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Liebe ist stärker als Gewalt

Der Blutfreitag in Weingarten will Hoffnung, Halt im Glauben und Ermutigung in bedrängten Zeiten schenken. Bischof Dr. Klaus Krämer ist Festgast.

Weingarten
Hinter zwei unscharf fotografierten Reitern segnet Pater Pirmin vom Pferd mit der Reliquie.

Pater Pirmin Meyer OSB segnet mit der Heilig-Blut-Reliquie die Blutreitergruppen, die Menschen am Wegrand und die Fluren - Foto: Stadt Weingarten

1.774 Reiterinnen und Reiter zogen am Freitag bei teilweise sonnigem Wetter und für die Pferde angenehm kühlen Temperaturen zu Ehren des Heiligen Blutes durch Weingarten und die umliegenden Fluren. In der Stadt begleiteten Hunderte Musikerinnen und Musiker die 95 Blutreitergruppen. Tausende Gläubige, Besucherinnen und Besucher säumten die Straßen. Der diesjährige kirchliche Festgast, Diözesanbischof Dr. Klaus Krämer, verfolgte erstmals in dieser Rolle den Blutritt. Wie der weltliche Ehrengast Günther H. Oettinger, trug sich Krämer im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt ein, während der neue baden-württembergische Innenminister, Manuel Hagel, hoch zu Ross teilnahm.

Am Blutfreitagmorgen um 7 Uhr übergab Bischof Krämer die Heilig-Blut-Reliquie an Pater Pirmin Meyer. Der letzte Prior des ehemaligen Benediktinerklosters Weingarten vertrat Dekan und Pfarrer Ekkehard Schmid nach dessen Reitunfall und spendete mit der Reliquie vom Pferd aus Menschen, Tieren und der Natur den Segen. Zeitgleich setzte sich Europas größte Reiterprozession in Bewegung. Bereits am Abend von Christi Himmelfahrt rief der Rottenburg-Stuttgarter Bischof in seiner Festpredigt die Gläubigen in der überfüllten Basilika dazu auf, Zeuginnen und Zeugen des Glaubens zu sein. „Liebe und Barmherzigkeit sind stärker als Hass und Gewalt“, fasste er die christliche Osterbotschaft zusammen.

Zusammenführen statt spalten

Die Kriege und die wirtschaftliche Lage beunruhigten und raubten vielen Hoffnung und Mut, so der Bischof. Andererseits begegne er einer großen Zahl von Engagierten, die Menschen zusammenführen, anstatt zu polarisieren und zu spalten. Als gerade in Weingarten gelebte Beispiele nannte er diejenigen, die Gruppen begleiten, sich für Geflüchtete einsetzen, einen Mittagstisch organisieren oder weltkirchliche Partnerschaften pflegen. „Wir gestalten diese Welt und stehen nicht nur als kritische Beobachter am Rande“, betonte Krämer den christlichen Auftrag und dankte denen, die sich in die Gesellschaft einbringen, die Hoffnung weitergeben und Mut machen. Im Anschluss an die Predigt zog er mit den Gläubigen in einer nächtlichen Lichterprozession durch die Stadt auf den Kreuzberg.

Die Stadtverwaltung hatte am Blutfreitag auch in diesem Jahr wieder prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche sowie die „Blutreiter-Veteranen" ins Rathaus eingeladen. Auch eine Delegation weltlicher und kirchlicher Gäste aus der italienischen Partnerstadt Mantua waren vertreten, um die Verbundenheit beider Städte durch das Heilige Blut zu verdeutlichen. Im abschließenden Pontifikalgottesdienst in der Basilika ging Bischof Krämer auf die Blutreliquie ein. Sie erinnere an das Leiden Jesu und daran, dass Bedrängnis und Gegenwind, manchmal auch Diskriminierung zum Glauben gehören. Die Reiterprozession am Blutfreitag sei aber ein deutliches Zeichen dafür: Jesus Christus „begleitet und stärkt uns auf unserem Weg.“

Generationsübergreifend gelebte Gemeinschaft

Der weltliche Ehrengast des diesjährigen Blutfreitags, das ehemalige Mitglied und Vizepräsident der Europäischen Kommission und Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg a.D., Günter H. Oettinger, zeigte sich in seinem Grußwort nach dem Pontifikalamt tief beeindruckt von der Strahlkraft des Hochfestes. Der Blutfreitag, so Oettinger, reiche weit über Weingarten hinaus und mache sichtbar, wie sehr die Stadt zugleich christlich und europäisch geprägt sei – nicht zuletzt durch die enge Verbindung zur italienischen Partnerstadt Mantua. Besonders bewegend sei die gelebte Gemeinschaft, die sich an diesem Tag generationenübergreifend zeige: „Vom Achtjährigen bis zum Achtzigjährigen sitzen Menschen an diesem Tag gemeinsam im Sattel und tragen diese Tradition von Generation zu Generation weiter“, so Oettinger, der sich zugleich geehrt zeigte, als Protestant in der imposanten Weingartener Barockbasilika sprechen zu dürfen.

Mit Blick auf die weltpolitische Lage schlug auch Oettinger eher nachdenkliche Töne an und betonte, Europa stehe angesichts globaler Krisen vor großen Herausforderungen. Frieden, Demokratie und Wohlstand seien keine Selbstverständlichkeit mehr. Deshalb brauche es den gemeinsamen Einsatz von Kirchen, Kommunen und Gesellschaft für Zusammenhalt, gute Bildung, innovative Forschung und eine starke demokratische Kultur. Gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit sei es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und die Demokratie aktiv zu schützen.

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