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"Menschenfeindlichkeit und Hass sind keine Meinung"

In Berlin ist der 21. Katholische Medienpreis verliehen worden. Die Jury unter Vorsitz von Weihbischof Matthäus Karrer prämierte die besten Beiträge.

Berlin

Gruppenbild der Preisträger mit dem Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch (Mitte) und dem Jury-Vorsitzenden Weihbischof Matthäus Karrer (4. von links). Bild: Deutsche Bischofskonferenz / Maximilian von Lachner

Die Deutsche Bischofskonferenz hat am Mittwoch, 8. November, in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM) den 21. Katholischen Medienpreis verliehen. Der Festakt fand im Palais der Kulturbrauerei in Berlin statt. 195 Beiträge wurden eingereicht und von einer Fachjury unter Vorsitz von Weihbischof Matthäus Karrer gesichtet. Im Vorjahr waren 177 Beiträge eingesandt worden.

Der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch freute sich in seiner Begrüßungsansprache über die noch einmal gestiegene Anzahl der eingereichten Beiträge und den "ordentlichen Zuspruch für den Katholischen Medienpreis". "Die hohe Qualität der Einsendungen zeigt wie qualifiziert, vielfältig und menschendienlich Journalismus in unserem Land ist", sagte Erzbischof Koch. Gerade heute - in Zeiten von Krieg, Krisen und Populismus - brauche man unabhängige und verantwortungsvolle journalistische Stimmen, so Koch.

Genau hinschauen

Eine dieser "verantwortungsvollen journalistischen Stimmen" ist Sophia Maier, die mit einem undotierten Sonderpreis für Ihren Beitrag "Ist unsere Demokratie in Gefahr?" (ausgestrahlt bei RTL am 24. November 2022) ausgezeichnet wurde. In der Dokumentation geht es um den wachsenden Einfluss und die zunehmende Präsenz der rechten Szene in Deutschland und die Frage nach der Wut auf der Straße.

Ferda Ataman, Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Antidiskriminierung, sagte in ihrer Laudatio, die Reportage von Sophia Maier zeige deutlich, dass unsere Demokratie in der Krise sei und aktuell einem Stresstest unterzogen würde. Deswegen sei es wichtig, bei diesem Thema genau hinzuschauen. "Menschenfeindlichkeit und Hass sind keine Meinung", betonte Ataman.

Die gesamte Jury beeindruckt

Der Juryvorsitzende Weihbischof Matthäus Karrer sagte, der Mut von Sophia Maier habe die gesamte Jury beeindruckt. "Wir haben uns hier auch ganz bewusst für einen Sonderpreis entschieden, um deutlich zu machen, dass wir als Christinnen und Christen besonders für die Demokratie einstehen", so Karrer. Die Reportage zeige auch, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland langsam schwinde.

Deshalb sieht der Weihbischof Medienschaffende, Verbände und Politik, aber auch die Kirchen in der Pflicht, dem gemeinsam entgegenzuwirken. "Inklusion, Integration und Demokratieförderung - die Themen, um die es in den heute ausgezeichneten Beiträgen unter anderem geht - sind mit der katholischen Soziallehre hervorragend vereinbar. Wir müssen das als Kirche nur noch deutlicher aussprechen", so Weihbischof Matthäus Karrer.  

Politisches Statement

Und auch beim Hauptpreis habe man nach der Auszeichnung der Initiative "OutinChurch" im vergangenen Jahr diesmal ganz bewusst kein binnenkirchliches Thema prämieren, sondern ein politisches Statement setzen wollen.

Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an das Autoren-Duo Christoph Goldbeck und Ilka aus der Mark in der Kategorie Fernsehen für die vierteilige Serie "Marie will alles – Durchstarten mit Down-Syndrom" (WDR, 1. Dezember 2022). Dafür haben die Filmemacher Marie und ihre Familie, die zur Preisverleihung anwesend waren, 14 Jahre lang mit der Kamera begleitet. Die ZDF-Journalistin Dunja Hayali sagte in ihrer Laudatio, Maries Geschichte zeige, dass Inklusion in Deutschland möglich sei, ihr aber immer noch hohe Hürden in den Weg gestellt würden. Dies sei "beschämend", sagte die Heute-Journal-Moderatorin und betonte: "Inklusion ist ein Menschenrecht".

Seelenfänger und die Rohingya

Den Katholischen Medienpreis in der mit 2.500 Euro dotierten Kategorie Radio erhielten Katja Paysen-Petersen, Eckhart Querner und Christian Wölfel für den siebenteiligen Podcast "Seelenfänger – Im Sog der Integrierten Gemeinde" (BR und ARD Audiothek, erstausgestrahlt am 3. Dezember 2022).

In der Kategorie Printmedien, ebenfalls mit 2.500 Euro dotiert, wurde Moritz Aisslinger für seinen Beitrag "Das Lager der Vergessenen" (erschienen in DIE ZEIT am 9. März 2023) über das von der Weltöffentlichkeit vergessene Volk der Rohingya ausgezeichnet.

Keine Moralisierung

Der Katholische Medienpreis in der Kategorie Internet, dotiert mit 2.500 Euro, ging an die Stipendiat:innen des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) des Jahrgangs 2020 für ihr Abschlussprojekt "Unter anderen Umständen – Der Geburtspodcast für Zweifelnde" (veröffentlicht am 25. September 2022). In dem sechsteiligen Podcast stellen sich die angehenden Journalist:innen Fragen zu Geburt, Eltern- und Vaterschaft.

In seiner Laudatio sagte der Chefkorrespondent der DUMONT-Gruppe und Vorsitzende der GKP, Joachim Frank: "Es geht dieser Generation ganz viel um Verantwortung. Aber – und das ist ein besonderer Vorzug dieses Podcast: Es wird überhaupt nicht moralisiert. Es ist großartig, dass so etwas als 'Gesellenstück' einer journalistischen Ausbildung im katholischen Kontext entsteht." Adressiert an die Bischöfe betonte er, das ifp sei das Beste, was jungen katholischen Journalist:innen passieren könne.

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