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Menschen, die für mich da sind

70 Jahre Telefonseelsorge in Deutschland: Mit besonderen Aktionen machen die Dekanatsleitungen in Heidenheim, Ostalb und Ulm auf die Hilfe aufmerksam.

Ulm (Donau)
Dekane und Dekanatsreferentin am Telefon.

Dekanatsreferentin Gabriele Kraatz (Dekanat Heidenheim) und die Dekane Ulrich Kloos (Ehingen-Ulm, links) und Robert Kloker (Ostalb) haben kürzlich Dienste übernommen, um auf das Angebot der Telefonseelsorge aufmerksam zu machen und um das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeitenden zu würdigen. Fotos: DRS/Jerabek

Anonym, kostenlos und Tag und Nacht erreichbar ist die Telefonseelsorge (TS). Anlässlich des 70-Jahr-Jubiläums der TS in Deutschland haben Dekanatsreferentin Gabriele Kraatz (Dekanat Heidenheim) und mehrere Dekane aus dem Einzugsgebiet der TelefonSeelsorge Ulm/Neu-Ulm kürzlich Dienste übernommen. Gemeinsam mit der TS-Leitung und den vielen gut ausgebildeten Ehrenamtlichen mach(t)en sie darauf aufmerksam, dass Seelsorge auf dem christlichen Menschenbild gründet: füreinander da sein, zuhören - offen und ohne Bewertung.

Ein wichtiger Dienst an der Gesellschaft

Als einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft würdigte Gabriele Kraatz die Telefonseelsorge. Die Möglichkeit, mit ihres- oder seinesgleichen zu sprechen, „mit Menschen, die für mich da sind“, mache Telefonseelsorge zu einem niederschwelligen und unverzichtbaren Angebot. Von einem „hochspannenden und hochsensiblen Feld der Seelsorge“ sprach Robert Kloker, Dekan des Dekanats Ostalb. Weil man nur die Stimme seines Gegenübers hört, erfordere der Dienst in der Telefonseelsorge große Sensibilität und Hörbereitschaft.

„TS“ ohne Kirchensteuer kaum vorstellbar

Für Ulrich Kloos, Dekan des Dekanats Ehingen-Ulm, sind die Ehrenamtlichen, die rund um die Uhr Dienst tun – allein bei der TS Ulm/Neu-Ulm derzeit 110 – „ein echter Schatz“. Als neu gewählter Priesterratssprecher in der Diözese Rottenburg-Stuttgart will er sich dafür einsetzen, dass die Finanzierung auch in Zukunft gesichert bleibt. Das von den beiden großen Kirchen in guter ökumenischer Kooperation getragene Angebot wäre ohne die Kirchensteuer kaum vorstellbar. Ebenfalls im Einsatz waren der scheidende Dekan des katholischen Dekanats Neu-Ulm, Martin Straub, sowie die evangelischen Dekane Dr. Torsten Krannich (Ulm) und Jürgen Pommer (Neu-Ulm).

70 Zuhörbänkle im Dekanat Ostalb

Den Auftakt der Aktionen zum TS-Jubiläum in Deutschland machte in Ulm ein Vortrag von Psychotherapeut Dr. Tilman Rentel über die Fähigkeit des Zuhörens, die in der Telefonseelsorge essentiell ist. Im Dekanat Ostalb werden anlässlich des Jubiläums 70 Bänke als „Zuhörbänkle“ ausgerufen. An bestimmten Plätzen weisen kleine Schilder auf das Angebot der Telefonseelsorge hin. „Auf den Schildern der Zuhörbänkle ist die Nummer der Telefonseelsorge Ulm zu finden“, erklären Annekatrin Schulze, evangelische Klinikseelsorgerin, und Tobias Kriegisch, katholischer Dekanatsreferent.

Auch auf der Gartenschau wird zugehört

Neben der Telefonseelsorge, die bundesweit rund um die Uhr anonym und kostenfrei erreichbar ist, gibt es auf der Ostalb die „Orte des Zuhörens“ bei der Caritas Ost-Württemberg in Ellwangen und momentan auch die Zuhörbänkle auf der Landesgartenschau Ellwangen: Jeden Mittwochvormittag findet sich an den Zuhörbänkle in der Basilika St. Vitus und im Kirchengarten jemand, der vertraulich zuhört, und zwar in der Zeit von 10 bis 12 Uhr. Denn oft hilft es schon, belastende Dinge einmal auszusprechen, sich den Schmerz von der Seele zu reden.

Ein bundesweites Netzwerk

Was vor 70 Jahren in Berlin begann (und wenige Jahre zuvor bereits in Großbritannien als telefonische Krisenhilfe an den Start ging), hat sich zu einem bundesweiten Netzwerk von mehr als 100 regionalen Stellen mit über 200 festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie fast 8000 ausgebildeten Ehrenamtlichen entwickelt. Sie bieten kompetent Begleitung und Unterstützung für die Nöten und Krisen der Ratsuchenden an. Mittlerweile hat sich auch die Online-Funktion mit Chat und Mail etabliert. Vor allem jüngere Menschen nutzen dieses Angebot.

Die gebührenfreien Telefonnummern der Telefonseelsorge lauten: 0800 1110111 oder 0800 1110222.

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