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Kontemplation mit Pinsel und Farbe

Als offene Malwerkstatt präsentiert sich die Ulmer Wengenkirche bis 8. August. Die „Farben des Tages“ setzen Impulse und öffnen Begegnungsräume.

Ulm (Donau)
Zwei Frauen zeigen ein abstraktes Bild.

Wengenkirche im Farbrausch: Marianne Hollenstein und Margarete Lobenhofer öffnen in der Ulmer Citykirche einen künstlerischen und spirituellen Experimentier- und Begegnungsraum. Foto: drs/Jerabek

Es wird bunt. Es wird lebendig. Es wird überraschend. „Wengenkirche im Farbrausch“ – das bedeutet, Kirche zu öffnen, auch als Raum der kreativen Suche und Entfaltung, als Raum der Begegnung, als Ort der Teilhabe an etwas Großem. „Wir möchten einen Begegnungsrahmen schaffen und Menschen einladen, auch die, die sonst vielleicht nicht kommen würden“, sagt Gemeindereferentin Margarete Lobenhofer über ein ungewöhnliches Projekt, das in der Ulmer Citykirche gerade Gestalt annimmt: Zusammen mit der Ulmer Künstlerin und Bühnenbildnerin Marianne Hollenstein verwandelt sie den Chorraum der Wengenkirche in eine „offene Malwerkstatt für alle, die Lust haben, sich mit Pinsel und Farbe auszudrücken, oder es gerne ausprobieren möchten“. Der Boden ist mit Papierbahnen bedeckt, auf denen sich ein „Farbrausch“ entfalten darf.

Kirche als Denkraum und Experimentierfeld

Den Impuls gab Pfarrer Dr. Michael Estler: Die Idee eines Museumsprojekts in München, wo Kinder den Boden bemalten und sich auf diese Weise in ihrer Spontaneität und Unberechenbarkeit schöpferisch Räume erschließen konnten, wollte er für die Wengenkirche und ihren Wandlungsprozess nutzbar machen. „Das Farbrausch-Projekt bietet die Chance, den Raum in der Veränderung wahrzunehmen, also das Gespür für den historischen Raum in der Wengenkirche und für die anstehende Transformation zu schärfen", sagte Estler zur Eröffnung. „Schon seit Jahren beschäftigt sich die Wengengemeinde damit, neue Blickwinkel einzunehmen, damit die Kirche weiterhin oder immer mehr eine 'bewohnbare Kirche' ist, in der Menschen Sinn finden, Hoffnung schöpfen und Beheimatung erfahren können." Zusammen mit Lobenhofer und Hollenstein entspann sich ein Projekt, das künstlerische und spirituelle Anliegen zusammenbringt: Kirche als Denkraum und Experimentierfeld, wo Fantasie und Bewegung wertgeschätzt wird.

Die Farben des Tages

Das Angebot richtet sich nicht nur an Kinder und ihre Familien, sondern auch an ausgewählte Berufsgruppen oder Menschen in besonderen Lebenssituationen: etwa Geflüchtete und Menschen, „die in Ulm und um Ulm Heimat gefunden haben oder schon immer hier beheimatet waren“, dürfen „die Farben meiner Heimat“ in die Kirche bringen (4. August). „Die Farben von Krise und neuer Lebendigkeit“ stehen im Mittelpunkt eines anderen Tages (5. August), wenn Menschen, die Krisen erlebt haben, sowie alle, die ihnen Unterstützung geben – Mitarbeitende von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten –, besonders eingeladen sind. „Durch Tagesimpulse fühlen sich sehr viele Menschen angesprochen, die beim Malen etwas loslassen oder bearbeiten können“, erklärt Margarete Lobenhofer. „Die aber auch einfach kommen dürfen, um einen Kaffee zu trinken.“ Die Einladung an verschiedene Berufsgruppen sei Ausdruck der Wertschätzung, des Gesehenwerden und der Dankbarkeit. Weitere Tage sind den „Farben meiner Identität“ (6. August), den „Farben meiner Musik“ (7. August) und den „Farben meiner Sehnsucht“ (8. August) gewidmet. Zwischen 11 und 17.30 Uhr können Interessierte vorbeikommen und mitmachen. Jeden Abend um 18 Uhr findet eine kurze Segensfeier statt. Ein abwechslungsreiches Kulturprogramm ergänzt das Projekt.

Keine ‚fertige‘ Ausstellung

Als künstlerische Leiterin ist Marianne Hollenstein dafür zuständig, „die Menschen, die kommen, zu motivieren, sich mit Farbe und Pinsel auszudrücken, in die Abstraktion und in den ‚Flow‘ zu kommen“. Der Boden werde sich jeden Tag ein wenig verändern. „Das Spannende dabei ist“, ergänzt Margarete Lobenhofer, „dass es keine ‚fertige‘ Ausstellung ist, die vom Künstler konzipiert wird, sondern die partizipativ aufgebaut wird. Alle, die da sind, können sich nachher hier wiederfinden – ähnlich wie bei einem Mosaik.“ Das kreative Gestalten im Kirchenraum sei „eine moderne Kontemplation“.

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