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Pflegefachkräfte von morgen sind willkommen

Die Stiftung Liebenau betreibt seit zwei Jahren in Friedrichshafen ein Ankunftszentrum für ihr internationales Fachpersonal in der Bodenseeregion.

Friedrichshafen
Die Personen stehen im Halbdunkel am Tresen der Rezeption.

Justin Luminarias, Charmagne Luganilla, Erika Jumawid, Cyrill Simborio und George Tubo von den Philippinen mit Kümmerer Edwin Doloeras und Koordinator Rainer Schmalzried (v.l.) bei ihrer Ankunft im Liebenau Boarding Center in Friedrichshafen - Foto: Stiftung Liebenau/Claudia Wörner

Stark vom demografischen Wandel und vom Fachkräftemangel betroffen steht die Altenpflege in Deutschland vor immensen Herausforderungen. Um ausländischen Arbeitskräften die Ankunft in Deutschland zu erleichtern und sie bei ihrer Integration zu unterstützen, hat die Stiftung Liebenau vor zwei Jahren in Friedrichshafen das Liebenau Boarding Center (LBC) für internationale Pflegekräfte gegründet. Begleitet werden sie bis zur bestandenen Prüfung als Pflegefachkraft in Deutschland. Finanziell unterstützt wird das LBC von der Eugen und Irmgard Hahn Stiftung.

Im ehemaligen Hotel Zeppelin in Friedrichshafen herrscht reges Leben. Auf dem Herd in der Küche kocht der Reis, in der Pfanne brutzelt Gemüse. Im Aufenthaltsraum sitzt man zusammen, redet, lacht, tauscht sich über den Arbeitstag in der Altenpflege aus oder trifft sich per Video-Call mit den Verwandten im Heimatland. Im Herbst 2023 hat die Stiftung Liebenau das Haus als Standort des Liebenau Boarding Centers (LBC) erworben. In Einzel- und Doppelzimmern bietet das ehemalige Hotel auf drei Etagen Wohnraum für insgesamt 37 angehende Pflegefachkräfte aus dem Ausland.

Unterstützung beim Einleben und bei Behördengängen

„Seit Projektstart sind hier 50 Menschen angekommen“, berichtet Koordinator Rainer Schmalzried. „Je nach Einsatzort wohnen sie nur eine Woche oder bis zu einem Jahr hier.“  Aktuell leben 25 Menschen im LBC. Sie kommen hauptsächlich von den Philippinen, aber auch aus Indien, Ruanda, Benin oder Kamerun. Tätig sind sie in Häusern der Pflege der Stiftung Liebenau in Friedrichshafen, Immenstaad, Eriskirch, Oberteuringen, Ravensburg und Weingarten. „Vor allem kurz nach der Ankunft lässt sich für uns vieles bündeln“, erläutert Schmalzried. So stehen für die angehenden Pflegekräfte Behördengänge an, sie brauchen ein Bankkonto, eine Steuernummer, einen Handyvertrag und müssen sich bei der Krankenkasse anmelden.

Inzwischen nimmt Edwin Doloeras, der im Frühjahr 2023 von den Philippinen nach Deutschland gekommen ist, die Neuankömmlinge an die Hand. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie es ihm am Anfang ergangen ist. „Es war eine tolle Erfahrung, als wir am Flughafen mit einem Willkommensschild abgeholt wurden“, erzählt er. Als Kümmerer ist er nicht nur für seine Landsleute, sondern auch für Menschen anderer Nationalitäten ein wichtiger Ansprechpartner. „Ich gehe zum Beispiel mit ihnen zur Bank oder zeige ihnen, wie der Müll getrennt wird.“ Organisiert hat Doloeras im Haus auch eine schwäbische Kehrwoche.

Gemeinschaft wie in einer Familie

„Wir machen in der Freizeit gemeinsame Ausflüge oder einen Spaziergang am Bodensee.“ Das helfe nicht zuletzt gegen mögliches Heimweh. Im Grunde sei die Gemeinschaft im LBC eine Ersatzfamilie. George Tubo, der im September zusammen mit 28 weiteren Philippinern im LBC angekommen ist, schätzt die Infrastruktur. „Der Bahnhof ist gleich in der Nähe, außerdem ein Bäcker und ein Supermarkt“, ergänzt Justin Luminarias. Zufrieden sind die Pflegefachkräfte von morgen auch mit ihren Zimmern. „Es war sehr schön, als bei meiner Ankunft bereits mein Name an der Tür stand“, erinnert sich Erika Jumawid.

Seien die Grundbedürfnisse befriedigt, könnten sich die Menschen laut Schmalzried den Anforderungen von Arbeit, Schule und Sprache viel besser stellen. Nach zwei Jahren LBC sieht er dieses als Erfolgsprojekt. „Aber es ist auch eine riesige Aufgabe, jemanden gut zu integrieren.“ Dabei seien Sprachkenntnisse das A und O. Aus diesem Grund biete die Stiftung Liebenau in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule einen Sprachkurs mit Schwerpunkt auf Pflegevokabular an. Auch für die Neuankömmlinge steht das Ziel, besser Deutsch zu sprechen, ganz oben. „Ich möchte Geld sparen, meine Familie unterstützen und hier in Europa viele Orte kennenlernen“, blickt Erika Jumawid positiv in die Zukunft.

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