Miteinander auf dem Weg
Bischof Dr. Klaus Krämer bei seinem Referat über „Weltkirchliches Engagement unter dem Vorzeichen der Synodalität“ in Bonn - Foto: Universität Bonn/Martin Wachter
Die Beteiligung gewählter Räte an kirchlichen Entscheidungen hat in der Diözese Rottenburg-Stuttgart eine lange Tradition. Papst Franziskus etablierte mit der Weltsynode von 2021 bis 2024 durch Vorabumfragen und die Beteiligung von Fachleuten eine neue Beratungs- und Beschlusskultur auf weltkirchlicher Ebene. Aber verstehen unter „Synodalität“ alle dasselbe? Ein hochkarätig besetztes Symposium diskutierte vergangene Woche in Bonn über diese Frage. „Papst Franziskus ging es vor allem um die Haltung, einander gut und wertschätzend zuzuhören“, sagt Bischof Klaus Krämer, der als Referent an der Tagung teilnahm. „Dieser Stil ist heute notwendig, um als Kirche glaubwürdig zu sein und die Freude am Evangelium weiterzugeben.“
Der Eindruck unterschiedlicher Deutungen von Synodalität drängte sich auf, als Würdenträger aus der römischen Kurie und von anderen Kontinenten, die an der römischen Weltsynode beteiligt waren. mit Bestürzung auf die Forderungen des Synodalen Weges in Deutschland reagierten. Bei diesem rangen Kleriker und Laien infolge des Missbrauchsskandals etwa zu gleicher Zeit um Formulierungen, wie Macht und Gewaltenteilung in der katholischen Kirche aussehen sollten, wie kirchliche Ämter für Frauen und verheiratete Männer geöffnet werden könnten und wie Sexualität zeitgemäß zu bewerten sei. Das Symposium stellte das miteinander auf dem Weg Sein in den Mittelpunkt, was das griechische Wort Synodos bedeutet.
Eine synodale Kirche lebt Einheit in der Vielfalt
Für Bischof Krämer bedeutet das, dass es neben der Einheit in grundsätzlichen Fragen je nach Kultur und Situation vor Ort unterschiedliche Wege geben dürfe, wie Kirchesein in den Ländern und Kontinenten konkret gelebt werde. Wichtig sei für ihn, „dass man wechselseitig anerkennen kann, dass diese Ausdrucksformen des einen gemeinsamen Glaubens sind.“ Die Kardinäle Óscar Rodríguez Maradiaga aus Honduras, Oswald Gracias aus Indien und Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg gehörten zu den engsten Beratern von Papst Franziskus und sind auch der Diözese Rottenburg-Stuttgart verbunden. Sie betonten, dass für den verstorbenen Papst das Dienen im Zentrum stand und Synodalität zuerst ein geistlicher Prozess gewesen sei.
Als Ergebnis des Symposiums, bei dem sich auch weitere aktive und ehemalige Hochschullehrende einbrachten, nannte Professor Jochen Sautermeister eine Stärkung des Sozialprinzips der Subsidiarität. „Eine synodale Kirche lebt aus der Einheit in Vielfalt“, unterstrich der Bonner Moraltheologe und Initiator der Tagung. Die Kirche sei grundsätzlich für alle Menschen da und Synodalität sei ein Prozess des ganzen Volkes Gottes. „Er schreitet voran“, fasst Sautermeister die Beiträge der Tagung zusammen, „aber er benötigt Engagement und Geduld.“ Dabei sei die Zukunftsfrage nach Frauen in Weiheämtern aus Sicht der Referent:innen nicht abgeschlossen, ergänzt der Professor. Wer miteinander auf dem Weg ist, bewegt sich.