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Kirche der Zukunft entsteht im Dialog

In die Überlegungen zur Neustrukturierung der Kirchengemeinden in der Diözese werden verschiedene Perspektiven einbezogen.

In Workshops erarbeiten die Teilnehmenden die neuen Ziele

In Workshops und Podiumsgesprächen diskutierten die Teilnehmenden über die Selbst-, Sozial-, Fach- und Methodenkompetenz. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Nelly Swiebocki-Kisling

Im Rahmen des Programms „Seelsorge in neuen Strukturen“ kamen im Mai und Juni pastorale Mitarbeiter:innen, Leitende Pfarrer, Pfarradministratoren und Pfarrbeauftragte zusammen, um über zentrale Fragen zu den entstehenden neuen Kirchengemeinden zu diskutieren: Wie soll und kann die Seelsorge der Zukunft aussehen? Wie kann die Zusammenarbeit in den künftigen Kirchengemeinden gestaltet werden? Wie sieht Leitung in den neuen Kirchengemeinden aus und welche Kompetenzen brauchen Führungskräfte künftig, wenn pastorale Räume größer werden und sich kirchliche Strukturen verändern? 

Die zwei Workshops zur „Seelsorge der Zukunft“ und derWerkstatttag „Leitung der neuen Kirchengemeinden“ setzten bewusst auf Beteiligung der Expert:innen vor Ort, die mit ihrem jeweiligen Fachwissen und ihrer Erfahrung Impulse für die zukünftige Gestaltung der Seelsorge und Leitung der neuen Kirchengemeinden gaben. 

Offene Gespräche beim Workshop mit Zufallsseelsorger:innen

Bei den beiden Workshops zur „Seelsorge der Zukunft“, zu denen pastorale Mitarbeiter:innen der Diözese per Zufallsauswahl eingeladen worden waren, nutzten die Teilnehmenden die offene Form des World Café, um ihre Gedanken, Erfahrungen und Ideen einzubringen, an die Gedanken anderer anzuknüpfen, sich gegenseitig zu inspirieren und gemeinsam konkrete Lösungsimpulse zu entwickeln. Dabei zeigte sich ein „Mosaik an Sichtweisen“, resümierte Beatrice Dörner, die die Workshops seitens des Instituts für Fort- und Weiterbildung begleitete. Die Vielfalt der Beiträge verdeutlichte sowohl gemeinsame Anliegen als auch unterschiedliche Perspektiven auf die zukünftige Gestaltung der Seelsorge. 

Mehrfach wurde zum Beispiel erwähnt, dass Seelsorge auch in größeren pastoralen Räumen nah an den Menschen bleiben und Beziehungen in unterschiedlichen Lebenssituationen ermöglichen müsse. Auch wurde der Wunsch geäußert, dass das Bischöfliche Ordinariat einen Rahmen vorgibt, der jedoch mit ausreichenden Gestaltungsspielräumen und Selbstständigkeit verbunden sein soll.

Positiv bewertet wurde der Gedanke, dass sich die neuen Kirchengemeinden als ein Netzwerk verstehen. Und auch die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen wurde als zentrales Zukunftsthema benannt. Dabei wurde betont, dass beiden Gruppen viel zugetraut werden könne und ihre jeweiligen Stärken stärker genutzt werden sollten. „Nicht mehr: ‚Jede:r macht alles‘, sondern Professionalisierung“ konnte man beispielsweise auf einem der Plakate lesen. 

Leitung ist Dialog

Der Gedanke, dass Leitung Dialog ist und keine Einbahnstraße, prägte den „Werkstatttag zur Leitung der neuen Kirchengemeinden“. In Workshops und Podiumsgesprächen diskutierten die mehr als 100 Teilnehmenden, die bereits heute in Leitungspositionen tätig sind, über die Selbst-, Sozial-, Fach- und Methodenkompetenz von leitenden Personen und die Fragen, wie Leitung in einer Kirche aussehen kann, die sich verändert: Welche Aufgaben gehören künftig zur Leitung – und welche nicht? Wie können pastorale Mitarbeitende von Verwaltungsaufgaben entlastet werden? Welche Formen der Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen sowie in multiprofessionellen Teams sind notwendig, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen?

Zuhören auf der gemeinsamen Reise

Dabei kam die Frage nach Überlastungsindikatoren von Führungskräften ebenso zur Sprache wie Fragen zu möglichen Leitungsmodellen in der nahen Zukunft sowie das Thema Zusammenarbeit in der Ökumene. Konsens und unterschiedliche Sichtweisen hatten dabei gleichermaßen Platz. Es ging vor allem darum, einander zuzuhören und alle Beteiligten auf die Reise ins Jahr 2030 mitzunehmen.

Ziel war es, ein möglichst differenziertes Bild der aktuellen Situation und der Wünsche aller Beteiligten zu erhalten und daraus tragfähige Perspektiven für die weitere Ausgestaltung der neuen Kirchengemeinden zu entwickeln. Als besonders wichtig bezeichneten die Teilnehmenden den direkten Austausch zwischen den Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat und den aktuellen Führungspersonen der Kirchengemeinden.

Keine faulen Kompromisse

Bischof Dr. Klaus Krämer, der am Nachmittag dazugekommen war, hörte aufmerksam zu und beteiligte sich an den abschließenden Gesprächsrunden zu den Themenblöcken Kompetenzen, Auswahl, Qualifizierung, Schnittstellen, alternative Pfarrleitungsmodelle bei Personalmangel sowie Amtstheologisches Grundverständnis. Er zeigte sich erfreut über die Erkenntnisse des Tages und die faire und konstruktive Gesprächskultur und versicherte den Teilnehmenden: „Der Bischof wird nicht über die Köpfe der Kirchengemeinden entscheiden. Wir können auf Ihre verschiedenen Charismen eingehen und Ihre Wünsche erfüllen. Was es nicht sein sollte, ist, dass es ein fauler Kompromiss wird.“

Die drei Workshops machten deutlich: Die Kirche der Zukunft entsteht nicht am Reißbrett. Sie wächst dort, wo Menschen ihre Erfahrungen teilen, gemeinsam nach Lösungen suchen und Verantwortung füreinander übernehmen. Veränderung wird dann tragfähig, wenn sie im Dialog gestaltet wird – und wenn diejenigen, die sie tragen sollen, aktiv an ihrer Entwicklung beteiligt sind.

Die Ergebnisse aller drei Tage fließen nun in die Erarbeitung innerhalb des Programms „Seelsorge in neuen Strukturen“ ein. 

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