Kirche im Quartier
Götz Kanzleiter Vertreter:innen der Diözese, der Diakonie Württemberg und der Akademie Bad Ball waren gemeinsam in Mannheim. Foto: Götz Kanzleiter
Mit der Evangelischen Akademie Bad Boll und der Diakonie Württemberg waren Vertreter:innen der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf sogenannter Quartiersafari in Mannheim. Dort machten sie an vier Stationen Halt und lernten, dass sich Quartierspastoral und die kirchlichen Gebäudeprozesse berühren, bisweilen ergänzen, aber auch stören können. Die Entwicklung der neuen Kirchengemeinden in Rottenburg-Stuttgart muss die Perspektiven zusammenführen: Pastoral und Gebäude, Personal und Engagement, analog und digital, so der Tenor der Teilnehmer:innen.
Erste Station der Gruppe war die Konkordiakirche mitten in den Quadraten Mannheims. Sie folgt der städtischen Leitlinie „keine Armut“ und bietet soziale Projekte für die Bewohner:innen des Viertels. Kinder, die dort leben, haben eine Gymnasialquote unter 10 Prozent, in betuchten Vierteln Mannheims ist die Quote bei 90 Prozent. Die Lebenserwartung differiert um 14 Jahre, so Dr. Tobias Vahlpahl, der Leiter der Koordinierungsstelle Quartiermanagement Stadt Mannheim.
Teilhabe im sozialen Raum
An diesen beiden Beispielen sieht man, was Platzierung im sozialen Raum bedeutet, wie sozialer Raum Teilhabe ermöglicht oder davon ausschließt. Kinderfrühstück, Müttertreffs, Sprachschule, Vesperkirche, kostenlose Räume für Familienfeste, freie Konzerte sind soziale Projekte in und um die Konkordiakirche Mannheims, damit Menschen teilhaben können und nicht Exklusion, sondern Inklusion geschieht. Die Quartiersseelsorgerin Pfarrerin Janina Schmitt arbeitet dafür eng mit der Stadt zusammen.
Weiter ging es zur Kirche auf Franklin, Deutschlands größtes Neubauquartier an einem ehemaligen US-Standort. In Kürze sind es 10.000 Menschen, die dort Heimat suchen. Die Kirche war zunächst ein Bauwagen am Sportplatz, jetzt hat die einmalige Partnerschaft aus katholischer, evangelischer Kirche und CVJM einen Raum. Es sind Familien, die in den neuen Stadtteil gezogen sind, die Heimat im neuen Stadtviertel suchen und denen das Kirchenteam, Rebecca Kehrberger und Bernd Bruksch, Community bieten.
Dabei führt die Frage, was Familien brauchen. Einen Sonntagsgottesdienst brauchen sie nicht, also gibt es auch keinen. Stattdessen Krabbelgruppen, Elterntreff und verschiedene Feste im Raum der Kirche. Aber alles andere findet outdoor statt, mitten im Viertel, niederschwellig zugänglich und daher von vielen genutzt: Martinsumzug, Weihnachtsgottesdienst, Feste mit Gottesdienst an Christi Himmelfahrt oder Erntedank, Stadtteilbegegnungen und Kinderchor. Kommuniziert wird über WhatsApp-Gruppen. Aufgrund der zahlreichen persönlichen Hausbesuche ist das Kirchenpersonal so bekannt, dass es digitalen Zugang in die Onlinegruppen erhält.
Gemeinsam zum Ziel
Station drei: Das Spirelli-Quartier ist kleiner als Franklin, besteht aber ebenfalls aus Neubebauung plus einem Teil des alten Käfertalstadtteils. Die beiden Kirchen, vertreten durch ehrenamtliche Anwohner:innen und hauptamtliche Seelsorger:innen, suchen noch ihre Rolle, sind aber entschlossen, sich im Quartier zu engagieren und ihre Räume als Ressourcen für das Quartier zu nutzen. Allerdings wurde die katholische Kirche verkauft, vor allem ihre überdachte Außenanlage fehlt jetzt in der Quartiersarbeit, die ja von leicht zugänglichen Orten lebt. Ein Vorplatz ist im Quartier eine bessere Ressource als ein Kirchenraum, ein Garten leichter zu bespielen als ein verstecktes Gemeindehaus. So ist der Aufbau einer QuartiersApp verheißungsvoll, zumal der lokale Sportverein Partner ist. Kirchen und Sportverein arbeiten im Spirelli Hand in Hand.
Letztlich schauten sich die Besucher:innen das gemeinschaftliche Wohnen im Spirelli an. Community im Kleinen in zehn Wohnungen, die nach ökologischen Standards gebaut wurden. Im Erdgeschoss gibt es einen großen ansprechenden Gemeinschaftsraum, der dem Quartier zur Verfügung gestellt wird: für Quartiersgruppen, für Yoga, für Begegnungen und Feste.