Im März 2026 hat der 12. Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart seine neuen Vertreter für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gewählt. Das ZdK ist die zentrale Vertretung katholischer Laien in Deutschland. Es bündelt die Interessen, Anliegen und Positionen katholischer Verbände, Diözesanräte und weiterer Organisationen und bringt sie in Kirche, Politik und Gesellschaft ein.
Was hat die drei Vertreter des Diözesanrats der Diözese Rottenburg-Stuttgart dazu bewogen, sich zu Wahl zu stellen? Wofür möchten sie sich einsetzen und was ist ihnen bei ihrer Arbeit im ZdK besonders wichtig? Darüber sprechen Werner Krahl (Laienvertreter des Dekanats Heilbronn-Neckarsulm), Nico Gasch (Laienvertreter des Dekanats Ostalb) und Pater Alfred Tönnis (Vertreter Ordenskonvente) im Interview.
Weshalb haben Sie sich als Vertreter für das ZdK aufstellen lassen? Was war Ihre Motivation?
Werner Krahl: Neben meiner losen Vernetzung mit einzelnen Finanzausschussvorsitzenden anderer Diözesen und meiner nun schon langjährigen Erfahrung mit unserem Rottenburger Modell glaube ich, dass ich auf Ebene des ZdK einiges einbringen kann – sowohl bei synodalen Prozessen und Fragen der Mitwirkung als auch mit meiner Fachkompetenz in Finanzfragen.
Natürlich möchte ich auch meinen Blick über Rottenburg-Stuttgart hinaus weiten. Ich bin neugierig und gespannt, was andere Diözesen und Akteure bewegt und herausfordert und an welchen Themen und Fragestellungen dort gearbeitet wird.
Pater Alfred Tönnis: In unserer Diözese war es immer üblich, dass der Priesterrat einen Kandidaten benennt. Ich habe mich dafür bereit erklärt und bin dann vom Diözesanrat gewählt worden. Für mich geht es einerseits darum Informationen zu bekommen und auf dem Laufenden zu sein, aber auch eigene Erfahrungen einzubringen und mitzudiskutieren. So wie der Diözesanrat das kirchliche Leben in der Diözese widerspiegeln sollte, soll das Zentralkomitee dies ebenso für Deutschland tun.
Nico Gasch: Es war ein Herzensanliegen, das mich dazu bewogen hat: der Wunsch, einen gemeinsamen Beitrag für unsere kirchliche Gemeinschaft zu leisten. Ich komme aus der Diaspora, bin von klein auf in meiner Kirchengemeinde verwurzelt und kenne als Oberministrant, Lektor, Kommunionhelfer und Kirchengemeinderatsvorsitzender die Perspektiven ganz unterschiedlicher Menschen.
Als ehemaliger Landesvorsitzender einer Schüler- und Auszubildendenorganisation habe ich zudem die Vielfalt unserer Regionen und Menschen kennen und schätzen gelernt. Diese Stimmen will ich in das ZdK einbringen.
Welche Themen interessieren Sie besonders? Und wo und wie wollen Sie sich dafür einsetzen?
Werner Krahl: Ich bin sehr gespannt wie sich das „Nebeneinander“ von ZdK und der neuen Synodalkonferenz auf die inhaltliche und strukturelle Arbeit des ZdK auswirkt und was dies für die konkrete Arbeit in den nächsten 5 Jahren bedeutet. Es ist spannend, in dieser Wahlperiode dabei zu sein.
Die Auseinandersetzung mit der aktuellen Papstenzyklika und die Frage, wie das Thema der Künstlichen Intelligenz unter ethischen Gesichtspunkten in den politischen Diskurs eingebracht werden kann, ist für mich besonders interessant.
Pater Alfred Tönnis: Für mich sind verschiedene Themen wichtig: Wie kann das „An-die Ränder-Gehen“ gelebt und gefördert werden? Wie kann ein gutes Miteinander mit den nicht kirchlichen Christen gelebt werden und Gestalt annehmen?
Wichtig ist für mich auch, die Zeichen der Zeit zu sehen und sich denen zu stellen: Künstliche Intelligenz und Kirche, soziale Netzwerke und Kirche, Gesellschaft und Kirche oder die Frage, wie Gemeindeleben aussehen kann, ohne vor Ort Kirchengemeinde zu sein… Einbringen kann ich mich in Diskussionen und Arbeitskreisen oder auch durch ein Projekt.
Nico Gasch: Besonders bewegt mich die Frage nach dem inneren Zusammenhalt unserer Kirche. Wir erleben, dass verschiedene Strömungen auseinanderzudriften drohen und wir uns häufig an tagespolitischen Fragen abarbeiten.
Mir ist wichtig, dass wir nicht den Wesenskern aus den Augen verlieren: Wir sind eine Kirche und im Glauben an Christus verbunden.
Ich möchte dazu beitragen, die Kirche als Ganzes zu denken. Als eine Gemeinschaft, die ihre seelsorglichen, caritativen und pastoralen Aufgaben entschlossen in den Mittelpunkt stellt. Gerade in einer Zeit voller Unsicherheit und Krisen hat die Kirche eine besondere Berufung: Menschen Hoffnung, Freude und Liebe zu schenken. Das müssen wir ernsthaft und konsequent tun – nicht als Programm, sondern glaubwürdig und durch gelebtes Zeugnis.
Was ist Ihnen als Vertreter im ZdK besonders wichtig? Was ist Ihre Vision?
Werner Krahl: Wir haben uns als Diözesanrat synodale Grundhaltungen auf den Weg zur Kirche der Zukunft mitgegeben: Bewege dich – Öffne dich – Trau dich – Unterscheide. Das nehme ich ganz persönlich als meine Vision für die Arbeit im ZdK mit.
Pater Alfred: Als einer der Vertreter des Diözesanrates der Diözese Rottenburg-Stuttgart möchte ich Erfahrungen mit dem Rottenburger Modell einbringen. Als Ordensmann möchte ich zudem meine Erfahrungen aus dem Ordensleben einbringen: unser Ordensideal mit Pfarrgemeinden Strukturen als eine Einheit zu sehen.
Meine Vision ist: Wenn der Begriff Kirche fällt, denken die Menschen an Zuwendung, Hilfe und daran, angenommen zu sein.
Nico Gasch: Das ZdK ist ein großes und vielstimmiges Gremium. Menschen aus Politik, Wirtschaft, sozialen Diensten, der Bundeswehr, dem kirchlichen Leben und vielen weiteren Bereichen bringen ihre je eigene Perspektive ein.
Meine Vision ist es, die Menschen unserer Diözese mit ihren Fragen, Hoffnungen und unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten in dieses große Gremium einzubringen. Dabei ist mir wichtig, engagiert und klar in der Sache zu diskutieren und zugleich nie aus dem Blick zu verlieren, dass wir als Christinnen und Christen miteinander verbunden sind. Das ist kein frommer Wunsch, sondern für mich die Grundlage einer glaubwürdigen Kirche.