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Kirchen in Baden-Württemberg erinnern an Opfer von Flucht und Vertreibung

Ökumenischer Gottesdienst zum Weltflüchtlingstag in Pforzheim

Pforzheim

Unter dem Titel „Heimat gestalten“ haben die vier großen christlichen Kirchen in Baden-Württemberg am heutigen Mittwoch (20.6.2018) in Pforzheim an die Opfer von Flucht und Vertreibung in Geschichte und Gegenwart erinnert. Zum Auftakt der Veranstaltung anlässlich des internationalen Weltflüchtlingstags fand am Abend ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Waisenhausplatz statt mit dem katholischen Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg) und dem evangelischen Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe). 
In seiner Predigt erinnerte Bischof Fürst daran, dass die Erfahrungen von Flucht und Vertreibung wesentlich zur Identität unseres Landes dazugehörten. „Wenn wir nach unserer Identität fragen, dann können wir dies nicht tun, ohne die Geschichte und Geschichten der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge zu erzählen, die in den verschiedenen Zeitepochen zu uns kamen“, sagte Fürst. Er rief die Füchtlinge von damals dazu auf, ihren Kindern und Enkeln heute von der Flucht zu berichten, über ihre Ängste, ihr Ankommen in der Fremde und über ihre Deutung von Heimat. „Deshalb bitte ich Sie, lehren Sie uns aus Ihren Erfahrungen, was Toleranz, Solidarität, Integration und Annahme bedeuten. Nur so verliert die immer und immer wieder bedrohlich aufkeimende Fremdenfeindlichkeit ihren Platz in unserer Gesellschaft“, erklärte der Bischof. Die Integration der vielen Flüchtlinge, die jüngst zu uns gekommen sind, sei nicht einfach, vor allem dann, wenn gänzlich verschiedene Kulturen und Wertevorstellungen aufeinandertreffen. Christinnen und Christen sollten deshalb dazu beitragen, „dass Integration nicht zum Spielball wird, für extreme politische Bewegungen und Demagogen“. 
Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh sprach einen großen Dank an jene vielen Menschen aus, die sich bis heute „für die Vertriebenen und die Menschen auf der Flucht engagieren: für ihre Freundlichkeit, für ihre Bereitschaft zu helfen, für ihr geduldiges Mitgehen.“ Im Sinne des biblischen Glaubens, dass die Menschen „keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen“, sollten die Menschen im Geist Christi „Heimat gestalten: mit denen, die seit vielen Generationen hier leben, mit denen, die als Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg kamen, mit denen, die in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren auf der Suche nach Arbeit und neuen Perspektiven hier her gekommen sind, mit denen, die heute bei uns Zuflucht suchen“, erklärte der Landesbischof. Heimat gestalten sei eine Aufgabe für beide Seiten: „Für die, die einen Ort suchen, an dem sie in Frieden leben und ihren Lebensunterhalt verdienen können, die auf eine neue Heimat hoffen. Und für die, die Sorge haben, was sich dadurch für sie und ihre Orte verändert und ob es für alle reicht.“

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