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Jesus heißt heute Ceren

Im Zußdorfer Ostergarten erleben Schüler:innen des sonderpädagogischen Bildungszentrums die Passionsgeschichte hautnah.

Zußdorf
Diözese Rottenburg-Stuttgart / Markus Waggershauser

Im Grab Jesu öffnet Ulrike Warneck den Vorhang zum Osterhimmel

Aus dem wolkenverhangenen Himmel regnet es in Strömen. Eigentlich kein Wetter für den Garten. Trotzdem warten drei Seniorinnen aus Blitzenreute unter ihren Schirmen vor dem Eingang mit dem bunten Schild „Treffpunkt Ostergarten“. Schließlich öffnet sich die Tür und Schülerinnen der Berufschulstufe vom benachbarten Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) St. Christoph kommen die Treppe herunter oder werden in ihren Rollstühlen herbeigeschoben. Miteinander tauchen sie ein in eine ganz andere Welt.

Tücher und gemalte Bilder bringen orientalisches Flair in den langen Flur. „Wir sind in Israel“, erklärt Ulrike Warneck und lässt die Teilnehmer:innen an Töpfchen mit Zimt, Nelken und Pfeffer schnuppern. Die heutige Begleiterin gehört zum Seelsorgeteam von St. Johann, einer Einrichtung für junge Menschen mit Behinderung, und trägt ein langes, weißes Gewand mit passender Kopfbedeckung. Wenn Stars kommen, werde der rote Teppich ausgerollt und die Fans hielten Transparente hoch, erzählt sie. Damit schlägt sie die Brücke von der Gegenwart zum Palmsonntag in biblischer Zeit.

Beim Abendmahl wirds eng

Auch in Zußdorf legen die Besucher:innen wie damals Kleider auf den Weg und winken mit Palmzweigen, als Ceren würdevoll an ihnen vorbeischreitet. Die junge Jesusdarstellerin trägt ebenfalls ein weißes Gewand und einen breiten orangefarbenen Schaal. Mit etwas Unterstützung zieht sie einen Stofftier-Esel in der Größe eines Schaukelpferds hinter sich her. Obwohl sie nicht sprechen muss, steht sie bei jeder Station im Mittelpunkt. „Ich finde dieses Projekt echt gut“, sagt die junge Frau nach dem Rundgang, bevor sie sich zur nächsten Gruppe aufmacht.

Zurück zum Abendmahlssaal. In dem ebenfalls orientalisch dekorierten Raum stehen in jüdischer Tradition der siebenarmige Leuchter sowie ungesäuertes Brot und Traubensaft in Mini-Gläschen auf einem niedrigen Tisch. Es wird eng, denn heute nehmen nicht zwölf, sondern knapp 20 Jünger:innen auf den Sitzkissen und Stühlen Platz oder werden im Rollstuhl dazugeschoben. Nach einer Erklärung der biblischen Situation ertönt ein meditatives Lied aus dem tragbaren Lautsprecher, während Ceren und Ulrike Warneck das bereits gebrochene Brot und den Saft verteilen.

Eine Laterne mit dem Licht Gottes

Draußen regnet es noch immer, als sich die Gruppe auf den Weg in den Garten Getsemani macht. Maurice hat sich freiwillig gemeldet eine Laterne zu tragen und vorauszugehen. Das erinnert ihn an eine Lichterprozession, die er im französischen Marienwallfahrtsort Lourdes miterlebt hatte. „Für mich ist das das Licht Gottes“, erklärt der Schüler. Abwechselnd erzählen Ulrike Warnneck und die Stimmen aus dem Lautsprecher an den folgenden Stationen vom Kuss, mit dem Judas Jesus verriet, vom Lagerfeuer mit dem Hahn, wo Petrus dreimal behauptete Jesus nicht zu kennen, und vom goldenen Richterstuhl, wo Pilatus nach dem Urteil seine Hände in Unschuld wusch.

Als die Gruppe vor den drei Kreuzen steht, erklingt der Bach-Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“. Eine Windtrommel erzeugt anschließend Sturm- und Donnergeräusche. „Jetzt passt das Wetter“, kommentiert eine Teilnehmerin. Am mittleren Kreuz, an dem Jesus starb, hängen ein schwarzes Tuch und eine Dornenkrone, auf einem Holzklotz darunter liegen lange Nägel. Ulrike Warneck und ihre Kolleg:innen führten in zwei Wochen 50 Gruppen hierher. Darunter waren neben eigenen Schüler:innen Kindergarten- und Erstkommunionkinder, externe Schulklassen und Senioren. „Ich habe hier Erwachsene auch schon weinen sehen“, sagt die Erzählerin.

Willkommen im Himmel

Das Kreuz ist nicht die Endstation. Im völlig abgedunkelten Geräteschuppen, dem Grab Jesu, öffnet Ulrike Warneck den schwarzen Vorhang an der Rückwand - zunächst nur einen Spalt. Dann lädt sie ein in den Himmel zu kommen. Ein Meer von gelben Frühlingsblumen, ein Wasserspiel und die Osterkerze erwarten die Gäste. Dazu erklingt Händels Halleluja. „Ich bin absoluter Osterfan“, gesteht die Führerin, die vor ihrer Rente in fünf Jahren unbedingt nochmals einen Ostergarten in Zußdorf mitorganisieren möchte. Die Scheiben des Gewächshauses sind mit weißen Tüchern verhängt. Mittendrin steht Ceren und strahlt. Ein Ort voller Licht, der den Regen draußen vergessen lässt.

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