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Moderne Passionsspiele in Stuttgart

Weihbischof Renz und Landesbischof Gohl eröffnen den 6. Ostergarten auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Munder in Stuttgart-Bad Cannstatt.

Stuttgart

Die Eröffnung des 6. Ostergartens in Stuttgart-Bad Cannstatt. Die Besucher:innen nehmen am letzten Abendmahl teil. Foto: DRS/ Nelly Swiebocki-Kisling

Weihbischof Thomas-Maria Renz auf einer Zeitreise in die Ostergeschichte vor 2000 Jahren. Foto: DRS/ Nelly Swiebocki-Kisling

Mitten in einem liebevoll geschmückten Garten, in dem Esel, Schafe und Kaninchen die Besucher:innen begrüßen, öffnet sich ein Vorhang zu einem riesigen Gewächshaus. Eine „Reisebegleiterin“ nimmt ihre Gäste mit auf die Reise nach Jerusalem vor etwa 2000 Jahren, um die letzten Stunden im Leben Jesu zu bezeugen. Die Zeitreise ist vom 16. März bis 7. April täglich erlebbar.

Die Passions- und Ostergeschichte hautnah erleben

In den Gassen der authentisch wirkenden Altstadt begegnen wir Menschen, die die Geschichte hautnah erlebten: Bürger:innen Jerusalems, Marktschreier:innen, Soldaten sowie die Jünger und Jüngerinnen des charismatischen Jesus: Sie alle werden im Ostergarten von ehrenamtlichen Laienschauspieler:innen gespielt. Sie singen, tanzen und spielen die bekannten Szenen aus der Bibel nach. Die Besucher:innen erleben auf dieser Reise das alltägliche Wirken Jesu zu seiner Zeit, seine Begegnungen und auch seine Ängste kurz vor seinem grausamen Tod bis hin zur Auferstehung an Ostern, die die Passionszeit beendet. Auf der Website des Ostergarten Stuttgart heißt es: „Wir lassen die Ostergeschichte in Stuttgart und der Region lebendig werden – weil wir zutiefst glauben, dass ihre Botschaft auch heute noch Herzen berührt, Hoffnung schenkt, Kraft gibt und Leben verändert.“

„Das Ehrenamt lebt!“

Andreas Munder ist stolz auf sein Konzept. Der ehemalige Gärtnereibetreiber investiert seit zehn Jahren jedes Jahr viel Geld in seinen Ostergarten auf dem Grundstück seiner ehemaligen Gärtnerei. 2017 fand die Premiere statt – mit insgesamt über 16.000 Besucher:innen an den 24 Tagen um Ostern. In diesem Jahr werden über 20.000 erwartet - und die 100.000 Besucher:in gefeiert. Möglich ist der Betrieb der 4000 m² großen Eventlocation dank der 634 Ehrenamtlichen aus 30 Gemeinden, die die Themenszenen aufbauen, pflegen, Gäste bewirten, kochen und schauspielern. Sogar die Musik, die während der Führung gespielt wird, wird selbst komponiert. Munder erklärt: „Wir wollen Kirche mit allen Sinnen erlebbar machen und unsere Besucher:innen dazu bringen, dass sie neugierig auf Glauben werden.“ Dem Vereinsvorstand geht es um Halt in diesen schwierigen Zeiten. Er nennt seine Darstellungsweise „Eventevangelisation“ und freut sich über die vielen Engagierten: „Das Ehrenamt lebt!“ Bewusst möchte er auch Kinder und Schulklassen begeistern.

 

„Der Ostergarten erzählt die größte Liebesgeschichte der Welt.“ 
(Andreas Munder)

Feierliche Eröffnung mit Weihbischof Renz und Landesbischof Gohl

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Weihbischof Thomas Maria Renz von der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind an diesem sonnigen 20. März angereist, um den Ostergarten zu segnen und zusammen mit zwei weiteren Ehrengästen, Christian Gehring, Mitglied des Landtags und Innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sowie Bernd-Marcel Löffler, Bezirksvorsteher von Stuttgart-Bad Cannstatt, den 6. Ostergarten feierlich zu eröffnen.

„Mit Ostern verbindet man Frühling, Osterhase und bunte Eier“

Weihbischof Renz ist das dritte Jahr bei der Eröffnung dabei. Er erklärt, der Ostergarten sei für viele Menschen eine Möglichkeit, zum allerersten Mal überhaupt mit dem Sinn und Hintergrund von Ostern in Berührung zu kommen: „Mit Ostern verbindet man sonst nur Frühling, Osterhase und bunte Eier. Insofern ist der Ostergarten eine Möglichkeit mitten in die Ostergeschichte und in das Geheimnis des Glaubens einzutauchen und zu erfahren, dass Gott lebt, unter uns ist, erfahrbar ist. Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder verändert in ihren Alltag zurückkehren.“ Die Kreuzigung sei nur die eine Seite der Medaille, so Renz weiter, „wäre es das letzte Wort, wären wir nicht hier. Er nennt den Ostergarten einen Hoffnungsgarten.

„Gottes Liebe kennt keine Grenze“

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl lobt die greifbare Darstellung der Passion Christi: „In unseren Zeiten, wo der christliche Glaube nicht mehr so bekannt ist, ist es etwas Tolles, dass hier bildhaft die zentrale Geschichte von Ostern dargestellt wird.“ Überhaupt müssten die christlichen Botschaften viel stärker Teil des Alltags werden, so Gohl, denn „Gottes Liebe kennt keine Grenzen.“ Diesem Gedanken schließt sich Christian Gehring, MdL, an : „Wie groß die Liebe Gottes ist, wird nirgends so deutlich wie in der Ostergeschichte.“ Auch Bernd-Marcel Löffler lobt das Konzept des Ostergartens: „Es ist keine Frage, wie tief man religiös ist, die Geschichte reißt einen mit.“

“Der Sieg des Lebens über den Tod”

Im Grunde sei das Laienspiel im Ostergarten ein modernes Passionsspiel, erklärt Weihbischof Thomas Maria Renz: „Es steht in einer alten Tradition, die es nicht nur in Oberammergau gibt, sondern eben auch bei uns in Stuttgart.“ Wie das Krippenspiel für Kinder zur Weihnachtszeit, aber für Ostern, erläutert der Weihbischof weiter: „ An Ostern feiern wir, dass Jesus nach seinem Tod am Kreuz auferstanden ist. Bei den gläubigen Christen ist das der Wendepunkt im Glauben: Aus Trauer wird Freude, aus Tod wird ewiges Leben. Es ist der Sieg des Lebens über den Tod. Vielleicht ist hier im Ostergarten eine Begegnung mit dem lebendigen Gott möglich.“

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