Mehrfach wurde zum Beispiel erwähnt, dass Seelsorge auch in größeren pastoralen Räumen nah an den Menschen bleiben und Beziehungen in unterschiedlichen Lebenssituationen ermöglichen müsse. Auch wurde der Wunsch geäußert, dass das Bischöfliche Ordinariat einen Rahmen vorgibt, der jedoch mit ausreichenden Gestaltungsspielräumen und Selbstständigkeit verbunden sein soll.
Positiv bewertet wurde der Gedanke, dass sich die neuen Kirchengemeinden als ein Netzwerk verstehen. Und auch die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen wurde als zentrales Zukunftsthema benannt. Dabei wurde betont, dass beiden Gruppen viel zugetraut werden könne und ihre jeweiligen Stärken stärker genutzt werden sollten. „Nicht mehr: ‚Jede:r macht alles‘, sondern Professionalisierung“ konnte man beispielsweise auf einem der Plakate lesen.
Leitung ist Dialog
Der Gedanke, dass Leitung Dialog ist und keine Einbahnstraße, prägte den „Werkstatttag zur Leitung der neuen Kirchengemeinden“. In Workshops und Podiumsgesprächen diskutierten die mehr als 100 Teilnehmenden, die bereits heute in Leitungspositionen tätig sind, über die Selbst-, Sozial-, Fach- und Methodenkompetenz von leitenden Personen und die Fragen, wie Leitung in einer Kirche aussehen kann, die sich verändert: Welche Aufgaben gehören künftig zur Leitung – und welche nicht? Wie können pastorale Mitarbeitende von Verwaltungsaufgaben entlastet werden? Welche Formen der Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen sowie in multiprofessionellen Teams sind notwendig, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen?
Zuhören auf der gemeinsamen Reise
Dabei kam die Frage nach Überlastungsindikatoren von Führungskräften ebenso zur Sprache wie Fragen zu möglichen Leitungsmodellen in der nahen Zukunft sowie das Thema Zusammenarbeit in der Ökumene. Konsens und unterschiedliche Sichtweisen hatten dabei gleichermaßen Platz. Es ging vor allem darum, einander zuzuhören und alle Beteiligten auf die Reise ins Jahr 2030 mitzunehmen.
Ziel war es, ein möglichst differenziertes Bild der aktuellen Situation und der Wünsche aller Beteiligten zu erhalten und daraus tragfähige Perspektiven für die weitere Ausgestaltung der neuen Kirchengemeinden zu entwickeln. Als besonders wichtig bezeichneten die Teilnehmenden den direkten Austausch zwischen den Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat und den aktuellen Führungspersonen der Kirchengemeinden.
Keine faulen Kompromisse
Bischof Dr. Klaus Krämer, der am Nachmittag dazugekommen war, hörte aufmerksam zu und beteiligte sich an den abschließenden Gesprächsrunden zu den Themenblöcken Kompetenzen, Auswahl, Qualifizierung, Schnittstellen, alternative Pfarrleitungsmodelle bei Personalmangel sowie Amtstheologisches Grundverständnis. Er zeigte sich erfreut über die Erkenntnisse des Tages und die faire und konstruktive Gesprächskultur und versicherte den Teilnehmenden: „Der Bischof wird nicht über die Köpfe der Kirchengemeinden entscheiden. Wir können auf Ihre verschiedenen Charismen eingehen und Ihre Wünsche erfüllen. Was es nicht sein sollte, ist, dass es ein fauler Kompromiss wird.“
Die drei Workshops machten deutlich: Die Kirche der Zukunft entsteht nicht am Reißbrett. Sie wächst dort, wo Menschen ihre Erfahrungen teilen, gemeinsam nach Lösungen suchen und Verantwortung füreinander übernehmen. Veränderung wird dann tragfähig, wenn sie im Dialog gestaltet wird – und wenn diejenigen, die sie tragen sollen, aktiv an ihrer Entwicklung beteiligt sind.
Die Ergebnisse aller drei Tage fließen nun in die Erarbeitung innerhalb des Programms „Seelsorge in neuen Strukturen“ ein.