Nicole Höfle Junge Kirche St. Nikolaus feiert Wiedereröffnung
Niklas Heck Blick in die neu renovierte Junge Kirche St. Nikolaus. Bild: drs/ Niklas Heck
Nach zwei Jahren Sanierung wird die Kirche Sankt Nikolaus am Stöckach am Sonntag, 20. September, als Junge Kirche Sankt Nikolaus wiedereröffnet. Um 11 Uhr feiert Bischof Klaus Krämerden Festgottesdienst, an den sich ein gemeinsames Mittagessen, Führungen, Workshops und weitere Programmpunkte anschließen. An der Gestaltung der Kirche haben viele junge Menschen mitgewirkt, was im Kirchenraum zu spüren ist. Sankt Nikolaus verbindet Tradition mit vielen modernen Elementen. In der Kirche finden sich viele überraschende Räume und Nischen, die zu Stille, Gebet und zum Nachdenken einladen, hinzu kommen spielerische Elemente. Vieles in der Jungen Kirche St. Nikolaus ist beweglich und lädt zu Veränderung ein.
Kirche ist auf Veränderung ausgelegt
Wer die umgebaute Kirche betritt, erlebt einen deutlich helleren und offeneren Raum. Die grundgereinigten Fenster lassen viel Licht herein, Wände und Boden sind zurückhaltend gestaltet, warme Holztöne und gezielte Farbakzente setzen Kontraste. Zugleich ist die Kirche konsequent auf Veränderung angelegt: Bänke und weiteres Mobiliar können versetzt, Bereiche durch Vorhänge verkleinert und Workshopflächen mit wenigen Handgriffen eingerichtet werden. Das neue Holzkreuz ist ebenfalls mobil und kann an mehreren Punkten im Kirchenraum aufgestellt werden.
„Wir haben über Jahre ausprobiert, was ein solcher großer Kirchenraum ermöglichen kann. Dabei war uns wichtig: Wenn jemand hereinkommt, soll er etwas entdecken können und einen Ort finden, an dem er für diesen Moment gerne sein möchte – zum Beten, Nachdenken, Mitmachen oder um anderen zu begegnen“, sagt Jugendseelsorger Maximilian Magiera. Für ihn ist gerade die Wandelbarkeit ein Schlüssel des neuen Konzepts: „Man kann in demselben Raum unterschiedliche Atmosphären schaffen – für einen klassischen Gottesdienst genauso wie für eine Andacht, einen Workshop, Musik oder ein Gespräch. Wir freuen uns, wenn schon bald viele Menschen mit ihren Ideen die Kirche mit Leben füllen.“
Ein aktives und ein kontemplatives Seitenschiff
Die beiden Seitenschiffe haben unterschiedliche Schwerpunkte. Das aktive Seitenschiff ist für Gemeinschaft, Diskussionen, Workshops und kreative Formate gedacht. Ein Trinkwasserbecken ist symbolisch Quelle des Glaubens, aber auch praktischer Wasserspender an heißen Tagen. Im kontemplativen Seitenschiff stehen Gebet und Stille im Mittelpunkt. Dort finden sich unter anderem ein stiller Rückzugsort in einer kleinen Kapelle, eine Gedankennische mit einem Buch für eigene Gedanken, ein Steckspiel mit Buchstaben, eine Klangschale sowie der neu gestaltete Ort der Marienverehrung.
Eine historische Marienfigur, die aufwendig restauriert wurde, trifft dort auf ein modernes Glaskunstwerk in verschiedenen Blautönen, das Stuttgarter Glaskünstler gestaltet haben. Gerade diese Verbindung von Geschichte und Gegenwart prägt die gesamte Kirche: Der historische Tabernakel ist erhalten, ebenso der Altar aus der Renovierungsphase der 1970er Jahre; neue Elemente wie Ambo, Kreuz, Möbel und das Glaskunstwerk treten hinzu.
