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Mehr als nur ein guter Tropfen

Wein nimmt in der Bibel einen prominenten Platz ein. Eine besondere Weinprobe erschließt die Erzählungen und die spirituelle Bedeutung.

Heilbronn

Wein hat einen gar biblischen Stellenwert. Foto: drs/Guzy

Diakon Carsten Wriedt, Weinkönigin Tamara Elbl und Pfarrer Hans-Jörg Eiding bilden ein unterhaltsames Moderationsteam. Foto: drs/Guzy

Wer die Bibel nach Worten wie Wein, Weinrebe, Weinstock durchforstet, wird schnell fündig. An mehreren hundert Stellen finden sich Begriffe aus dem Bereich des Weinbaus. „Der Wein erfreue des Menschen Herz“, zitiert Carsten Wriedt einen Psalm als Beispiel. Die Hochzeit zu Kana wiederum ist für Hans-Jörg Eiding eine Lieblingsbibelstelle zum Thema Wein. Wriedt, Diakon der katholischen Deutschordenspfarrei Heilbronn, und Eiding, Pfarrer der evangelischen Kiliansgemeinde der Stadt, lassen die Verbindungen zwischen Wein, Bibel und Glauben nachspüren.

Dazu hat sich ein kleiner Kreis zu einer Weinverkostung im Deutschhof zusammengefunden. Die beiden Seelsorger teilen sich dabei mit der württembergischen Weinkönigin Tamara Elbl, die ihr sortenkundliches Wissen beisteuert, die Moderation. Elbl weist auf die Voraussetzungen für einen guten Wein hin: Erde, Wasser, Sonne und die Rebpflanzen.

Der erste Winzer

Schon Noah pflanzte einen Weinstock, weshalb er als erster Winzer gilt. Dabei musste er auch die Folgen von zu viel Weinkonsum erfahren, wie Wriedt süffisant bemerkt: So erzählt das Alte Testament, dass Noah im Rausch hilflos und entblößt einschlief.

Gilt Noah, zumindest der Bibel nach, als erster Winzer, so war es der französische Mönch Dom Pérignon, der die Methode der Schaumweinherstellung entwickelte. Daher eröffnet ein Sekt die Verkostung. Im Laufe der Veranstaltung können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer acht Weine probieren. Diese stammen von der Genossenschaftskellerei Heilbronn, der Lauffener Weingärtner eG und dem Weinkeller Flein-Talheim und werden unter den Markenlinien Sankt Kilian, Sankt Veit, Josua und Karmeliter verkauft.

Kilian, der Frankenapostel, kam der Überlieferung nach im 7. Jahrhundert mit Gefährten in Würzburg an. Dort wirkte er missionarisch und fand den Märtyrer-Tod, wie Eiding die Geschichte nacherzählt. Veit bekehrte sich schon als Kind zum christlichen Glauben und hielt an diesem fest. Auch ihm brachte das den Tod. Mit zwölf Jahren kam Veit um, erklärt Wriedt. „Um heilig zu werden, muss man nicht alt werden. Um heilig zu werden, muss man den Glauben aushalten“, sagt der Diakon. Der Name Josua verweist auf eine Geschichte aus dem vierten Buch Mose: Eine Schar Kundschafter wird nach Kanaan geschickt. Darunter sind Josua und Kaleb. Sie kehren mit einer riesigen Weintraube zurück.

Die Weinmarke Karmeliter erinnert an das Kloster des Karmeliterordens in Heilbronn. Es war ungefähr dort angesiedelt, wo sich heute der alte Friedhof befindet. Die Mönchseestraße ist ein weiterer Hinweis auf die Klostergeschichte.

Theologie im Weinberg

Nicht allein die acht Weine sorgen dafür, dass solche biblischen und kirchenhistorischen Ausführungen nicht zu trocken ausfallen. Denn das Moderationstrio ergänzt sich gut. Vor allem Wriedt und Eiding haben mit liebevollen Frotzeleien und augenzwinkernden Bemerkungen zu den Eigenheiten der jeweils anderen Konfession die Lacher auf ihrer Seite. Und wenn es passt, zitiert der Katholik Wriedt durchaus schon mal Luther: „Bier ist Menschenwerk, Wein aber ist von Gott.“

Dabei bleiben die Betrachtungen nicht nur an der Oberfläche solcher Sprüche. Das Bild von der Arbeit im Weinberg, das Biegen, Schneiden und Binden durch den Winzer, führt für Wriedt tief in den spirituellen Bereich: Wie der Winzer mit den Reben, so arbeite Gott mit uns. Er begleite uns und greife ein. Wriedt sagt: „Das Prozesshafte ist wichtig. Man spricht daher auch von Prozesstheologie.“

So wechseln sich die Weine, Erläuterungen zu den einzelnen Rebsorten, humorvolle Bemerkungen und theologische Betrachtungen ab. Spontaner Applaus und Lacher aus dem Publikum mischen sich darunter.

Die Weinprobe „Bibel und Wein“ ist dabei Teil des Veranstaltungsprogramms „Weindorf-Auslese“, das das Heilbronner Weindorf in diesem Jahr ersetzt. Denn das Weinfest kann coronabedingt nicht stattfinden. Das Weindorf sollte mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet werden, wie Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH, dem Publikum erklärt. Mit dem Alternativprogramm entstand dann die Idee zu der biblischen Weinprobe. Und die Reaktionen des Publikums zeigen, dass es keine schlechte war und eine Wiederholung gut denkbar ist.

Zunächst können allerdings alle das Thema Wein und Bibel am Wochenende im evangelischen und im katholischen Sonntagsgottesdienst vertiefen. Dann ist der letzte Teil der Predigtserie zu hören, die die spezielle Weinprobe flankiert.

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