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Mein Stall, mein Garten, meine Kirche

Wie sah das Leben eines Pfarrers vor 200 Jahren aus? Das Diözesanarchiv Rottenburg hat Quellen, die große Aufschlüsse darüber geben.

Rottenburg/Ergenzingen

Dr. Herbert Aderbauer vom Diözesanarchiv Rottenburg studiert eine sogenannte Pfründbeschreibung aus dem Jahr 1825.

Die Spendung der Sakramente, Vorbereitungen für Gottesdienste und Religionsunterricht. Diese Aufgaben stellen sich die meisten Menschen im Alltag eines Priesters vor. Doch im frühen 19. Jahrhundert wurde das Leben von vielen Pfarrern von weiteren Tätigkeiten bestimmt. Sie waren Bauern. Der Pfarrer mit der Mistgabel anstatt dem Weihrauch in der Hand? Erstmal ein überraschendes Bild aus heutiger Sicht.

Aber sogenannte Pfründbeschreibungen geben einen tiefen Einblick in das Leben der Kirchenmänner zur damaligen Zeit und stützen diese These. Die Pfarrer haben die Beschreibungen im 19. Jahrhundert selbst verfasst. Darin erklären sie, welche Gebäude sie zu verwalten hatten und wie diese in das Dorf integriert waren. Denn die Größe der Pfründe, also die Größe der zu unterhaltenden Gebäude, der Gärten oder Äcker, die im Eigenbau betrieben wurden, bestimmte damals, wie viel Geld ein Pfarrer bekam. Es gab zu dieser Zeit noch kein festes Gehalt für die Geistlichen. Der Staat wollte genau wissen, wie groß diese Bestandteile waren, und verlangte daher präzise Auskünfte.

Diese sogenannten Pfründbeschreibungen aus den 1820er Jahren liegen flächendeckend für die gesamte Diözese im Diözesanarchiv Rottenburg vor. Mit dabei sind Skizzen und Ansichten sämtlicher Kirchen, Kapellen und Pfarrhäuser. Das macht die handgeschriebenen Hefte und von Hand gezeichneten Pläne für die Archivare zu einem Schatz, erklärt Dr. Herbert Aderbauer vom Diözesanarchiv Rottenburg:

Wir schauen uns eine Pfründbeschreibung genauer an. Sie stammt aus dem Jahr 1825. Verfasst wurde sie von Pfarrer Franz Xaver Gerber aus Ergenzingen bei Rottenburg. Gerber kannte sich bestens in der Gemeinde aus, denn er war über 30 Jahre dort tätig. Wie hat er Seelsorge-Strecken und Kirchenraumvolumen berechnet? Und welche Unterschiede galten für Jungs und Mädchen in der Kirche?

Beengte Verhältnisse…danach sieht es im Pfarrhaus nicht aus. Der Gemeindeleiter scheint ein stattliches Domizil bewohnt zu haben mit drei Stockwerken und einem Dachboden. Doch war dem wirklich so? Hat der Pfarrer allein gewohnt und weshalb war der Schweinestall geheim?

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