürfnis nach Erinnerung, Rückbesinnung und auch nach dem Hereinholen in die Gegenwart Rechnung trage. 

Ungebrochen im Glauben

Eine Multimedia-Reportage über Bekennerbischof Sproll

Er war der einzige deutsche katholische Bischof, der während des Dritten Reichs von den Nazis aus seiner Diözese vertrieben wurde: Joannes Baptista Sproll. In seiner Diözese wurde und wird er bis heute wegen seiner ablehnenden Haltung gegen den Nationalsozialismus als "Bekennerbischof" verehrt.

Ein besonderer Raum

Generalvikar Dr. Clemens Stroppel fasste es bei seiner Einladung zur Besichtigung der Gedenkstätte im Anschluss an den offiziellen Teil der feierlichen Eröffnung, die von einem Klarinetten-Quintett der Stadtkapelle Rottenburg musikalisch umrahmt wurde, so zusammen: Die Gedenkstätte befinde sich an dem Ort, an dem Bischof Sproll von den Nationalsozialisten abgeführt wurde, an den er nach dem Ende des NS-Regimes und der Zeit seiner Verbannung zurückkehrte, und an dem Ort, an dem er nach seinem Tode vor der Bestattung in der Bischofsgruft der Sülchenkirche aufgebahrt wurde. 

Entstanden ist der neue Gedenkort so an historischer Stelle im Eingangsbereich des früheren bischöflichen Palais. "Es ist die Eingangshalle zur einstigen Wohnung des Bischofs und damit die Innenseite des großen Holzportals, das die Nazis 1938 einschlugen, als sie das Haus stürmten, um Bischof Sproll zum Verlassen seiner Diözese zu zwingen", erinnerte Dr. Herbert Aderbauer. 

Dr. Dominik Burkard, Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Vorsitzender des Geschichtsvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ging in seinem Vortrag mit dem Titel "Rottenburg - Rom - Berlin. Der 'Fall Sproll' im Fokus der Diplomatie" anlässlich der Eröffnungsfeier der Frage nach, was seitens des Vatikans unternommen wurde, um Sproll zu Hilfe zu kommen. "Tat man überhaupt etwas oder ließ man den Rottenburger Bischof 'im Regen stehen'?", stellte Burkard die Frage. 

Hinweis

Der Gedenkort ist eine Zweigstelle des Diözesanmuseums in Rottenburg, bei dem es unter Telefon 07472 / 922180 und -82 sowie per E-Mail an museum-sprollgedenkort@bo.drs.de weitere Informationen gibt.

Joannes Baptista Sproll und sein Bischofsstab

Eine Spurensuche

1927 wird Joannes Baptista Sproll Bischof der Diözese Rottenburg. Auf ersten Aufnahmen lässt er sich mit dem Bischofsstab seines Vorgängers Paul Wilhelm Keppler ablichten. Da es früher durchaus üblich war, den Stab des Vorgängers zu übernehmen, dachte man lange Zeit, Sproll habe keinen eigenen besessen. Wie aber ließ sich das in seiner Zeit als Weihbischof bewerkstelligen? Sprachen sich Bischof Keppler und Weihbischof Sproll am Wochenende ab, wer wann den Stab nutzen darf? Undenkbar, meint Diözanarchivar Dr. Herbert Aderbauer und begibt sich auf die Suche.

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