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Kinder aus der Armut holen

Die Caritas sieht Land und Kommunen in der Pflicht, ein gutes Aufwachsen für Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien zu ermöglichen.

Stuttgart / Freiburg
istock.com/Ralf Geithe

Symbolbild: istock.com/Ralf Geithe

Immer mehr Kinder in Baden-Württemberg bekommen die negativen Folgen von Armut zu spüren. Für sie sind eine gesunde Ernährung und Bildung nicht selbstverständlich, genauso wenig wie die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten im Verein oder die Möglichkeit, mit Freunden etwas zu unternehmen. Daher begrüßt die Caritas Baden-Württemberg den nun gefundenen Kompromiss zur Kindergrundsicherung, der eine Verwaltungsreform ermöglicht, als ersten Schritt bei der Bekämpfung der Kinderarmut.

Anlässlich des Weltkindertages am 20. September betont der katholische Wohlfahrtsverband die Notwendigkeit, in einem zweiten Schritt die Kindergrundsicherung armutsfest auszugestalten. "Wenn wir jetzt nicht in eine angemessene Unterstützung für die Kinder und Jugendlichen investieren, werden wir später einen deutlich höheren Preis zahlen müssen. Denn ein Aufwachsen in Armut wirkt sich langfristig schwerwiegend negativ auf die Bildungserfolge und damit die Zukunftschancen der jungen Menschen aus und kostet uns alle viel Geld", so die Vorständinnen Dr. Annette Holuscha-Uhlenbrock (Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart) und Birgit Schaer (Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg).

 

Die derzeitige Unterstützung deckt niemals ab, was Kinder zum Leben brauchen.
Dr. Annette Holuscha-Uhlenbrock
& Birgit Schaer

 

Aktuelle Untersuchungen weisen die gesellschaftlichen Gesamtkosten durch vergangene und aktuelle Kinderarmut in Deutschland mit 100 Milliarden Euro pro Jahr aus. Daher sei es nicht nachvollziehbar, dass die Einigung auf die Kindergrundsicherung diese Kosten nicht im Blick habe, so die Caritas-Vorständinnen. Eine wirksame Kindergrundsicherung schütze nicht nur vor akutem finanziellen Mangel, sie ermögliche mehr Bildungsteilhabe und verhindere somit auch langfristig Armut.

Die Vorständinnen betonen auch die Verantwortung von Land und Kommunen, Kinderarmut nachhaltig anzugehen: So brauche es ein enges Netz an Beratungs- und Unterstützungsangeboten für die Kinder und Jugendlichen und ihre Eltern, wie zum Beispiel Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, der Sprach- und Gesundheitsförderung wie Sportangebote, der Kinderbetreuung sowie Schulsozialarbeit. "Hier braucht es deutlich mehr Investitionen, um eine förderliche Zukunft für die jungen Menschen zu gestalten. Als Partnerin von Land und Kommunen stehen wir bereit."

Die Kindergrundsicherung ist aus Sicht der Caritas in Baden-Württemberg dann armutsfest, wenn sich deren Höhe an den Einkommen der mittleren Einkommensschicht bemisst, und nicht – wie bisher – an den unteren 20 Prozent der Einkommen. "Die derzeitige Unterstützung deckt niemals ab, was Kinder zum Leben brauchen“, so Schaer und Holuscha-Uhlenbrock. Nach Einschätzung der Caritas könnte mit einer moderaten Erhöhung von 100 Euro pro Kind bis zu 450.000 Kinder und Jugendliche über die Armutsgrenze gehoben werden. Für das nun angelaufene Gesetzgebungsverfahren und die Haushaltsverhandlungen fordert die Caritas Baden-Württemberg in ihrer Stellungnahme eine sachliche Debatte über das Thema Kinderarmut.

Sämtliche Zahlen beziehen sich auf die Studie der DIW Eco "Kosten (k)einer Kindergrundsicherung: Folgekosten von Kinderarmut", die von der Diakonie Deutschland beauftragt wurde.(PDF)

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