Zum Inhalt springen

Niemand bleibt allein an Heiligabend

Eine herzliche und warme Atmosphäre: Rund 100 Gäste feierten am 24. Dezember gemeinsam mit der katholischen Betriebsseelsorge Böblingen Heiligabend.

Böblingen

Foto: Georg Patzek

Foto: Georg Patzek

Heiligabend ist für viele Menschen ein Fest der Familie, der Nähe und der Vertrautheit. Für andere jedoch ist dieser Tag besonders schwer Einsamkeit, finanzielle Sorgen oder Brüche im Leben treten gerade dann schmerzhaft hervor. In Böblingen setzte die katholische Betriebsseelsorge am 24. Dezember ein sichtbares Zeichen dagegen und machte erlebbar, was die Weihnachtsbotschaft meint, wenn sie sagt Niemand bleibt allein Gott kommt uns entgegen.

Rund 100 Gäste kamen am Heiligen Abend ins Arbeiterzentrum Böblingen, dazu etwa zehn Helferinnen und Helfer, die den Nachmittag und Abend möglich machten. Die Menschen waren bunt gemischt alleinstehend oder mit Begleitung, jung und alt, erstmals dabei oder seit Jahren vertraut mit dem Angebot. Viele Gäste erlebten den offenen Heiligabend zum ersten Mal und schätzten die warme, herzliche Atmosphäre, die von Beginn an spürbar war.

Ein Nachmittag der Begegnung

Bereits ab 14.30 Uhr füllte sich der Raum bei Kaffee und Gebäck. Ein besonderer Moment für viele Gäste war der Besuch von Böblingens Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz, der sich Zeit nahm, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und jedem Gast ein kleines Geschenk persönlich zu überreichen. Auch die Stadtkapelle Sindelfingen war mit einer Abordnung zu Gast Gemeinsam wurden Weihnachtslieder gesungen ein unkompliziertes, verbindendes Miteinander, das die Stimmung des Nachmittags prägte.

Zusätzliche Freude brachte die Unterstützung aus der Stadtgesellschaft Familie Senger spendete ihre übrige dekorative Ware aus dem Verkauf auf Weihnachtsmärkten und trug so zur festlichen Gestaltung des Raumes bei ein Zeichen gelebter Solidarität, das von vielen Gästen dankbar wahrgenommen wurde.

Ein Gottesdienst, der mitnimmt

Höhepunkt des Nachmittags war der ökumenische Gottesdienst, gestaltet von Pfarrerin Dr. Beate Kobler von der evangelischen Betriebsseelsorge Sindelfingen und Betriebsseelsorger Marian Schirmer. Viele Gäste äußerten im Anschluss, wie gut ihnen dieser Gottesdienst getan habe gerade weil er bewusst niederschwellig, offen und lebensnah gestaltet war.

Im Zentrum stand die Weihnachtsbotschaft aus dem Lukasevangelium Gott kommt nicht zu den Mächtigen, sondern zu den Hirten zu Menschen am Rand, mitten im Alltag. In den Impulsen wurde diese biblische Erfahrung mit heutigen Lebenswirklichkeiten verbunden.

„Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft von Weihnachten, dass Gott nicht auf den perfekten Moment wartet, dass Gott uns nicht nur dort begegnet, wo alles stimmt, sondern mitten im Unfertigen, im Alltäglichen, im Ungeplanten“, sagte Marian Schirmer im Gottesdienst.

Eine Mitmachaktion machte diese Botschaft greifbar Die Gäste waren eingeladen, kleine Papierengel zu beschriften mit Namen, Erinnerungen, Hoffnungen oder Wünschen. Die Engel wurden an der Krippe gesammelt und wuchsen im Lauf des Gottesdienstes zu einem stillen, starken Zeichen gemeinsamer Erfahrungen. Weihnachten wurde so nicht nur gehört, sondern sichtbar und spürbar.

Gemeinschaft, die trägt

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde gemeinsam gegessen. Bei Geflügelwürsten und Kartoffelsalat entstanden Gespräche, neue Begegnungen und Momente des Zuhörens. Manche Gäste blieben nur kurz, andere bis in den Abend hinein ganz so, wie es für sie stimmig war.

Zum Abschied erhielt jede Person ein kleines Geschenk von der Betriebsseelsorge oft verbunden mit einem persönlichen Wort oder einem Lächeln. Auch wer früher ging, wurde so bewusst gesehen und verabschiedet. Viele Gäste nahmen diesen Moment als besonders wertschätzend wahr.

Theologisch wurde an diesem Abend greifbar, was Weihnachten im Kern bedeutet Gott wird Mensch, um nahe zu sein. Nicht abstrakt, nicht fern, sondern konkret im Miteinander, im Teilen von Zeit, im gemeinsamen Essen, im Aushalten von Unterschiedlichkeit. Kirche zeigte sich hier als offene Gemeinschaft, die Menschen zusammenführt.

Der Heiligabend in der Betriebsseelsorge Böblingen machte deutlich, wie kirchliches Engagement mitten in der Gesellschaft wirken kann sensibel für soziale Realitäten, offen für alle Menschen und getragen von der Überzeugung, dass Würde, Gemeinschaft und Hoffnung teilbar sind.

Aktuelles

zum Thema

Menschen, die für mich da sind

Ulm (Donau)

70 Jahre Telefonseelsorge in Deutschland: Mit besonderen Aktionen machen die Dekanatsleitungen in Heidenheim, Ostalb und Ulm auf die Hilfe aufmerksam.

Kilian

Freudenstadt

Der zwölfjährige Kilian hat einen Hirntumor. Er und seine Familie sprechen offen über das Thema Sterben - und finden Hoffnung im Glauben.

Aktuelles

aus der Region

Redaktion Kirche im Privatfunk

Seit 100 Jahren für die Gemeinde da

Stuttgart

In der neuen Ausgabe von Alpha & Omega geht es um das Jubiläum der Gemeindereferent:innen. Seit 100 Jahren sind sie für die Menschen vor Ort da.

Christian Turrey

Zwischen Krieg und Hoffnung

Stuttgart

Vier Monate saß Rabbiner Jeremy Milgrom wegen des Kriegs in Israel fest. Jetzt erzählt der Friedensaktivist im Interview von seinen Erfahrungen.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Jochen Wiedemann

„Kleines ganz groß werden lassen“

Rottenburg am Neckar

Weihbischof Dr. Gerhard Schneider beauftragt fünf Frauen und zwei Männer für den Dienst als Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten

Michael Habres

Skapulierbruderschaft und Kirchenrenovierung

Tannheim

Wie das „Tannheimer Fest“ mit langer Tradition seinen heutigen Ablauf bekam und was es mit der Martinskirche und der Prozession zu tun hat.

Götz Kanzleiter

Kirche im Quartier

Mannheim, Universitätsstadt

Die dritte Quartiersafari der Diözese Rottenburg-Stuttgart führte 52 Teilnehmende nach Mannheim. Dabei ging es auch um die Kirche der Zukunft.

Über 250 Besucher sind zu Gast bei „Menschen von hier“

Balingen

Veranstaltungsreihe ermöglicht das Gespräch und den Austausch zu Ängsten, Hoffnungen, Werten und darüber, wo der Glaube Halt im eigenen Leben gibt.

Im Miteinander als Kirche Zukunft gestalten

Schwäbisch Gmünd

Wie bleiben wir lebendige Kirche? Engagierte aus den Dekanaten Göppingen-Geislingen, Heidenheim, Ostalb und Schwäbisch Hall sprachen mit dem Bischof.