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Nikolaus zwischen Trucks

Diakon Klaus Hohl bereitet schon seit vielen Jahren Lkw-Fahrern eine kleine Überraschung im Advent, denn er kennt das Leben auf Achse.

Öhringen
Mit wehendem, rotem Umhang zwängt sich Klaus Hohl zwischen zwei Sattelaufliegern hindurch.

Mit wehendem, rotem Umhang zwängt Klaus Hohl sich zwischen zwei Sattelaufliegern hindurch. Foto: DRS/Guzy

Unter der aufgeklappten Motorhaube eines Lasters trocknet Wäsche.

Unter der aufgeklappten Motorhaube trocknet Wäsche, während der Fahrer das Wochenende auf der Raststätte verbringt. Foto: DRS/Guzy

Klaus Hohl reicht einem Lkw-Fahrer ein Geschenktütchen.

Klaus Hohl reicht einem Lkw-Fahrer ein Geschenktütchen. Foto: DRS/Guzy

Wochenende an der A 6: Auf den Raststätten Hohenlohe Süd und Nord reihen sich die Lastwagen aneinander. Die Fahrer verbringen die Zeit in ihren Kabinen. Ihnen bringt Klaus Hohl an dem Nachmittag nicht nur ein bisschen Abwechslung.

Zusammen mit Helfer Dieter Lechner ist der Öhringer Diakon im Zivilberuf als heiliger Nikolaus gekleidet auf beiden Raststätten unterwegs. Er verteilt Geschenktüten mit Nikolausfiguren aus Schokolade, anderen Süßigkeiten und Äpfeln. Die beiden gehen von Lkw zu Lkw. Wenn die Vorhänge der Kabinen nicht zugezogen sind, klopft Hohl an die Türen. Die Männer in ihren Führerhäusern sind freudig überrascht, so wie der 47-jährige, polnische Fahrer, der zum Seitenfenster herausblickt.

Kreuz und quer durch Europa

Er nimmt die kleine Aufmerksamkeit mit einem Lächeln entgegen. Sein Lkw sei entladen und er warte jetzt bis Montag. Dann erreiche ihn der nächste Auftrag, sagte er. Bis dahin vertreibt er sich die Zeit mit Filmeschauen. „Das ist aber nett“, meint ein anderer Fahrer, als Hohl ihm ein Geschenktütchen zur Kabine hinaufreicht.

Die Papiertüten hat Hohl am Tag zuvor selbst gepackt. Unterstützung dafür bekam er in Form von Sach- und Geldspenden.

Die Lkw, die auf der Raststätte stehen, tragen zumeist ost- oder südosteuropäische Kennzeichen. Die Strecken führen oft quer durch Europa: Er sei aus Belarus, erklärt ein Fahrer in einem Laster mit polnischem Länderkürzel, und komme gerade aus Spanien.

Dankeschön für eine wichtige Aufgabe

Dass eines seiner Kinder selbst Nikolai heiße, erzählt ein weiterer Fahrer, als er Hohl im Gewand des heiligen Bischofs sieht. Einige steigen auch aus ihren Kabinen, um sich vor der Zugmaschine mit dem Überraschungsbesucher fotografieren zu lassen.

Die Nikolausaktion soll ein Dankeschön an die Lkw-Fahrer sein. Denn ihnen sei es zu verdanken, dass wir täglich mit Gütern versorgt sind, wie Hohl erklärt. Der Diakon im Zivilberuf weiß selbst, wie das Leben auf Achse ist: Hohl ist von Beruf Kraftfahrer. Er sei früher bis nach Italien, Spanien und Portugal gefahren. Meist habe er Industriegüter transportiert. Zuletzt hat der 67-Jährige, der demnächst in Ruhestand geht, in der Region für einen Händler gearbeitet. Hohl schlüpft schon seit mehr als zehn Jahren immer wieder gerne in das Nikolausgewand, um Lkw-Fahrern eine kleine Freude zu bereiten – so wie an diesem verregneten Nikolausnachmittag.

Dankeschön-Aktion auch an der A 81

Bereits in der Woche vor dem Nikolaustag gab es eine Adventsaktion für Fernfahrer auf den beiden Wunnenstein-Raststätten an der A 81. Birgit Elsasser, Betriebsseelsorgerin aus dem Dekanat Heilbronn-Neckarsulm, verteilte zusammen mit ihrem Betriebsseelsorger-Kollegen aus Böblingen, Marian Schirmer, und zwei Helferinnen des gewerkschaftsnahen Beratungsnetzes „Faire Mobilität“ Tütchen mit Süßigkeiten, Duschgel und einer Karte an Lkw-Fahrer. Damit setzte Elsasser eine Tradition ihres Vorgängers Josef Krebs fort. Sie sei berührt von den Berichten der Fahrer, sagte Elsasser nach der Aktion. So habe ein Fahrer aus Belarus erzählt, dass er schon ein halbes Jahr nicht zuhause gewesen sei. Ein deutscher Fahrer habe die zu schnelle und zunehmend aggressive Fahrweise beklagt, die er auf das fehlende Tempolimit auf der Autobahn zurückführte. Mit dem Lkw komme er dadurch immer schlechter raus.

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