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Kirchenkrise kratzt am Selbstwertgefühl

Intensiver Austausch zwischen Diözesanleitung und der mittleren Führungsebene erstmals wieder in Präsenz.

Rottenburg

Foto: DRS / Brandl

Digitalisierung, Ehrenamt, Seelsorge, Diakonie, Liturgie, Katechese, Spiritualität, Leitbild-Evaluation, Ausbildung des Pastoralen Personales, Katholikentag 2022, Firmspendung nach Corona, Taufe auch durch Pastorale Dienste ohne Weiheamt – die erste Dekanekonferenz „live“ seit dem Beginn der Pandemie vor knapp zwei Jahren war, wie sich ihr Cheforganisator, Weihbischof Matthäus Karrer ausdrückte, „wohl eine der inhaltlich dichtesten, die wir je hatten“. Drei Tage lang diskutierten 35 Dekane und stellvertretende Dekane mit der Diözesanleitung die Themen, die derzeit allen unter den Nägeln brennen. Die unter 2 G –Bedingungen an verschiedenen Orten in Rottenburg abgehaltene Konferenz ging am Donnerstag Nachmittag zu Ende.

Im offenen Gespräch mit Bischof Dr. Gebhard Fürst wurde deutlich, wie stark die anhaltende Krise der katholischen Kirche auch am Selbstwertgefühl vieler Priester kratzt. „Wir erleben derzeit Austritte in einer Breite, wie wir sie noch nie gesehen haben, darunter sind sogar komplette Familien“, berichtete Dekan Ekkehard Schmid (Allgäu-Oberschwaben) aus der Praxis, „und dieser Exodus wird durch die Pandemie noch verstärkt.“  Sein Kollege Sven van Meegen (Heidenheim) beklagte, dass nicht zuletzt durch die Diskussion über die Notwendigkeit des Priesteramtes beim Synodalen Weg „inzwischen viele von uns sich in Frage gestellt betrachten“, und Bernd Herbinger (Friedrichshafen) machte aus seinem Herzen gleichfalls keine Mördergrube: „Wir sind immer mehr der Fußabtreter für verschiedenste Kampfgruppen. Viele Dinge, die eigentlich nach Rom gehören, werden halt bei uns abgelegt.“ Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes verwies trotz vielfach vorhandener Probleme darauf, dass es auch Zeichen der Hoffnung auf bessere Zeiten gibt. Das Modellprojekt „St. Maria als…“ zum Beispiel sei erst unlängst mit einem Innovationspreis ausgezeichnet worden, und auch das Spirituelle Zentrum Station s in Stuttgart könne sich „vor Kontaktanfragen kaum retten“.

Bischof Dr. Gebhard Fürst sieht die Kirche derzeit „eingebettet in einen gewaltigen, weltweiten Transformationsprozess, den wir zwingend mitgestalten müssen. Was ihn umtreibe, so der Bischof, sei die Sorge vor dem Verlust der sakramentalen Dimension der Kirche, mit „der Eucharistie als zentralem Element“. Sie müsse Ursprung, Mitte und Ziel allen kirchlichen Handelns bleiben, auch wenn sich viele Strukturen verändern werden in den kommenden Jahren. 

Auf dem „Marktplatz BO“ präsentierten sich diesmal erneut mehrere Hauptabteilungen des Bischöflichen Ordinariates und luden die Dekane als mittlere Führungsebene der Diözese zum Austausch zu Themen wie Jugendspiritualität und Segensfeier, Caritas, Profilstellen und weitere Berufe, kirchliches Bauen oder der doppelten Buchführung Doppik ein. Breiten Raum nahm am letzten Tag die Bestandsaufnahme der Firmspendung in Coronazeiten durch Ortspriester und Dekane sowie die Diskussion um die geplante Taufspendung durch Pastoral- und Gemeindereferent/innen ein. Kirchenrechtlich ist diese möglich. Die Diözese will aber die weiteren Schritte dorthin sehr behutsam gehen, unter Einbezug aller Beteiligter, und den Prozess nicht überstürzen.

Da gleich zwei der seitherigen drei Sprecher der Dekanekonferenz durch einen Wechsel auf andere Positionen ausschieden – Holger Winterholer (Calw) ist neuer Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal im BO, Sven van Meegen tritt im Frühjahr seine neue Stelle als Leitender Pfarrer in Ellwangen an – waren Neuwahlen notwendig. Die beiden Dekane Ingo Kuhbach (Hohenlohe) und Alexander König (Ludwigsburg) wurden jeweils einstimmig gewählt, der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes ebenso einstimmig im Amt bestätigt.

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