Ein Kreuzweg, der Fragen an das eigene Leben stellt
Eine Besonderheit ist der neue Wörterkreuzweg. Acht Stationen ziehen sich durch die Kirche. Statt klassischer Bilddarstellungen begegnen den Besucherinnen und Besuchern kurze Sätze im Boden, die als Frage oder Aussage gelesen werden können, darunter „Was willst du/Was du willst“, „Was trägst du/Was du trägst“, „Wer hilft dir/Wer dir hilft“, „Würde ist unantastbar“ und am Ende „Du bist Leben“.
„Die Fragen sollen die Geschichte Jesu mit dem eigenen Leben verbinden“, erklärt Magiera. „Wer hier entlanggeht, kann überlegen: Was trage ich gerade mit mir? Wo stehe ich? Und am Ende steht ganz bewusst die Zusage: Du bist Leben.“
Nicole Höfle Über Jahre gemeinsam entwickelt
Der Umbau ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Bereits 2018 begann mit einem „Denklabor“ die Suche nach neuen Formen für die Kirche. In den folgenden Jahren wurden Nutzungsideen erprobt und weiterentwickelt. In einem Bauausschuss arbeiteten Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde, junge Menschen, das Katholische Jugendreferat Stuttgart, das Stadtdekanat und die Architekten zusammen. Realisiert wurde der Umbau nach den Plänen des Architekturbüros Prinzmetal. Der leitende Pfarrer Josef Laupheimer ist begeistert von der renovierten Kirche: „Ich freue mich auf die Feier der Gottesdienste in der lichtdurchfluteten, einladenden Kirche mit ihren neu gestalteten liturgischen Orten.“ Und die Gewählte Vorsitzende Angela Schardt schätzt die Kirche als Ort der Begegnung: „Ich freue mich auf all die Begegnungen mit Menschen verschiedenen Alters und aus aller Welt."
Junge Kirche statt Trennung nach Generationen
Mit der Eröffnung erhält der Ort auch einen gemeinsamen Namen: Junge Kirche Sankt Nikolaus. Dahinter steht bewusst keine ausschließliche Jugendkirche. Gemeinde und Jugendreferat wollen Angebote schaffen, die Kinder, Jugendliche, Familien, junge Erwachsene und Junggebliebene ansprechen. „Wir möchten uns nicht aufteilen in: Hier macht die Jugend etwas und dort die Gemeinde. Wer sich angesprochen fühlt, ist dabei und kann mitfeiern und mitgestalten.“ Die Kirchengemeinde Sankt Nikolaus und das Katholische Jugendreferat Stuttgart tragen die Junge Kirche gemeinsam.
Einweihung mit Bischof Klaus Krämer und Programm bis zum Abend
Die Einweihung beginnt am Sonntag, 20. September, um 11 Uhr mit dem Festgottesdienst mit Bischof Klaus Krämer. Chor, zahlreiche Ministrantinnen und Ministranten aus dem Stadtdekanat, Jugendliche, internationale Gruppen, Gemeindemitglieder und das Kinderhaus Sankt Nikolaus wirken mit. Nach dem Gottesdienst gibt es Mittagessen sowie ein Programm rund um Kirche und Gemeindesaal. Vorgesehen sind unter anderem Führungen, Workshops, Kreativ- und Musikangebote. Zum musikalischen Programm gehören Beiträge aus der Gemeinde sowie ein Auftritt von Björn Amadeus. Um 18.30 Uhr beginnt der junge Gottesdienst; gegen 19.30 Uhr endet der Eröffnungstag.
Geschichte der Kirche St. Nikolaus
Sankt Nikolaus ist die älteste der vier katholischen Ostgemeinden. Die Kirche wurde ab 1895 nach Plänen vonBaurat Ulrich Pohlhammererrichtet und 1899 geweiht. Im Zweiten Weltkrieg brannte sie aus und wurde anschließend wiederaufgebaut. Zuletzt war sie in den 1970er Jahren umfassend renoviert worden.