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Nächstenliebe als Markenkern des Christentums

Bischof Krämer war beim Osterempfang im Haus der Katholischen Kirche mit 230 Gästen aus Politik, Kirche, Stadtgesellschaft, Kultur und Wirtschaft.

Stuttgart

Die Botschaft Jesu, die die Würde jeden Menschen in den Mittelpunkt stellt, war auch die Botschaft des Abends: Jeder Mensch ist von Gott geliebt – daraus erwächst eine universale Geschwisterlichkeit. Foto: DRS/ Nicole Höfle

Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und auch hinterher fand im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart ein reger Austausch statt. Foto: DRS/ Nicole Höfle

Beim Osterempfang der Katholischen Kirche Stuttgart wirbt Bischof Klaus Krämer für eine Konzentration auf das Wesentliche während der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes die Bedeutung einer hörbaren kirchlichen Stimme in Gesellschaft und Politik betont. Rund 230 Gäste aus Politik, Kirche, Stadtgesellschaft, Kultur und Wirtschaft sind zum Jahresempfang ins Haus der Katholischen Kirche zusammengekommen. Unter den Gästen waren der stellvertretende Ministerpräsident Thomas Strobl, die Justizministerin Marion Gentges, die Landtagsabgeordnete Martina Häuslervon den Grünen als Sprecherin für Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie viele Vertreterinnen und Vertreter anderer Religionsgemeinschaften. 

Dass der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war und im Vorfeld sogar eine Warteliste geführt werden musste, hob Stadtdekan Christian Hermes gleich zu Beginn hervor – nicht ohne Ironie: „Dass kirchliche Räume quasi wegen Überfüllung geschlossen werden müssen, erleben wir nicht alle Tage.“ Gastredner des Abends war Bischof Klaus Krämer von der Diözese Diözese Rottenburg-Stuttgart, der in seinem Vortrag zur Kirche der Zukunft zunächst eine nüchterne Analyse der aktuellen Situation zeichnete. Prognosen, wonach sich die Zahl der Katholikinnen und Katholiken bis 2060 halbieren könnte, seien „noch optimistisch gerechnet“. Gleichzeitig müsse sich die Kirche auf deutlich sinkende finanzielle Mittel einstellen. Besonders einschneidend: In den kommenden 15 Jahren werde etwa die Hälfte des pastoralen Personals altersbedingt wegfallen. 

“Wir sind gehalten uns neu zu fragen, was wirklich zählt” 

Für Krämer sind diese Entwicklungen jedoch nicht nur Anlass zur Sorge, sondern auch eine Chance: „Wenn Ressourcen knapper werden, zwingt uns das, Prioritäten zu setzen – und uns neu zu fragen, was wirklich zählt.“ 

Im Zentrum seiner Überlegungen stand ein Leitgedanke aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil: Kirche sei „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott und für die Einheit der ganzen Menschheit“. Daraus leitete Krämer eine klare Perspektive ab: Kirche dürfe nicht um sich selbst kreisen, sondern müsse ihre eigentliche Sendung neu in den Blick nehmen – die Verkündigung der Botschaft Jesu vom Reich Gottes. 

Botschaft stellt die Würde jedes Menschen in den Mittelpunkt 

Diese Botschaft stellt die Würde jedes Menschen in den Mittelpunkt: Jeder Mensch ist von Gott geliebt – daraus erwächst eine universale Geschwisterlichkeit. Entscheidend ist dabei nicht allein das Befolgen äußerer Regeln, sondern eine innere Haltung, die von Liebe geprägt ist. Mit einem Wort des Kirchenvaters Augustinus brachte Krämer es auf den Punkt: „Liebe – und tu, was du willst.“ 

Gelebte Nächstenliebe als Markenkern des Christentums 

Aus dieser Grundlegung entwickelte Krämer drei zentrale Dimensionen für die Zukunft der Kirche: 


1. Prophetische Dimension: Kirche müsse ihre Stimme erheben – für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden. Sie solle Missstände benennen, gesellschaftlich Stellung beziehen und sich auch global engagieren. 
2. Diakonische und gemeinschaftsstiftende Dimension: Konkrete Hilfe für Menschen in Not bleibt aus Sicht von Bischof Krämer unverzichtbar. Gelebte Nächstenliebe ist der Markenkern des Christentums. Gleichzeitig geht es darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen Gemeinschaft erfahren. 
3. Spirituelle Dimension: Kirche muss Menschen helfen, die religiöse Tiefe ihres Lebens neu zu entdecken. In einer säkularen Welt ist es eine zentrale Aufgabe, die Sensibilität für Transzendenz zu stärken. 

Krämer betonte, dass Kirche immer auch eine „komplexe Wirklichkeit“ bleibe – geprägt von göttlichem Anspruch und menschlicher Begrenztheit. Gerade deshalb müsse sie sich ihren Fehlern stellen. Ehrliche Aufarbeitung könne ihre Glaubwürdigkeit stärken. 

Viel Lob für die klaren Worte des Papstes 

Stadtdekan Christian Hermes griff die aktuelle politische Entwicklungen auf. Er würdigte die klare Positionierung von Papst Leo, der an Ostern vor politischen Allmachtsphantasien warnte. Dies zeige, wie wichtig eine deutliche Stimme der Kirche sei – gerade in Zeiten globaler Spannungen. Zugleich mahnte Hermes, dass die Kirche sich nicht von politischen oder religiösen Erlösungsphantasien vereinnahmen lassen dürfe. Maßstab bleibe das Evangelium – und damit die Verpflichtung auf Menschlichkeit und Frieden. 

Kirchliche Räume als Orte des Dialogs 

Mit Blick auf die jüngsten Sondierungsgespräche zwischen Grünen und CDU im Haus der Katholischen Kirche unterstrich Hermes die Rolle kirchlicher Räume als Orte des Dialogs. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Politik tragfähige Lösungen für die Herausforderungen in Baden-Württemberg finden werde, und wünschte Gottes Segen für die weiteren Koalitionsverhandlungen. 

Trotz aller Herausforderungen blieb der Grundton des Abends von Zuversicht geprägt: Gerade in Zeiten des Umbruchs kann Kirche zu ihrem Kern zurückfinden – als Gemeinschaft, die Menschen verbindet, Orientierung gibt und die Menschenwürde in den Mittelpunkt stellt.

Katholische Kirche in Stuttgart

Dies ist ein Text der Katholischen Kirche in Stuttgart.
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