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Pralinen für die gute Sache

Gertrud Bader sammelt mit ihren Pralinen Spenden für das Hospiz St. Martin. Nächster Verkauf ist am 8. April auf dem Degerlocher Wochenmarkt.

Stuttgart

Foto: Stadtdekanat Stuttgart

1.700 Pralinen will Gertrud Bader am Karsamstag, 8. April, ab 7 Uhr, zugunsten des Hospiz St. Martin verkaufen. Ihre „Hospizpralinen“ sind auf dem Degerlocher Wochenmarkt ein richtiger Verkaufsschlager: Über 26.600 Euro Spenden hat die 59-Jährige damit für das Hospiz St. Martin gesammelt. „Die Leute können sich mit dem Hospiz auseinandersetzen und gleichzeitig zergeht ihnen eine Praline auf der Zunge“, berichtet die ehrenamtliche Sterbebegleiterin.

In den Genuss ihrer kleinen Köstlichkeiten, wie Orangen-Thymian-Trüffel, kommt man nur zwei Mal im Jahr. Kurz vor Ostern und im November investiert Gertrud Bader rund 30 Stunden ihrer Freizeit, um die Pralinen zu fertigen. „Ich verwende keinen zusätzlichen Zucker und auch keine Aromastoffe. Damit bekommen meine Pralinen einen ganz anderen Geschmack.“ In den vergangenen 14 Jahren konnte Gertrud Bader dem Hospiz St. Martin insgesamt mehr als 26.600 Euro überreichen.

Die Idee für die „Hospizpralinen“ war aus der Not geboren: Während der Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin erfuhr die Hauswirtschaftsleiterin, dass Geld für eine Kinderspielecke benötigt wird. „Ich habe dann ganz pragmatisch gesagt: Ich mach mal tausend Pralinen, verkaufe diese und dann bekommt ihr das Geld dafür“, erinnert sie sich.

Erste Sterbebegleitung beim eigenen Vater

Mit den Pralinen über das Hospiz ins Gespräch zu kommen, ist ein Anliegen von Gertrud Bader. Sie selbst musste sich früh mit dem Tod beschäftigen. „Mit Anfang 20 hatte ich eine schwere Krebserkrankung und musste mich mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen.“ Nach der zweiten Operation bildeten sich keine Metastasen mehr, aber das Thema Tod blieb in ihrem Leben. Im Sommer 2000 meldete sich ihr Vater nach langer Funkstille bei ihr. Er hatte ein Aneurysma im Bauch und wollte seine jüngste Tochter noch einmal sehen. „Ich hatte ein Buch über Aborigines gelesen, die ein Abschiedsfest feiern, wenn sie wissen, dass sie sterben werden. Dabei sagt jeder, was er von dem sterbenden Menschen in Erinnerung behalten wird. Ich habe dann meine Stärken aufgeschrieben, die ich trotz schwieriger Kindheit von meinem Vater mitbekommen habe.“ Nach langem Hadern lud Gertrud Bader ihren Vater, ihre Mutter und ihre Schwester ein. Und es lief anders als geplant. Während der Vorspeise musste ihr Vater ins Krankenhaus, auf der Fahrt nach Stuttgart hatte sich vermutlich ein Haarriss im Aneurysma gebildet. „Wir haben quasi aus dem Nichts eine grandiose Begleitung für unseren Vater hinbekommen. Heute bin ich davon überzeugt, dass er aus dem Allgäu nach Stuttgart kommen musste, um so gebettet sterben zu können.“

Gertrud Bader sieht die Sterbebegleitung als Berufung an

Eine Stunde nach dem Tod des Vaters stand Gertrud Bader vor dem Krankenhaus. „Da war eine Stimme in mir, die sagte ‚Ich habe dir deine Gabe gezeigt, nutze sie‘“, erinnert sie sich. Bereits als Kind konnte sie beim Gleichnis von den anvertrauten Talenten nicht verstehen, warum der letzte Diener sein Talent vergraben hatte. Genau das fiel ihr in dieser Situation ein: „Der, der seine Talente verbuddelt, wollte ich nicht sein, also mache ich es. Und so bin ich zur Sterbebegleitung gekommen.“ Mittlerweile hat sie mehr als 80 Menschen beim Sterben begleitet. Als ehrenamtliche Sterbebegleiterin ist sie auch während der vorrübergehenden Schließung des stationären Bereichs des Hospiz St. Martin im Einsatz. Sie und die anderen Ehrenamtlichen begleiten die Sterbenden in ihrem Zuhause, im Krankenhaus oder im Pflegeheim. „Ich weiß nie, welche Situation auf mich zukommt und ob ich die sterbende Person nur wenige Stunden oder mehrere Wochen begleite. So einmalig unser Fingerabdruck ist, so einmalig verabschieden wir uns aus dem Leben“, ist die Erfahrung der 59-Jährigen.

Mit Menschen über Hospizarbeit ins Gespräch kommen

Bei ihrem Ehrenamt erlebt Gertrud Bader immer wieder Menschen, die das Thema Tod verdrängen. „Dadurch, dass ich Menschen schon durch so viele Höhen und Tiefen begleitet habe, kann ich die Themen Hospiz und Sterbebegleitung ganz anders verkörpern“, ist Gertrud Bader überzeugt. Auf dem Degerlocher Wochenmarkt gibt es am 8. April nicht nur gute Pralinen, sondern auch gute Gespräche über das Leben und das Sterben.

Katholische Kirche in Stuttgart

Dies ist ein Text der Katholischen Kirche in Stuttgart.
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