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„Öl und Gas sind eindeutig die falsche Wahl“

Energieberater im Auftrag der Diözese zeigen, wie sich Emissionen verringern lassen. Die Nachfrage der Kirchengemeinden ist groß.

Rottenburg am Neckar
Hopp-Energieberater vor Ort.

Hopp-Energieberater Timo Göhringer berät Kirchengemeinden im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Thema Heiztechnik. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Eine zu hohe Vorlauftemperatur im ohnehin überdimensionierten Heizkessel, defekte Ventile, kaputte Sonden oder falsch eingestellte Umwälzpumpen: Timo Göhringer, Energieberater im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart, kennt die Liste der Dinge, die das ohnehin kostspielige Heizen noch verteuern und den CO2-Ausstoß nach oben treiben. „Da wird Geld zum Fenster rausgeschmissen“, bringt er es auf den Punkt.
Um dem entgegenzusteuern, existiert für die rund 5000 kirchlichen Gebäude in der Diözese seit 2019 das sogenannte Programm zur Heizungsoptimierung mit Pumpentausch – kurz „HOPP“ genannt. Mit ihm sollen die Heizenergieverbräuche und damit auch die Treibhausgasemissionen gesenkt werden, denn das Klimaschutzkonzept der Diözese aus dem Jahr 2017 benannte den Gebäudebereich als größten Verursacher von Treibhausgasemissionen. „HOPP ist ein wichtiger Baustein zum Erreichen der Klimaneutralität im Zuständigkeitsbereich der Diözese, die wir uns für das Jahr 2040 zum Ziel gesetzt haben“, sagt so auch Thomas Jüttner, stellvertretender Leiter des Bauamtsim Bischöflichen Ordinariat der Diözese. 

Sofort beauftragt

Die Nachfrage seitens der Kirchengemeinden nach Terminen mit den HOPP-Energieberatern sei hoch, freut sich Armin Biesinger, Klimaschutzmanager im Bischöflichen Bauamt. „Dieses Jahr ist ausgebucht. Wir haben eine Warteliste und werden die Termine für 2027 im Herbst planen“, sagt Biesinger. Treten bei einer Kirchengemeinde indes akute Probleme mit der Heizung auf und das Bischöfliche Bauamt wird darüber informiert, könnten die Energieberater auch sofort beauftragt werden und vor Ort beraten.  

Großartiges Förderprogramm

„Für Kirchengemeinden ist das ein großartiges Förderprogramm“, erläutert Biesinger. Von der Kirchengemeinde braucht es lediglich einen Ansprechpartner, die Teilnahme an der Begehung und das Einholen von Angeboten beim örtlichen Heizungsbauer für die empfohlenen Maßnahmen. Die Kosten hierfür werden aus dem Nachhaltigkeitsfonds der Diözese bestritten. Die Durchführung der Maßnahmen wird dabei abgestimmt mit den Überlegungen im Zusammenhang mit dem Programm „Räume für eine Kirche der Zukunft“, um diejenigen Gebäude fit zu machen, die von den Kirchengemeinden auch weiterhin betrieben werden.

Simple Maßnahmen zeigen Wirkung

So ist Göhringer gemeinsam mit seinen vier Kollegen in ganz Württemberg unterwegs und nimmt die Heizungen von Kindergärten, Kirchen, Gemeinde- und Pfarrhäusern unter die Lupe. 1400 Gebäude wurden in den vergangenen Jahren bei sogenannten „Erstbegehungen“ aufgesucht, berichtet Göhringer anlässlich eines Vor-Ort-Termins im Rottenburger Dom St. Martin. Oftmals stelle sich dann schnell heraus, dass bestehende Heizungsanlagen – egal ob alt oder neu – optimiert werden können. Schon simple Maßnahmen wie die Anpassung der Heizkurve und der Heizzeiten zeigten Wirkung: „Im Schnitt können dadurch 8 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs eingespart werden“, berichtet der Energieberater. 

CO2-Ausstoß um bis zu 15 Prozent verringern

Durch weitere Maßnahmen wie den Austausch von Thermostatventilen, den Einbau von Hocheffizienzpumpen, Dämmungen, einem Heizungskörpertausch oder einem hydraulischen Abgleich ließen sich für gewöhnlich weitere 5 bis 7 Prozent des Jahresenergieverbrauchs einsparen. „So kann allein schon die Erstbegehung helfen, den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß, um bis zu 15 Prozent zu verringern.“ Ein Niedertemperatur-Check der Berater prüft zudem, inwiefern ein Gebäude für den wirtschaftlichen Betrieb mit einer Niedertemperaturheizung geeignet ist. Neben dem Wärmepumpen-Einbau komme auch der Einsatz von Infrarot und Split-Klimaanlagen in Betracht. 

Fertige Planung für den Tag X 

Im nächsten Schritt dokumentieren die Berater den Zustand von Gebäude und Heizung und erstellen bei Bedarf ein Heizkonzept, in dem sie eine passende Neuversorgung vorschlagen. So sollen die Kirchengemeinden, als Eigentümerinnen der Gebäude, eine fertige Planung für den Tag X in der Schublade bereitliegen haben, wenn die bestehende Gas- oder Ölheizung ausfällt. „Ist das nicht der Fall, wird meist schnell und unter Zeitdruck reagiert und eine neue fossile Heizung eingebaut, die dann für 20 weitere Jahre läuft“, beklagt Göhringer. Dabei steht für Jüttner in Sachen Energieträger fest: „Wir machen keine Rolle rückwärts und halten an unserem Ziel der Klimaneutralität fest. Öl und Gas sind da eindeutig die falsche Wahl.“ 
 

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