Zum Inhalt springen

Künftig Frauen und Männer hoch zu Ross möglich

Der Weingartener Blutritt setzt ab dem kommenden Jahr ein Zeichen für mehr Gleichberechtigung in der Kirche.

Weingarten
Das Foto zeigt ein gutes Duzend Pferde von hinten - jeweils zu zweit nebeneinander. Auf ihnen reiten Männer in Frack und Zylinder. Sie tragen eine rot-weiße Schärpe über die Schulter. Dazwischen reitet eine junge Dame mit Reiterkappe, Jeans und blauem Rucksack.

Der Weingartener Blutritt kehrt der Beschränkung auf Männer den Rücken. Künftig kann auch die junge Dame mit blauem Rucksack in der Mitte mit Frack und Zylinder offiziell mitreiten, wenn die Gruppe dem zustimmt - Foto: Stephan Wiltsche

Nach einem jahrelangen Diskussionsprozess ist im Kirchengemeinderat St. Martin nun die Entscheidung gefallen. Ab dem Blutfreitag 2021 kann jede Blutreitergruppe selbst bestimmen, ob Frauen gemeinsam mit den Männern am Tag nach Christi Himmelfahrt durch die Stadt und die umliegenden Fluren reiten.

Im Zentrum stehen weiterhin das persönliche Glaubenszeugnis und die Einheit von Mensch und Tier als Geschöpfe Gottes im gewohnt feierlichen Erscheinungsbild. Damit werde die Tradition der Reiterprozession gewahrt, betont die Kirchengemeinde als Trägerin der Wallfahrt.

Jetzt der richtige Zeitpunkt

Die Zeichen der Zeit zu erkennen und Konsequenzen für die Zukunft des Blutritts zu ziehen, das war die letzten Jahre immer wieder Thema im Kirchengemeinderat. Vor Veröffentlichung einer Entscheidung zur Öffnung für Frauen wollten die Kirchengemeinde, die Vertreter von Blutfreitagsgemeinschaft und Blutreitergruppe Weingarten sowie der Festordner in Regionalversammlungen die neue Regelung im Gespräch den einzelnen Blutreitergruppen vorstellen.

Diese Treffen sind nun coronabedingt aufs Frühjahr verschoben. Da das persönliche Zusammenkommen vor Weihnachten nicht mehr möglich ist, erhielten nun die einzelnen Blutreitergruppen die Informationen in einem ausführlichen Brief.

Darin halten die Verantwortlichen in Weingarten nach dem sehr abgespeckten "Blutrittle" in diesem Jahr den Einschnitt durch die Pandemie für den richtigen Zeitpunkt, diese grundsätzliche Öffnung anzugehen. Nun sollen die einzelnen Blutreitergruppen Zeit haben, die eigene Entscheidung reifen zu lassen. Es kann künftig also zu einem Nebeneinander von rein männlichen und gemischtgeschlechtlichen Gruppen kommen - möglicherweise auch ein Modell für andere Reformen in der katholischen Kirche.

Die Botschaft Christi verbindet

Die Verantwortlichen in Weingarten hoffen, dass gerade die Verehrung des Heiligen Blutes und die Botschaft Christi am Kreuz, die den Kern der Reiterprozession bilden, unterschiedliche Positionen verbinden  und zu geistlicher Weite beitragen. Dies soll die Beibehaltung des optischen Eindrucks erleichtern. Wie etwa bei den liturgischen Gewändern von Ministrantinnen und Ministranten üblich, ist die Kleiderordnung mit Frack und Zylinder, weißem Hemd oder Bluse, schwarzen Lackschuhen und weißen Handschuhen für Blutreiterinnen und Blutreiter einheitlich.

Nun hoffen Dekan Ekkehard Schmid sowie Felix Habisreutinger als Sprecher der Festordner, die den Brief stellvertretend unterzeichneten, dass der Bluttritt im nächsten Jahr von der Entwicklung der Pandemie her am 14. Mai wie gewohnt und doch anders als bisher stattfinden kann.

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Franziska Deubel

Diese Orgel schwebt von A nach B

Wer am Tag des Offenen Denkmals am 13. September etwas Besonderes sehen möchte, für den kommt vielleicht die schwebende Orgel in Alpirsbach in Frage.

Axel Morat

Eine ganze Insel feiert

Reichenau (Baden)

Mit dem Pontifikalamt, der Kräutersegnung, der Prozession und Bischof Klaus Krämer als Festprediger lebt die Tradition am Inselfeiertag auf.

Aktuelles

aus der Region

Mario Paoli

Kißlegg nahm das Räumeprogramm mutig vorweg

Kißlegg

Im kirchennahen Klosterhof kam nach umfassender Renovierung neben dem nun barrierefreien Gemeindesaal auch das Katholische Verwaltungszentrum unter.

Markus Waggershauser

Franziskus heute: Geschwisterlichkeit und Zuversicht

Bonlanden, Reute, Sießen

800 Jahre nach seinem Tod inspiriert der heilige Franz von Assisi auch drei franziskanische Ordensgemeinschaften in Oberschwaben und ihre Oberinnen.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Arkadius Guzy

Chor aus Malaysia zeigt Glaubenstradition

Heilbronn

Im Rahmen einer langjährigen ökumenischen Direktpartnerschaft besucht ein Ensemble von der Insel Borneo die Stadt Heilbronn und die Umgebung.

Diözese Rottenburg-Stuttgart

Kirchen suchen gemeinsame Lösungen mit Kommunen

Stuttgart

Acht Regionentreffen laden zum Austausch über die Zukunft kirchlicher Gebäude in Württemberg. Bischof und Landesbischof beziehen in Video Position.

Kirche im Wandel – Zukunft mitgestalten

Stuttgart

Die Diözesanräte Johannes Bergold und Wolfgang Ernst sprechen darüber, wie kirchliches Leben auch unter veränderten Bedingungen lebendig bleiben kann.

Stiftung Liebenau

Austausch über soziale Arbeit, Pflege und Hospiz

Liebenau

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht die Stiftung Liebenau in Meckenbeuren und deren Einrichtungen im Franziskuszentrum in Friedrichshafen am Bodensee.

Sibylle Schwenk

Starkes Miteinander durch Wertschätzung und Respekt

Ellwangen (Jagst)

Mit weißen Rosen und Kerzen erwiesen Gläubige aus Kirchengemeinden rund um Ellwangen bei der Dekanatswallfahrt dem seligen Pater Philipp die Ehre.