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Maria und Josef auf Herbergssuche

In der Seelsorgeeinheit Altshausen machen sich stilisierte Holzfiguren von Maria und Josef auf den Weg in Kapellen und Gärten.

Altshausen
In der barocken Altshausener Schlosskirche nahmen die Organisatoren die aus Holztafeln ausgesägten Silhouetten von Maria und Josef. Die lebensgroßen Figuren stehen auf Rädern und sind somit mobil.

Verena und Michael Bertsch (von links) fertigten die Figuren von Maria und Josef, die Gemeindereferentinnen Anja Hermle und Ute Scherer sowie Ilonka Siebert organisierten mit FSJler Clemens Gröber das Projekt - Foto: Christina Maria Benz

Wenn sich auch die Weise ändert, wie Christen in dieser besonderen Zeit Weihnachten begehen können: Die Weihnachtsbotschaft bleibt. Das alte Ritual der Herbergssuche lebt daher in diesem Jahr, in dem sich außerhalb der erlaubten kirchlichen Angebote unter Corona-Auflagen keine Gruppen treffen dürfen, in Altshausen und Umgebung wieder auf.

Dazu treten die eigens in der kleinen Litzelbacher Schreinerei der Familie Bertsch aus Holz angefertigten Figuren Maria und Josef im Advent ihre Reise an. Statt in den Wohnungen freuen sich auf einen Platz im Freien, etwa im Vorgarten oder im Hauseingang, einer Hausecke oder am Gartenzaun.

Damit die Reise der weihnachtlichen Protagonisten auch für möglichst viele Zuschauer auf der Straße sichtbar wird, setzte Michael Bertsch die beiden kurzerhand auf Räder. „Kofferraum auf, Maria und Josef einladen, Kofferraum zu, wegfahren - das war nicht in unserem Sinne“, so Bertsch. Gebührende Würde den beiden sowie der Zeitqualität entsprechende Feierlichkeit sollte auch in der Handhabung der Aktion sichtbar sein.

Ökumenisch unterwegs

Die Figuren sind stilistisch lediglich angedeutet. Dies soll Raum für die eigene Andächtigkeit lassen. Nicht nur Maria und Josef sollen Herberge erhalten, sondern auch die weihnachtlichen Gefühle, Fantasien und Erinnerungen in den Herzen und Seelen der Gastgeber und Besucher.

Der Weg der beiden startete am Vorabend zum ersten Adventssonntag. Beim Brauch der Herbergssuche handelt es sich um ein ökumenisches Projekt, an dem sich katholische und evangelische Christen gleichermaßen beteiligen. So machen Maria und Josef am 24. Dezember Halt in der evangelischen Kirche, am 25. Dezember sind sie im Altshauser Pflegeheim St. Josef zu sehen. Ihr jeweiliger Aufenthaltsort ist im Kirchengemeindeblatt ersichtlich.

Selfie mit Maria und Josef

Wer bei Maria und Josef angekommen ist, ist eingeladen, im Stillen bei beiden zu verweilen, sich einen kurzen Moment der vorweihnachtlichen Andacht zu schenken. Und wer möchte, kann an die Kirchengemeinde ein Selfie schicken, das er mit Maria und Josef aufgenommen hat und das im Anschluss auf einer Fotocollage in der Kirche zur Ansicht ausgestellt wird.

Die Seelsorgeeinheit belebt mit dieser vorweihnachtlichen Tradition ein auf die Weihnachtsgeschichte zurückgehendes Ritual. Im Lukasevangelium heißt es: „Weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ Besonders im süddeutschen Raum hat sich daraus der Brauch der Herbergssuche entwickelt. In Zeiten außerhalb Corona laden die Aufnehmenden andere Familien zum gemeinsamen Gebet oder zum Adventsfenster ein. Die Herbergssuche will zum Ausdruck bringen, dass das heilige Paar auch im heutigen Alltag - wenn auch oft unbemerkt - unterwegs ist, um den Heiland und Erlöser zu den Menschen zu bringen.

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