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Kompass in unsicheren Zeiten

Mit einem Gottesdienst eröffnet die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg die ökumenische Friedensdekade.

Heilbronn
Eröffnung der Friedensdekade in der Kilianskirche Heilbronn

Ein Projektchor singt im Gottesdienst in der Kilianskirche. Foto: DRS/Guzy

Paul Schobel

Paul Schobel hält die Predigt. Foto: DRS/Guzy

Der Krieg in der Ukraine und der jüngste Angriff der Hamas auf Israel liefern nicht nur täglich Bilder von Leid und Gewalt in hiesige Wohnzimmer, sondern wirken sich auch auf die politischen Debatten aus. Diese Entwicklungen greift die ökumenische Friedensdekade auf. Für Baden-Württemberg wurde sie am Sonntag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kilianskirche Heilbronn von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit Mitgliedskirchen der ACK Heilbronn eröffnet.

Der Krieg müsse aus den Köpfen, sagte Paul Schobel. Der katholische Pfarrer und Betriebsseelsorger hielt die Predigt. „Wir müssen nicht kriegstüchtig werden, friedenstüchtig müssen wir werden“, sagte er. Den Begriff "kriegstüchtig" hatte vor wenigen Tagen Verteidigungsminister Boris Pistorius in die Diskussion geworfen. Zwar sei es keine Frage, dass sich Staaten, die angegriffen werden, verteidigen müssten. Aber Schobel sprach sich gegen bedingungslose Waffenlieferungen und stattdessen für Feuerpausen, Gespräche und einen Schluss des Rüstungswettlaufs aus. „Wer, wenn nicht wir, soll die Vision von Frieden aufrechterhalten?“, erklärte er. Etliche Gottesdienstbesucher:innen quittierten Schobels Predigt mit Ap­plaus.

Eine Reihe an Veranstaltungen

„Als Christen stehen wir da vor Gott und nehmen Verantwortung wahr“, erwähnte Heike Friedrich aus dem Vorstand der ACK Baden-Württemberg die gemeinsame Glaubensbasis. Oberbürgermeister Harry Mergel blickte in seinem Grußwort auch auf das Miteinander der vielen Nationen in der Stadt. Er äußerte die Hoffnung, dass diese weiter friedlich leben können. Mergel sagte, dass Frieden und Demokratie Geschenke seien, aber zerbrechlich und gefährdet seien. Denjenigen, die spalten wollten, müsse entschieden entgegengetreten werden.

Die ökumenische Friedensdekade setzt sich seit mehr als 40 Jahren für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung ein und möchte zur Vertiefung des christlichen Friedenszeugnisses und zur friedenspolitischen Willensbildung beitragen, wie Pfarrerin Anette Prinz von der evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde erklärte. Das diesjährige Motto lautet: „Sicher nicht - oder?“ Ein zerbrochener Kompass soll die aktuelle Verunsicherung und die zerstörten Gewissheiten symbolisieren. Die ökumenische Friedensdekade dauert zehn Tage bis 22. November.

In dieser Zeit finden an verschiedenen Orten Veranstaltungen statt. In Heilbronn zum Beispiel gibt es sogar eine thematische Reihe mit Vorträgen, einem Filmabend, einer Kunstausstellung und ökumenischen Gottesdiensten oder Friedensgebeten.

An der Eröffnung in der Kilianskirche wirkten Vertreter:innen der evangelischen, der katholischen, der methodistischen, der baptistischen und der neuapostolischen Kirche in Heilbronn mit. Ein knapp 40-köpfiger Projektchor aus mehreren örtlichen ACK-Gemeinden unter Leitung von Brigitte Varga sang. Nach dem Gottesdienst konnten sich die Besucher:innen im Chorraum austauschen und über unterschiedliche Friedensgruppen und -initiativen informieren.

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