Ein Marienbild und eine Kopie der Schutzmantelfrau beflügeln die Frömmigkeit
Diese gestaltete sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts besonders intensiv. So beschloss man 1860 mit der Anschaffung eines neuen Marienbildes einen Akzent zu setzen. Es wurde 1897 in den von Theodor Schnell dem Jüngeren gefertigten Marienaltar eingesetzt und war für Jahrzehnte eine vielverehrte Darstellung der Gottesmutter. Geschaffen wurde es von dem Schweizer Maler Paul Theodor von Deschwanden (1826-1861) und ist bis heute in der Kapelle zu sehen.
Wesentlich beflügelt wurde die Marienverehrung im 20. Jahrhundert dann durch die Aufstellung einer Kopie der im Berliner Bode-Museum befindlichen spätmittelalterlichen Figur der Ravensburger Schutzmantelfrau. Der bekannte Weingartener Bildhauer Franz Xaver Eberhard schuf die Skulptur, die am 7. Dezember 1935 feierlich in der Kirche aufgestellt wurde. Über die wachsende Verehrung dieses Bildes steht in einer Chronik: „Die Kopie der Schutzmantelfrau erlangt den Rang eines Gnadenbildes mit überörtlicher Ausstrahlung, besonders während des Krieges. Ihr zu Ehren wird 1945 der Adolf-Hitler-Platz in Marienplatz umbenannt“.
Ist Maria britischen Kampffliegern erschienen?
Peter Eitel, ehemaliger Ravensburger Stadtarchivar, bemerkte hierzu: „An Maria, die Muttergottes, wagten sich die Nationalsozialisten nicht heran, weil sie wussten, dass viele fromme Ravensburger sie verehrten.“ Ihr wird auch die Verschonung der Stadt im Zweiten Weltkrieg zugeschrieben. Sie soll englischen Kampffliegern vor der Stadt erschienen sein und somit einen Angriff verhindert haben. So kam es zu einem enormen Aufschwung der Marienverehrung gerade durch Krieg und Unterdrückung des Glaubens. Diese Verehrung ist auch heute noch in der Kirchengemeinde Liebfrauen lebendig.