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„Nicht auch noch im Tod vergessen”

In Stuttgart gibt es am Dienstag eine Trauerfeier für einsam Verstorbene. Pfarrer Anton Seeberger erzählt, warum dieses Projekt so wichtig ist.

Stuttgart
Trauerfeier

Pfarrerin Eva Deimling und Pfarrer Anton Seeberger bei der ersten Trauerfeier für einsam Verstorbene im Juli dieses Jahres. Bild: Max Kovalenko/Lichtgut

Knapp 400 angeordnete Bestattungen gab es im vergangenen Jahr in Stuttgart. Es sind Menschen ohne Angehörige, die sich um deren Bestattung kümmern könnten. Um sie trotzdem würdevoll zu verabschieden, veranstalten die evangelische und die katholische Stadtkirche seit dem Sommer gemeinsame Trauerfeiern für einsam Verstorbene. Die nächste dieser Sammeltrauerfeiern findet am Dienstag, 6. Oktober, um 10 Uhr auf dem Stuttgarter Waldfriedhof statt. Wie es zu dem ökumenischen Projekt kam und warum es so wichtig ist, erzählt der katholische Pfarrer Anton Seeberger im Interview.

Die Zahl angeordneter Bestattungen steigt. Wie kommt das?

Wir leben in einer Gesellschaft mit hoher Mobilität und in einer Zeit, in der die familiären Bindungen wegbrechen oder loser werden. Ehen gehen auseinander und es gibt viele nicht aufgearbeitete Konflikte. Immer mehr Menschen leben allein und sind einsam. Am Ende sind keine Angehörigen mehr da, die sich um die Bestattung kümmern könnten oder möchten.

Warum ist es wichtig, dass es diese Trauerfeiern gibt?

Wir haben es hier mit Menschen zu tun, die bis zu ihrem Tod Kirchenangehörige waren und ein Recht darauf haben, kirchlich bestattet zu werden. Außerdem gibt es für uns Christen das Anonyme nicht. Der Mensch ist nicht anonym und kann nicht einfach unbedacht aus dieser Welt verschwinden, als ob er nicht gewesen wäre. Er hat einen Namen, der für die Person und ihr Leben steht, vor Gott und vor uns als Mitchristen. Das ist theologisch für uns wichtig. Die, die im Leben unter den Menschen vergessen sind, müssen nicht auch noch im Tod vergessen bleiben.

Wie setzen Sie diesen Gedanken in den Trauerfeiern um?

Wir lesen jeden Namen der einsam Verstorbenen vor und holen sie damit aus der Anonymität. Für jeden einzelnen wird außerdem eine Kerze angezündet und wie bei jeder anderen Trauerfeier sprechen wir natürlich Gebete und einen Psalm. Musik und Gesang übernimmt das Bestattungs-Chörle.

Wie liefen die Bestattungen der einsam Verstorbenen bis zum Sommer ab?

So lange es nicht so viele angeordnete Bestattungen gab - nur ein paar Dutzend im Jahr - konnte noch für jeden einzelnen eine Trauerfeier abgehalten werden. Mit der stark steigenden Zahl ging das natürlich nicht mehr. Die Stadt kam nicht mehr hinterher und musste die Kosten für die Bestattungen auch aus rechtlichen Gründen so niedrig wie möglich halten, falls im Nachhinein noch Angehörige ausfindig gemacht und zur Kasse gebeten werden. So sind viele Kirchenmitglieder gänzlich ohne Trauerfeier bestattet worden. Wenn es niemanden gibt, der uns auf den Tod von Kirchenmitgliedern aufmerksam macht, bekommen wir es gar nicht mit. Wir sind also darauf angewiesen, dass die Stadt die Konfession der Verstorbenen feststellt, uns informiert und die Urnen der Kirchenmitglieder bis zur Trauerfeier aufbewahrt werden.

Wie kam es dann zu der ersten ökumenischen Trauerfeier für die unbedacht Verstorbenen?

Das war ein längerer Prozess. Das Thema kam schon am Runden Tisch Friedhof auf, an dem Politik und Religionsgemeinschaften vertreten waren. Die Idee wurde diskutiert, aber erst einmal wieder verworfen. Durch das Beharren der Kirchen sowie das Engagement des Bestattungs-Chörles wurde das Konzept dieses Jahr schließlich doch noch verwirklicht.

Mit der Trauerfeier im Sommer wurde ein Anfang gemacht. Wie soll es nun weitergehen?

Es sollen etwa vier solcher Trauerfeiern im Jahr stattfinden – je nachdem, wie viele Menschen es sind. Und sie sollen bekannt gegeben werden, sodass sich auch eine christliche Gemeinde versammeln kann. Wir planen außerdem, das Projekt noch auf eine breitere Basis zu stellen. Deshalb stehen meine evangelische Kollegin und ich bereits mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Kontakt. Wir hoffen, dass sich noch mehr Konfessionen an der gemeinsamen Trauerfeier beteiligen.

Katholische Kirche in Stuttgart

Dies ist ein Text der Katholischen Kirche in Stuttgart.
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