„Mutig im Glauben“ lautet die Überschrift der Tafel aus Aluminiumguss, die der Künstler und Theologe Franz Höchstötter geschaffen hat. „Bischof Joannes Baptista Sproll und Pater Rupert Mayer sind beeindruckende Vorbilder für Mut und christliche Nächstenliebe“, sagt der Unterallgäuer Künstler. „Beiden gelang es in politisch schwieriger und gefährlicher Zeit frei zu denken und ihren Glauben zu leben, den Glauben an Jesus Christus, der sich besonders der Schwachen, Notleidenden und Unterdrückten zuwendet.“
Außer den markanten Gesichtszügen der Glaubenszeugen fallen auf der Relieftafel das Brustkreuz von Sproll und die in ein zwischen beiden aufgeschlagenes Buch geprägten griechischen Buchstaben Alpha und Omega auf. Diese christlichen Symbole hat Höchstötter vergoldet: zum einen das Kreuz, „das sie auf sich genommen haben“, zum anderen die Heilige Schrift, deren Botschaft sie treu geblieben sind, wie der Künstler erläutert. Alpha und Omega stehen als der erste und der letzte Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets für Anfang und Ende, für Jesus Christus als den Ersten und Letzten; sie sind ein Symbol für das Umfassende, für Gott.
In franziskanischem Geist
Die Bibel mit den Buchstaben bildet somit auch ein verbindendes Element der beiden Persönlichkeiten und „eine Konstante in ihrem Tun“, so Höchstötter. Es beeindrucke ihn, dass beide in der bedrängenden Zeit des Nationalsozialismus „nicht umgefallen sind“. Symbolträchtig ist auch die Anordnung des Schriftzugs „Mutig im Glauben“ und „Krumbad“, die in Gestalt eines Tau angeordnet sind. Tau leitet sich nicht nur vom 19. Buchstaben des griechischen und vom letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets ab, sondern ist vor allem ein franziskanisches Erkennungszeichen. Schon in altchristlichen Darstellungen galt das Tau als Zeichen des Heiles und des Lebens. Der heilige Franziskus, der diese Idee aufnahm, sah darin auch die Seligpreisung der Armen, wichtiges Element der franziskanischen Lebensform. Die Franziskanerinnen der St. Josefskongregation Ursberg, die auch im nahegelegenen Krumbad wirken, haben das Tau auch in ihrem Emblem.
Krumbad war die letzte Station einer Odysee, zu der Bischof Sproll nach seiner Verbannung durch die Nationalsozialisten aus Württemberg gezwungen war. Am 19. August 1938 hatte Reichskirchenminister Hanns Kerrl über den Vorsitzenden der Bischofskonferenz Sproll das Aufenthaltsverbot für Württemberg mitgeteilt. Fünf Tage später wies die Gestapo den Bischof zunächst nach Freiburg aus. Bad Wörishofen und das Kloster St. Ottilien waren weitere Aufenthaltsorte, ehe Sproll am 24. Januar 1941 nach Krumbad kam, wo er bis Kriegsende blieb. An seiner Funktion als Bischof von Rottenburg hielt er fest. Das Heilbad Krumbad war seit Mai 1940 Reserve-Lazarett der Wehrmacht, konnte aber einige Plätze für Kurgäste bereitstellen.