Die Spendung der Sakramente, Vorbereitungen für Gottesdienste und Religionsunterricht. Diese Aufgaben stellen sich die meisten Menschen im Alltag eines Priesters vor. Doch im frühen 19. Jahrhundert wurde das Leben von vielen Pfarrern von weiteren Tätigkeiten bestimmt. Sie waren Bauern. Der Pfarrer mit der Mistgabel anstatt dem Weihrauch in der Hand? Erstmal ein überraschendes Bild aus heutiger Sicht.
Aber sogenannte Pfründbeschreibungen geben einen tiefen Einblick in das Leben der Kirchenmänner zur damaligen Zeit und stützen diese These. Die Pfarrer haben die Beschreibungen im 19. Jahrhundert selbst verfasst. Darin erklären sie, welche Gebäude sie zu verwalten hatten und wie diese in das Dorf integriert waren. Denn die Größe der Pfründe, also die Größe der zu unterhaltenden Gebäude, der Gärten oder Äcker, die im Eigenbau betrieben wurden, bestimmte damals, wie viel Geld ein Pfarrer bekam. Es gab zu dieser Zeit noch kein festes Gehalt für die Geistlichen. Der Staat wollte genau wissen, wie groß diese Bestandteile waren, und verlangte daher präzise Auskünfte.