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Letzte Messfeier im Don-Bosco-Haus

Viele Erinnerungen schwingen bei der Profanierung der Kapelle mit. Nach der Schließung des Jugendbildungshauses verliert sie ihre Bestimmung.

Friedrichshafen
Die Kapelle mit Dachreiter und Glocke von außen hinter einer Laterne mit dem Schriftzug "Don-Bosco-Haus". Markus Waggershauser

Die Kapelle des Don-Bosco-Hauses in Friedrichshafen kurz vor der Profanierung. Foto: DRS/Waggershauser

Von Entweihung möchte er nicht sprechen, betonte der Friedrichshafener Dekan Bernd Herbinger am Donnerstagabend beim letzten Gottesdienst in der Kapelle des Don-Bosco-Hauses. „In weltlichem Zusammenhang nennt man das Entwidmung, es wird einem anderen Zweck zugeführt.“ Das gilt für das ganze Richtung Eriskirch gelegene kirchliche Tagungshaus mit 48 Betten in Bodenseenähe, das vor allem junge Menschen nutzten. Es ist dringend renovierungsbedürftig. Die Kosten dafür hätten sich aus dem Betrieb nicht einmal annähernd erwirtschaften lassen. Deshalb entschied sich die Diözese vor einem Jahr schweren Herzens zur Schließung und sucht nun als Erbpachtnehmerin mit dem Besitzer, dem Haus Württemberg, nach einer Nachnutzung.

Die Kapelle konnte die vielen dem Don-Bosco-Haus verbundenen Menschen nicht fassen, so dass einige draußen sitzen mussten. Ein aufkommender Wind brachte an dem glühend heißen Tag die Luft drinnen etwas in Bewegung.  Bewegend waren auch die Erinnerungen, die Verantwortliche, Nachbarn und ehemalige Gäste aufleuchten ließen. Xaver Steidle, Geschäftsführer der diözesanen Tagungshäuser, entdeckte ein Buch in der Sakristei, in dem sich alle Zelebranten verewigten. Der erste Eintrag aus dem Jahr 1960 stammte von Kaplan Franz Josef Kuhnle, dem späteren Weihbischof. Im letzten kurz vor der Coronapandemie beauftragten Weihbischof Thomas Maria Renz und Diözesanjugendseelsorgerin Nadine Maier ehrenamtliche Jugendseelsorgende für ihren Dienst.

Was die Profanierung der Kapelle bedeutet

Die Abschiedsmesse erhielt durch die Klarinetten des Zeppelin-Ensemble festlichen Glanz. Dekan Herbinger erzählte in seiner Predigt rückblickend von Gruppengottesdiensten, die die Teilnehmenden aktiv mitgestalteten, aber auch von einer völlig überfüllten Maiandacht. Beim Singen habe man die Vibration der Nachbarn gespürt. Für die Kirche der Zukunft wünschte er sich, „dass wir den Glauben der Menschen neben uns wieder stärker wahrnehmen.“ Vom Evangelium inspiriert gelte es, das Alte in den Blick zu nehmen und das Neue zu tun. Beim Abräumen des Altars am Ende halfen viele Hände mit. Schließlich hob der Dekan eine kleine Steinplatte in der Altaroberfläche an, holte das kleine Reliquiengefäß heraus und übergab es an Steidle.

Die Profanierung, die die Kapelle von ihrer kirchlichen Bestimmung entbindet, war in wenigen Minuten vorbei. Beim Stehempfang im Innenhof berichtete Margret Halder von ihren Start 1999 als erste Hausleitung im neu gegründeten kirchlichen Eigenbetrieb der Tagungshäuser. Um wirtschaftlich zu bleiben, gab es erstmals die Belegung von zwei Gruppen parallel. Durch eine Konzession für Beherbergung und Bewirtung waren auch Einzelgäste und Feiern möglich. Ihre Nachfolgerin Kathrin Gührer, die von 2012 bis zuletzt den Begegnungsort für alle möglichst angenehm gestaltete, vermisst die externen Jugendgruppen, die hier Kirche positiv erleben konnten. Die Diözese habe die Mitarbeitenden bei der Stellensuche unterstützt, freute sie sich. „Es hat jeder einen guten Platz gefunden.“

Wehmut im Rückblick auf das Jugendbildungshaus

Manfred Mangold, damals einer der wenigen direkten Nachbarn, erlebte den Bau der Kapelle, die Bischof Carl Joseph Leiprecht 1959 weihte, als 13-Jähriger. Er ministrierte und feierte sämtliche Familienfeste im Don-Bosco-Haus. Am Ende des Gottesdienstes dankte er für diesen prägenden Ort. Der Betrieb in der Bildungsstätte - zunächst nur für die weibliche Jugend - startete bereits im Jahr 1952 auf dem Gelände, das Herzog Philipp von Württemberg dem Bistum Rottenburg überließ. Jugendliche sollen beim Bau mitgeholfen haben. Ob von ihnen noch welche anwesend waren? Zumindest die nachfolgenden Generationen hatten sich viel zu erzählen. „Ich sehe das schon sehr wehmütig, aber alles hat seine Zeit“, gibt Margret Halder zu bedenken. „Man kann auch mal Platz schaffen für etwas Neues.“

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