Matthias Zahner Lesestoff mit Weitblick
Matthias Zahner Bischof Dr. Klaus Krämer (links) und Oberbürgermeister Stephan Neher legen gemeinsam ihre Bücher in die neue Kiste am Huthüttle, im Hintergrund die Wallfahrtskirche im Weggental. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart/Matthias Zahner
Wer den Weg zum Huthüttle auf sich nimmt, wird belohnt - mit einem Blick über Rottenburgs Dächer bis zur Morizkirche und rechts zur Wallfahrtskirche im Weggental. Zwei Bänkle neben einem alten Feldkreuz eignen sich hervorragend für eine kleine Pause. Nun gibt es einen weiteren Grund, hier oben zu verweilen: eine Bücherkiste lädt zum Lesen ein.
Bischof Dr. Klaus Krämer und Oberbürgermeister Stephan Neherwaren vergangenen Donnerstagnachmittag extra hochgekommen, um sie einzuweihen. Meinrad und Franziska Heumesser von der Waldkapelle Oberndorf ließen ihre Alphörner erklingen. Der volle, tiefe Klang zog hinab über die Dächer von Rottenburg und gab der kleinen Feier einen festlichen Rahmen.
Es ist die erste von fünf Bücherkisten, die Rottenburg mittlerweile bestückt hat, drei davon in der Kernstadt, zwei weitere ziehen durch die Teilorte auf Wanderschaft. Gefüllt sind sie mit einer bunten Mischung aus Kurzimpulsen, besinnlichen und spirituellen Büchern, schwäbischer Literatur, Krimis und Lyrik. Hinzu kommt der Nachhaltigkeitsgedanke: Die Werke sind gebraucht, in gutem Zustand, ausgesucht mit Hilfe der Buchhandlung TheoBuch Rottenburg.
Matthias Zahner Bischof Krämer legt „urbs pia" in die Kiste
Der eigentliche Höhepunkt der Feier war die symbolische Eröffnung. Die noch verschlossene Bücherkiste wurde von Neher und Bischof Krämer gemeinsam geöffnet, dann legten beide je ein Buch hinein. Bischof Krämer entschied sich für „urbs pia – Die fromme Stadt" von Dieter Manz. Ein Werk über die Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte Rottenburgs. „Wenn man hier ist und die Stadt vor Augen hat, dann ist man vielleicht wirklich motiviert, den Dingen ein bisschen auf die Spur zu gehen", sagte Klaus Krämer zu seiner Wahl. Das Buch sei „ein großartiges Werk", für das man dankbar sein könne, weil es mit profunder Kenntnis erschließe, was es an verborgenen Schätzen in der Stadt gebe.
Matthias Zahner Warum Bischof Krämer die Bücherkisten wichtig findet
Über die Idee der Bücherkiste selbst freute sich Bischof Krämer sichtlich. Solche Kisten gebe es zwar schon an vielen Orten, sagte er, „aber ich glaube, an so exponierten Orten noch gar nicht so häufig". Gerade ein Platz, der zum Verweilen und Nachsinnen einlade, passe gut zu einem Buch, das man sonst oft nicht dabeihabe.
Für ihn sei die Kiste zudem ein Baustein in der Kooperation zwischen Stadt und Diözese, mit der Rottenburg als Bischofsstadt sichtbarer werden solle: „Wir wollen Kirche und Kultur, die ganze Geschichte und vor allem die Menschen, die hierherkommen, erreichen." Vom Huthüttle aus zeigte er auf die Kirchtürme der Stadt, den Dom, St. Moriz, das alte Karmeliterkloster, verwies auf das Diözesanmuseum, den archäologischen Bereich in Sülchen, die Hochschule für Kirchenmusik. Auch die großen Pilgerwege, die durch Rottenburg führen, brächten immer wieder Menschen in die Stadt, der Jakobsweg, der Martinsweg und der Meinradweg, ein spiritueller Radpilgerweg, der an der Sülchenkirche beginnt. „Sie sehen, dass der Glaube Geschichte hat, aber dass er vor allem auch Gegenwart hat und Inspiration für die Zukunft bereithält", sagte Bischof Krämer.
Oberbürgermeister Neher: „Eine schöne Zufallsbegegnung"
Die Bücherkisten seien nicht neu, sagte Neher. An manchen Gipfeln und Bergen gebe es Ähnliches bereits. Besonders gefiel ihm der Gedanke des Zufalls: „Wenn man ganz gezielt ein Buch bestellt, weiß man ja schon, warum. Vielleicht finden wir hier auch Anregungen für ein Buch oder eine Thematik, die man sonst nicht auf dem Schirm hat." Genau auf diese Zufallsbegegnung mit einem Buch setze er, sagte Neher, und zeigte sich zuversichtlich, dass sie an einem so schönen Ort wie dem Huthüttle gut gelingen könne.
Matthias Zahner
Matthias Zahner Buchhändlerin und WTG übernehmen Patenschaft
Die Standorte für die Kisten seien bewusst gewählt, erklärte Sabine Köhler von der WTG Rottenburg. „Orte, die einfach für sich sprechen, die schon zum Erholen und Entspannen einladen, so wie dieses wunderschöne Plätzchen hier, das Hüttle." Die Bücherkisten seien ein sichtbares Ergebnis der Kooperation zwischen Stadt und Diözese, weitere Projekte seien bereits in Umsetzung oder Planung. Bei der Auswahl der Bücher habe Franziska Gruler von der Rottenburger Buchhandlung Theobuch geholfen. „Das ist ja auch die Nachhaltigkeit, die wir hier aufnehmen", so Köhler. Gemeinsam mit der WTG übernimmt Gruler auch die Patenschaft für die Kisten.
Zum Abschluss schrieben Neher und Bischof Krämer die ersten Zeilen ins Gästebuch, das ab jetzt in der Kiste liegt.
Matthias Zahner Fünf Bücherkisten für die ganze Stadt
Mit der Einweihung am Huthüttle ist die Ausweitung der Bücherkisten auf die Rottenburger Kernstadt offiziell besiegelt. Drei Standorte kommen dort hinzu, neben dem Huthüttle noch der Aussichtspunkt Schelmen und der Kreuzweg zur Altstadtkapelle. Zwei weitere Bücherkisten sind bereits seit August in den Teilorten unterwegs, jeweils einen Monat an einem Ort. Den Auftakt machten Eckenweiler und Frommenhausen, es folgen Weiler und Wurmlingen, danach Dettingen, Baisingen und Seebronn.
Möglich wird das Projekt durch eine Kooperation zwischen der Stadt Rottenburg am Neckar und der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die vor dem Hintergrund der geplanten Entwicklung des Jeckel-Areals initiiert wurde. Weitere gemeinsame Vorhaben sind bereits in Arbeit, darunter ein City-Escape-Game durch die Innenstadt sowie, für die kommende Zeit geplant, ein Besinnungsweg und ein St.-Martinus-Pfad.