Zum Inhalt springen

Mit Maria dem Frieden Gesicht und Hand geben

Wie Christen (und Politiker) im Einsatz für Frieden Maß nehmen können an Maria, hat der Landtagsabgeordnete Manuel Hagel in einer Maipredigt betont.

Ulm (Donau)

Zum Ende des Marienmonats löste der Landtagsabgeordnete Manuel Hagel (Bildmitte) eine länger zurückliegende Zusage ein und sprach in einer Maipredigt über „Maria, Frieden, Politik“. Dekan Ulrich Kloos (links) und Klaus Ungerer, gewählter Vorsitzender des Kirchengemeinderats, begrüßten ihn in der Wiblinger Basilika. Foto: privat

Zu allen Zeiten, besonders in höchster Not, wandten und wenden sich Menschen an Maria als Fürsprecherin bei Gott - vielerorts und auch in Wiblingen, wo Mitglieder der Kirchengemeinde St. Martin während des Zweiten Weltkriegs ein Gelübde ablegten: dass, wenn Wiblingen verschont würde, hier im Mai eine Maiandacht gehalten werde mit der Bitte um Frieden. - Wiblingen wurde kampflos durch französische Truppen eingenommen.

Maria, der Königin des Friedens, wie sie in der Lauretanischen Litanei angerufen wird, gilt diese Maiandacht, die auch 80 Jahre nach Ende des Krieges in Wiblingen abgehalten wird. Denn „dieses Gebet braucht auch unsere Zeit, auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria, der Königin des Friedens“, wie Dekan Ulrich Kloos unterstreicht. Nach dem Krieg waren es Politiker wie Konrad Adenauer, Robert Schuman und Alcide De Gasperi, die aus dem Glauben heraus Politik gestalteten und mit der europäischen Einigung das vielleicht wichtigste europäische Friedensprojekt auf den Weg brachten. Auch heute sei es wichtig, „dass Menschen aus dem Glauben heraus Politik machen, mit christlichen Werten wie dem Respekt vor dem menschlichen Leben“.

Politik allein kann den Frieden nicht herstellen

Gleichwohl könne Politik allein den Frieden nicht herstellen, räumte Manuel Hagel in seiner Maipredigt ein, „aber sie kann ihn vorbereiten. Sie kann ihn strukturieren, schützen, ermutigen.“ Doch wo können Politiker, die ja Vorbilder seien - „ob sie es wollen oder nicht“ - ihrerseits Maß nehmen für ihr Handeln? Da biete sich der Blick auf Maria geradezu an - „nicht als Heiligenstatue aus Marmor, sondern als menschliche Frau mit Rückgrat“.

In politisch schwierigen Zeiten habe Maria „den Frieden in ihrem Herzen nach außen getragen, sie hat Frieden gelebt“: durch Vertrauen (weil sie Gott zutraut, dass er es gut macht, als sie erfährt, dass sie Mutter des Erlösers wird); durch Annahme (weil sie versteht, dass auch das vermeintlich Unperfekte seinen Platz und seine Größe bei Gott hat); durch Fürsorge (weil sie leise, aber mit Wirkung für andere eintritt, etwa bei der Hochzeit in Kana); durch Treue (weil sie nicht flieht, sondern bleibt, als ihr Sohn gefoltert, verspottet und getötet wird). „Und genau das braucht unsere Gesellschaft heute: Menschen, die Ja sagen – zu Verantwortung, zu Wahrheit, zu Versöhnung“, sagte Hagel. Beispielhaft in heutiger Zeit sei etwa der ehrenamtliche Helfer in der Flüchtlingsunterkunft, „der sich vielleicht täglich beschimpfen lassen muss, für das, was er tut – und trotzdem hingeht“, oder die Lehrerin, die mit Jugendlichen über Werte spricht, obwohl das viele für vergebliche Mühe hielten. Und auch die Politikerinnen und Politiker seien gefragt: „nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit klarer Haltung. Wir dürfen nicht zulassen, dass Angst stärker ist als Vernunft; dass Spaltung stärker ist als Zusammenhalt.“

Frieden fängt im Kleinen an

Konkret bedeute das für politisch Verantwortliche, dass Politik aus dem Menschenbild heraus gestaltet werde, das sich an der Würde jedes Einzelnen orientiert - im Einsatz für Gerechtigkeit, Chancen und Teilhabe; im Bemühen um Versöhnung und einen respektvollen Ton (denn Frieden beginnt auch mit der Sprache); in der Bereitschaft zum Kompromiss; im Streben nach Sicherheit, die nicht nur aus Polizei und Verteidigung bestehe, sondern auch Prävention, Integration und internationale Partnerschaft bedeute. Auch gelte es, den religiösen Beitrag zu achten, denn Religion sei per se keine Gefahr für den Frieden, sondern eine Quelle der Versöhnung.

