Jochen Wiedemann „Kleines ganz groß werden lassen“
Jochen Wiedemann v. l.: Dominik Graf, Stefanie Hildebrand, Timon Mall, Anne Würth, Weihbischof Dr. Gerhard Schneider, Christine Geier, Helena Sarac, Johanna Baumgärtner | Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann
Johanna Baumgärtner, Christine Geier, Dominik Graf, Stefanie Hildebrand, Timon Mall, Helena Sarac und Anne Würth feierten zusammen mit Gästen aus ihren Ausbildungsgemeinden im Rottenburger Dom St. Martin einen festlichen Beauftragungsgottesdienst.
Für die Lesung und das Evangelium haben Kandidatinnen und Kandidaten die Texte Jesaja 61,1-3a und Markus 6,35-44 herausgesucht und im Vorfeld mit Weihbischof Dr. Gerhard Schneider ein intensives Bibelgespräch darüber geführt. Auf der Grundlage dieses Gesprächs hielt Weihbischof Schneider seine Predigt über das Gnadenjahr aus dem Prophetenbuch Jesaja, und die bekannte Geschichte von der Brotvermehrung.
Ein erstaunlicher Impuls: Aus wenig wird viel
Im Evangeliumstext genügen fünf Brote und zwei Fische, um eine große Menschenmenge satt zu machen. Mit Blick auf die aktuelle Situation der Kirche meinte Weihbischof Schneider in seiner Predigt: „Ein erstaunlicher Impuls, den Sie uns am Beginn Ihres neuen Dienstes geben – in einer Zeit, in der es in unserer Kirche nicht allzu viele Momente gibt, wo plötzlich ganz unerwartet aus ganz wenig, ganz viel wird.“
Nach menschlichem Maß sei mit so wenig nicht viel zu erreichen. Aber eben darin liege der Kern dieser Bibelstelle: Menschliches Maß ist das eine. Göttliches Maß das andere. „Dass alle vier Evangelisten die Brotvermehrung so prominent aufgenommen haben, zeigt uns die Zielrichtung: Es geht darum, dass mit einem Mal aus etwas ganz Kleinem etwas ganz Großes werden kann.“
Jochen Wiedemann Den Kandidatinnen und Kandidaten vor ihrer Beauftragung sprach Weihbischof Schneider Mut zu: „Denken Sie daran, dass aus all dem, was Ihnen mitgegeben ist an Talenten, an Charismen – die Sie selbst vielleicht gar nicht so sehr wahrnehmen – wirklich Großes werden kann. Und dass es jeden Tag für Sie und Ihren Dienst in der Kirche einen Moment geben wird, mindestens einen, wo Sie ganz Kleines ganz groß werden lassen können.“
Strukturelle Fragen, mit denen wir uns befassen müssen, seien das eine. Der Kern der Botschaft des Evangeliums suche sich aber immer seinen Weg in der Welt – ganz abgesehen von dem, was uns jeden Tag an vielen notwendigen technischen, strukturellen Erfahrungen auch beschäftige. „Ob Ihr Dienst gelingt, ob Sie das für sich als wertvoll und gut empfinden, liegt genau daran, dass Sie entdecken: Mit dem, was Gott mir gegeben hat, kann ich dazu beitragen, seine Botschaft und andere groß werden zu lassen.“
Von Gnade getragen – Gelassenheit finden
Der Blick auf den Text aus dem Jesaja-Prophetenbuch gibt dazu die nötige Kraft und Unterstützung: „Uns ist ein Gnadenjahr das Herr zugesagt, das ein Leben lang dauert.“ Im Bibelgespräch mit dem Ausbildungskurs habe er eine gelassene, heitere Freude festgestellt. „Und diese gelassene, heitere Freude, die ich bei Ihnen erlebt habe in unserem Gespräch, die zeigt ganz genau das: das Gnadenjahr des Herrn, das Sie jetzt schon im eigenen Leben Wirklichkeit haben werden lassen“, sagte Schneider.
„Lassen Sie ganz oft fünf Brote und zwei Fische so groß werden, dass Sie Ungeahntes möglich machen. Tun Sie das in einem nicht enden wollenden Gnadenjahr. Dass Sie diesen Dienst tun, dafür danken wir Ihnen. Dass es Ihnen gut gelingen möge, darum beten wir heute.“
Jochen Wiedemann Bereit, den Dienst an den Menschen mit Liebe zu tun
Mit den Worten: „Ich bin bereit, Gottes Wort gemäß dem Evangelium und dem Auftrag der Kirche zu leben und zu verkünden. Ich bin bereit, den Dienst an den Menschen mit Liebe zu tun, ihrem Glauben und dem Leben in den Gemeinden und an den pastoralen Orten zu dienen. Ich bin bereit, im Auftrag des Bischofs mit den Priestern und den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Kirche geschwisterlich zusammenzuarbeiten, um Zeugnis zu geben von unserem Herrn Jesus Christus zum Heil der Menschen“, erklärten sich die Kandidatinnen und Kandidaten ihre Bereitschaft für ihre künftige Tätigkeit in der Diözese.
Jochen Wiedemann Musikalisch feierlich gestaltet wurde der Gottesdienst von Domorganist Prof. Georg Oberauer, Michael M. Burow-Geier (Gesang) und Stefan Geier (Klavier).
Die Kollekte geht an die tschechische Kirchengemeinde Lhotka bei Prag, die von den Neubeauftragten während der Ausbildungszeit im Rahmen einer Studienreise besucht worden war. Damit wird dort der Bau eines Gemeindehauses unterstützt.