Zum Inhalt springen

Mehr als Worte sagt ein Bild

Blühende Wiesen, zauberhafte Landschaften und Momentaufnahmen der Heilsgeschichte sind im Landratsamt in Aalen eingezogen: Nikolaus Stark stellt aus.

Aalen

"Die Zeit geht schnell": Künstlerpfarrer Nikolaus Stark spricht mit Besucherinnen seiner Ausstellung im Landratsamt in Aalen. Foto: drs/Jerabek

Flieder und Akelei, Glockenblumen, Klatschmohn und Waldvögelein - mit der Begeisterung eines Kindes badet Nikolaus Stark in den Blütenmeeren, mit denen er via Leinwand dem kühlen Ambiente des Ostalbkreishauses Farbe und Wärme verleiht. „Da muss man keine großen Erklärungen geben, sondern da muss man einfach die Augen aufmachen und schauen", sagt der Künstler. Auch er habe genau hinschauen müssen, als er seine Skizzen anfertigte, um zu zeigen, wie die Blumen wachsen. Quasi als „Schule des genau Hinschauens" hat er seine Blumen, mit denen er dem Schöpfer die Ehre gibt, an den Anfang seiner Ausstellung gestellt. Anmutig und von unbeschwerter Zartheit strecken sie ihre leuchtenden Köpfe empor, als sei ihr Blühen für die Ewigkeit bestimmt. Doch „die Blumen verblühen schnell", sagt Stark nachdenklich und in Anspielung auf ein Gedicht von Joseph von Eichendorff (1788-1857), das seiner Ausstellung Inspiration und Namen gibt: „Die Zeit geht schnell."

Mit der Kraft des Wortes und des Pinsels

Starks Blumen verblühen zum Glück nicht. In der Ausstellung verdichten sich seine floralen Kompositionen vielmehr zu herrlichen Landschaften, die ein zweites Kapitel seines Schaffens aufschlagen: Das Welland, die Kaiserberge, Ellwangen vom Schloss her, der Schönenberg - diese Bilder zeugen nicht nur von der Verbundenheit des Künstlers mit der Heimat auf der Ostalb, wie Finanz- und Schuldezernent Karl Kurz bei der Ausstellungseröffnung sagt. Sie stehen auch für die ausgeprägte Kunst- und Kulturlandschaft, die die Ostalb sowohl mit ihren vielen Kunstdenkmälern und herausragenden kirchlichen Gebäuden als auch mit ihren Zeugen in Geschichte und Gegenwart darstellt, wie Dekan Robert Kloker in einem Grußwort erinnert. Dass er als Theologe und Pfarrer nicht nur über die Kraft des Wortes verfüge, sondern auch über die Kraft des Pinsels und des Malens, sei ein großes Geschenk und vom Schöpfer verliehenes Talent, das Nikolaus Stark zu entfalten wusste. Gerade für die biblischen Bilder, die Stark als „Katechese für den Alltag" versteht, gelte, so der Dekan weiter, ein geflügeltes Wort in leichter Abwandlung: Mehr als Worte sagt ein Bild.

Momentaufnahmen der Heilsgeschichte

Tatsächlich läuft der malende Pfarrer auch mit 94 Jahren zu Höchstform auf, wenn er anhand seiner Bilder zu einer katechetischen Reise durch die Bibel aufbricht: angefangen vom Urevangelium, als Adam und Eva das Paradies verlassen müssen, weist er auf markante Erlebnisse des Volkes Israel und Momentaufnahmen der Heilsgeschichte hin, die in der Auferstehung Christi gipfelt. Da ist etwa Maria von Magdala, die mit ihrem Namen angeredet wird, „und mit unserem Namen werden auch wir einmal alle angeredet", wenn Christus widerkommt und es gilt, Rechenschaft für das eigene Leben abzulegen.

Bei den religiösen Bildern bedürfe es einer Erklärung, aber nicht in der Form, wie sich etwas zugetragen hat, sondern was geschehen ist und was auch heute noch geschieht, betont Stark. Aus den umfassenden Zyklen des Alten Testaments können in der etwa 50 Bilder umfassenden Ausstellung nur einige wenige gezeigt werden. Das Maßgebende, also die eigentliche Herausforderung und Aufgabe des Künstler sei es, die Auswahl „in die richtige Form zu bringen", sagt Nikolaus Stark.

Mit Herz, Geist und Glaube geschaffen

„Wenn man diese Bilder betrachtet, dann spürt man hier sofort, dass sie jemand mit Herz, Geist und Glaube geschaffen hat", sagt Karl Kurz. Starks Bilder „laden nicht nur zum Hinschauen ein; sie laden zum Innehalten, zum Nachdenken und vielleicht zum Meditieren ein". Für ein Bürgerhaus wie das Ostalbkreishaus sei es sehr wichtig, in einer schnelllebigen Zeit mit Hektik und Stress auch dazu die Möglichkeit zu geben. 

Bis Jahresende sind die Bilder von Nikolaus Stark im Landratsamt zu sehen. Das sind ganze drei Monate. Doch Obacht! Die Zeit geht schnell.

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Matthias Zahner

Beeindruckende Wegmarken des Glaubens

Der emeritierte Bischof Dr. Fürst und Weihbischof Dr. Schneider segnen den nun vollständig restaurierten Prozessionsweg im Weggental in Rottenburg.

Christine Eberle

Kunst zum Entdecken und Nachdenken

Ellwangen (Jagst)

Eine Ausstellung mit Werken von Judith Wettemann-Ebert knüpft an die Themen der Landesgartenschau und besonders an die dortige Blumenschau an.

Aktuelles

aus der Region

Insta-Pfarrer goes TV und Sonja (fast) zum Beichten

Obermarchtal

„Sonja in ...“ heißt eine Reportagereihe der SWR-Landesschau. Auf ihrer Tour durch Obermarchtal trifft Sonja Faber-Schrecklein „Insta-Pfarrer“ Loi.

Wikimedia CC0/ Armin Appel

Kloster Obermarchtal erhält Förderung für historische Dachstuhlsanierung

Obermarchtal

Das Land Baden-Württemberg unterstützt die denkmalgerechte Sanierung des historischen Dachstuhls im Kloster Obermarchtal.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Gregor Moser

Bürgermeister bei Pilgertag in Oberschwaben

Weingarten

Rund 40 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nutzen Angebot der Diözese für Auszeit mit geistlichen Impulsen, Gesprächen und Zeit zur Besinnung.

Angelika Sönnichsen

Frieden wächst, wo Menschen einander begegnen

Rottenburg

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht Friedens-, Bildungs- und Klimaprojekte in Burundi. In Nyanza Lac eröffnet ein Zentrum für Frieden und Versöhnung.

Markus Leser

Bischof erhebt die Klosterkirche in Rot an der Rot zum Münster

Rot an der Rot

Beim Patrozinium am Fest der Heiligen Verena gibt Pater Johannes-Baptist Schmid, Pfarrer der Seelsorgeeinheit Rot-Iller, die Ehrung offiziell bekannt.

Blutreitergruppe Meckenbeuren

In Treue zum Weingartener Blutritt

Meckenbeuren

Wie andere in den letzten Jahren feiert die Blutreitergruppe Meckenbeuren 2026 ihre Gründung vor 100 Jahren mit Gottesdienst und Reiterprozession.

DRS / Annika Werner

Landwirt sein, aus Liebe zur Familie und zur Natur

Rottweil

Der Hof der Sauters ist seit 300 Jahren im Familienbesitz. Damit er weiterbestehen kann, führt ihn der 33-jährige Samuel auf mehreren Standbeinen.