Zum Inhalt springen

Nicht wegschauen angesichts des Leidens

Bei der zweitgrößten Reiterprozession Mitteleuropas erinnert der Niederaltaicher Abt Marianus Bieber an Krieg und Terror damals und heute.

Drei Reiter mit Fahne, Zylinder und rot-blauen Schärpen. Ulrich Gresser

Die Blutreitergruppe der Nachbarstadt Bad Waldsee zieht durch die Straßen von Bad Wurzach. Foto: Ulrich Gresser

Um Schlag sieben Uhr setzte sich der Heiligblutwagen von der in diesem Jahr wegen der Kirchturmsanierung bizarr erscheinenden St. Verena-Stadtpfarrkirche mit der Heilig-Blut-Reliquie zum ersten Stationsaltar beim Schloss in Bewegung. Dort übernahm Abt Dr. Marianus Bieber von der Benediktinerabtei Niederaltaich gemeinsam mit dem Salvatorianer-Provinzial Pater Friedrich Emde die Reliquie aus den Händen von Pater Konrad Werder.

Pater Konrad, bis vor gut zwei Monaten Superior der Ordensniederlassung auf dem Gottesberg, durfte dieses Jahr im Blutwagen Platz nehmen und das Fest damit aus einer ganz besonderen Perspektive kennenlernen. Auf dem rund acht Kilometer langen Prozessionsweg mit den Stationsaltären beim Josenhof, in Truschwende und in Reinstein segnete er mit der Reliquie die Felder und Fluren am Prozessionsweg rund um Wurzach. Beim Schloss machte zuvor Abt Marianus Bieber das Kreuzzeichen über die erste Abteilung der Reiterprozession.

Etwas über 1.000 Reiter:innen nehmen teil

Die zweite Abteilung der 62 Reitergruppen mit etwa 1000 Pferden erhielt ihren Segen dann am Fuße des Gottesberges. In der Stadt begleiteten 23 Musikkapellen die Reitergruppen. Beim feierlichen Pontifikalamt auf dem Gottesberg begrüßte der neue Superior der Salvatorianer, Pater Wolfgang Sütterlin, die Gläubigen und die Ehrengäste, darunter der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser.

Der Gottesberg mit seiner Reliquie erinnert Abt Marianus an Golgota. Gott habe sich damals in Jesus als Leidender gezeigt, sagte er in seiner Predigt. „Wir alle haben mit der Verehrung des Heiligen Blutes dem Gekreuzigten in die Augen geschaut.“ Auch heute sehe uns Gott aus jedem leidenden Menschen an, schlug der Abt die Brücke zu Krieg und Terror in der Gegenwart.

In den Leidenden Jesus erkennen

Jesus habe selbst gesagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Das Volk hat sich bei der Kreuzigung von Jesus abgewendet. Die Jünger hätten aber mit ihm als Auferstandenem eine neue Erfahrung gemacht. Nachfolge Jesu bedeute im Angesicht des Leidens nicht wegzuschauen. In der Bergpredigt zum Abschluss des Heilig-Blut-Festes am Nachmittag führte Pfarrer Manuel Hammer aus Heilbronn den Gedanken fort und ermutigte, die Liebe Gottes zu leben.

Aktuelles

zum Thema

Franziska Deubel

Diese Orgel schwebt von A nach B

Wer am Tag des Offenen Denkmals am 13. September etwas Besonderes sehen möchte, für den kommt vielleicht die schwebende Orgel in Alpirsbach in Frage.

Axel Morat

Eine ganze Insel feiert

Reichenau (Baden)

Mit dem Pontifikalamt, der Kräutersegnung, der Prozession und Bischof Klaus Krämer als Festprediger lebt die Tradition am Inselfeiertag auf.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Sibylle Schwenk

Bereichernde Begegnungen am heiligen Ort

Hülen

Drei Anlässe zum Feiern hatte die Kirchengemeinde St. Franziskus in Hülen: 125. Weihejubiläum, 800. Todestag des Kirchenpatrons und Erntedank.

Jens Kramer

Bischof Dr. Krämer spricht zur Bedeutung der Ökumene heute

Stuttgart

Rede bei einem Treffen evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer aus ganz Deutschland. Landesbischof predigt zur Bedeutung einer resilienten Kirche.

Toni Katheininger

Die „Perle des Illertals“ bekommt einen neuen Altar

Erolzheim

Bischof Dr. Klaus Krämer weiht am Samstag die liturgische Mitte der Erolzheimer Kirche nach umfassender Renovierung am 150. Weihetag des Gotteshauses.

Arkadius Guzy

Chor aus Malaysia zeigt Glaubenstradition

Heilbronn

Im Rahmen einer langjährigen ökumenischen Direktpartnerschaft besucht ein Ensemble von der Insel Borneo die Stadt Heilbronn und die Umgebung.

Diözese Rottenburg-Stuttgart

Kirchen suchen gemeinsame Lösungen mit Kommunen

Stuttgart

Acht Regionentreffen laden zum Austausch über die Zukunft kirchlicher Gebäude in Württemberg. Bischof und Landesbischof beziehen in Video Position.