Letztlich fange Frieden bei jedem Einzelnen an, ganz im Kleinen - mit Hoffnung und Zuversicht: Zuhören lernen, denn „wer zuhört, entwaffnet“; die Meinung des anderen respektieren, auch wenn man sie nicht teilt; Verantwortung übernehmen, denn Frieden braucht Beteiligung. Gerade Christen dürften und sollten auch den Unterschied machen, was Sprache, Ton und innere Haltung betrifft. Und dann gelte es, „auch das Gespräch mit denen suchen, die wir lieber meiden würden“.

Maria als Inbegriff des Friedens mitten im Chaos

„Manchmal erscheint das Bild von Maria süßlich und frömmelnd“, so Hagel weiter, „aber wenn wir auf die konkreten Situationen schauen, dann ist da ganz harte Realität.“ Maria sei nicht der Inbegriff der Weltflucht, „sondern der Inbegriff des Friedens mitten im Chaos. Sie schreit nicht gegen das Unrecht – sie lebt das Recht. Sie demonstriert nicht gegen die Finsternis – sie trägt das Licht. Sie ist der Inbegriff dessen, was wir heute dringend brauchen: eine innere Stärke, die dem Frieden ein Gesicht und eine Hand gibt“, sagte Hagel. „Und genau das ist unser Auftrag – als Christinnen und Christen, als politisch denkende Menschen, als Gesellschaft.“

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Marcel Krämer

Demokratie ist bunt und vielfältig

Esslingen am Neckar

Ein Fest mit Ausstellungseröffnung erwartete die Besucher:innen der Langen Nacht der Demokratie im neu renovierten Haus der Katholischen Kirche.

Iris Müller-Nowack

Improvisationstheater zur Langen Nacht der Demokratie

Horb am Neckar

Rund 100 Interessierte folgen Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung im Kreis Freudenstadt und auch über ernste Themen darf gelacht werden.

Aktuelles

aus der Region

Foto: Schwenk

Dem Ungewissen mit Ruhe und Sicherheit begegnen

Schwäbisch Gmünd

Niemand spricht gerne über den eigenen Tod oder das Sterben. Seelsorgende machen die Erfahrung, dass ein offener Blick auf das Thema hilfreich ist.

Dankbar, (bissle) wehmütig und neugierig, was kommt

Ellwangen (Jagst)

Rappelvolle Gottesdienste, viele herzliche Begegnungen und eine Ökumene im Aufbruch - auch für die Kirche ist die Landesgartenschau ein großer Erfolg.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Arkadius Guzy

Solidarität in Zeiten des Wandels

Neckarsulm

Bei der diözesanen Eröffnungsveranstaltung zum Monat der Weltmission richtet sich der Blick nach Madagaskar, aber auch auf hiesige Herausforderungen.

Diözese Rottenburg-Stuttgart

Was am Hochzeitstag schiefgehen kann

Im Herbst geben sich viele Paare das Ja-Wort. Pfarrer Michael Heil aus Stuttgart erzählt im Audio, was er bei Trauungen schon alles erlebt hat.

Ines Szuck

Bischof Krämer: „Diözese bleibt mit Kita-Engagement in der Fläche präsent“

Stuttgart

Auf dem Weg zur Kirche der Zukunft berät der Diözesanrat über zentrale Fragen der weiteren Ausgestaltung und stimmt über die nächsten Schritte ab.

Gregor Moser

Bischof Krämer besucht Geflüchtetenprojekt OMID

Stuttgart

Caritas hilft traumatisierten Geflüchteten in Unterkünften der Landeshauptstadt. Mitarbeitende berichten von zunehmendem Druck und Diskriminierung.

Ines Szuck

Mutig nach vorne - Impulse aus Heiligenbronn

Heiligenbronn

Wie entsteht die Bereitschaft, Vertrautes neu zu denken? Darum geht es beim Besuch des Präsidiums des Diözesanrats bei der Stiftung St. Franziskus.