Zum Inhalt springen

Lass dir Zeit!

Synodale Haltungen leben: bewusst innehalten, zuhören und verbinden – für Klarheit, Gelassenheit und achtsames Miteinander - Sr. Nicola Maria.

Diözese Rottenburg-Stuttgart / Lea-Theresa Berg

Pastoralreferent Benjamin Sigg mit der Haltung „Wenn Du sprichst“ | Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Lea-Theresa Berg

Was hören Sie, wenn Ihnen gesagt wird: „Lass Dir Zeit!”? Ist es ein Appell oder eine Ermutigung? 

„Lass dir Zeit“ heißt für mich: horch hin, gib dem Resonanzraum zwischen Gott und Dir, aber auch zwischen Dir und den Menschen eine Zeit, um wahrzunehmen, was jetzt dran ist.

„Die Zeichen der Zeit zu erkennen“ wird im Orientierungstext des Synodalen Wegs als einer von sechs theologischen Orten beschrieben. Als Mitglied der Synodalversammlung habe ich mir diese Zeit sehr konkret genommen: Mittels digitaler Abstimmgeräte hatten wir zwei Minuten Zeit abzustimmen. Die erste Minute habe ich immer genutzt, um noch einmal in mich hineinzuhören: Was hat dieser Tagesordnungspunkt mit mir zu tun, mit der kirchlichen Welt, mit Gott – und wie stimme ich jetzt ab? 

Eine weitere prägende Erfahrung habe ich im Stadtdekanatsrat gemacht: Wir haben die Sitzung alle halbe Stunde unterbrochen – selbst wenn ein:e Redner:in gerade mitten im Satz war – und eine halbe Minute Stille gehalten. Diese kurze Unterbrechung war eine positive Irritation. Spannend war: Die Sitzung wurde offensichtlich komprimierter, vertiefter. Solche kurzen Interventionen kann man, glaube ich, in jeder Sitzung einbauen – auch in verschiedenen Formen. Durch diese legitimen Unterbrechungen wird mir eine Möglichkeit gegeben, mich mit mir, mit Gott und den anderen bewusst zu verbinden. 

Wir sind häufig sehr ergebnisorientiert, alles ist getaktet. „Lass Dir Zeit“ ist für mich deshalb auch eine Form, Verantwortung an Gott abzugeben: Ich lasse mir Zeit und ich lasse den anderen ihre Zeit und werde dadurch gelassener. Meine Erfahrung ist, dass eine halbe Minute oder eine Minute zwar lang sein kann, aber vor allem kostbar. Wenn ich mir, nachdem etwas gesagt wurde, bewusst Zeit lasse, bevor ich reagiere, höre ich aufmerksamer zu. Ich lausche zuerst bei mir selbst und kann dadurch den anderen besser zuhören und auch besser spüren, wann der richtige Moment da ist, meinen eigenen Punkt einzubringen.

Sr. Nicola Maria, Citypastoral im Haus der Katholischen Kirche, Stuttgart

Lass dir Zeit – die Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums zu verstehen – neue Erfahrungen und Anregungen reifen zu lassen – dir deine eigene Meinung zu bilden – mit der Frage, wie du abstimmen sollst – und lass den anderen die Zeit, die sie brauchen.
(P. Franz Meures SJ)

Die zehn synodalen Haltungen können Orientierung geben und Impulse setzen, wie in Gremien eine offene und ehrliche Auseinandersetzung stattfinden kann – besonders in den Zeiten der Veränderungen, die vor uns liegen. Daher stellen wir Ihnen in den nächsten Wochen die zehn synodalen Haltungen vor – begleitet von Stimmen aus der gesamten Diözese. 

Lassen Sie sich inspirieren, wie „Haltung zeigen“ unseren gemeinsamen Weg zur Kirche der Zukunft prägen kann. 

Material und Unterstützung finden Sie hier. 

Alle bereits veröffentlichten Synodalen Haltungen und weitere Informationen finden Sie in unserem Dossier „Fastenzeit” sowie auf der Website „Kirche der Zukunft”.

Aktuelles

zum Thema

Ines Szuck

Mutig nach vorne - Impulse aus Heiligenbronn

Heiligenbronn

Wie entsteht die Bereitschaft, Vertrautes neu zu denken? Darum geht es beim Besuch des Präsidiums des Diözesanrats bei der Stiftung St. Franziskus.

Gregor Moser

Dekane im Austausch zur „Kirche der Zukunft“

Rottenburg am Neckar

Bischof Dr. Krämer dankt allen an der bisherigen Entwicklung im Veränderungsprozess Beteiligten in den Dekanaten und Kirchengemeinden.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Stiftung Liebenau

Austausch über soziale Arbeit, Pflege und Hospiz

Liebenau

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht die Stiftung Liebenau in Meckenbeuren und deren Einrichtungen im Franziskuszentrum in Friedrichshafen am Bodensee.

Sibylle Schwenk

Starkes Miteinander durch Wertschätzung und Respekt

Ellwangen (Jagst)

Mit weißen Rosen und Kerzen erwiesen Gläubige aus Kirchengemeinden rund um Ellwangen bei der Dekanatswallfahrt dem seligen Pater Philipp die Ehre.

Tellux-Gruppe

„Heimsuchung“: Tellux produziert preisgekrönten Film mit

Rottenburg

Literaturverfilmung von Volker Schlöndorff mit Lars Eidinger und Martina Gedeck: Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist an der Tellux-Gruppe beteiligt.

Matthias Zahner

„Ich werde geliebt, wie ich bin"

Horb am Neckar

Diplompsychologe Fred-Jürgen Werr spricht im Interview darüber, warum Selbstliebe oft so schwerfällt und erklärt, was der Glaube damit zu tun hat.

Arkadius Guzy

Solidarität in Zeiten des Wandels

Neckarsulm

Bei der diözesanen Eröffnungsveranstaltung zum Monat der Weltmission richtet sich der Blick nach Madagaskar, aber auch auf hiesige Herausforderungen.