Simone Stein lebt in Starzach bei Rottenburg und entschloss sich, beruflich neu durchzustarten mit dem Ziel, Gemeindereferentin in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zu werden. Wie es ihr dann erging und weshalb sie alle an dem Beruf Interessierten ermutigen möchte, es ihr gleichzutun, darüber spricht sie im folgenden Interview.
Frau Stein, Sie sind auf dem Weg, Gemeindereferentin in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zu werden und absolvieren derzeit Ihre dazugehörige Assistenzzeit in der Seelsorgeeinheit Oberes Gäu im Dekanat Rottenburg. Wie kam es dazu?
Das ist etwas kompliziert: Von Haus aus bin ich Tierärztin und ich hatte meine eigene Praxis, doch als ich in diesem Beruf immer unzufriedener wurde, überlegte ich mir, umzusatteln.
Und wie kamen Sie dann auf die Idee, ‚Gemeindereferentin‘ werden zu wollen?
Von Jugend an war ich ehrenamtlich im kirchlichen Bereich aktiv und da mir das immer großen Spaß gemacht hat, dachte ich, dass es das Richtige für mich sei, daraus einen Beruf zu machen.
Wie alt waren Sie zu dem Zeitpunkt, an dem Sie dann tatsächlich umgesattelt haben?
Das war im Oktober 2020. Ich war 46 Jahre, als ich mit dem Studium anfing.
Das ist doch ungewöhnlich – Sie waren sicher die Exotin beim Studium, oder?
Nein, denn das Tolle ist, dass es sehr unterschiedliche Zugänge zu diesem Beruf gibt und deshalb konnte ich das Fernstudium Angewandte Theologie an der Katholischen Hochschule in Paderborn beginnen. Das hat mir die Möglichkeit eröffnet, die Ausbildung neben meinem Familienalltag zu Hause in Starzach zu beginnen, und es gab noch mehrere Studierende in meinem Alter, die diese Chance genutzt haben. Ich kann daher auch alle fortgeschrittenen Semester dazu ermutigen, das Studium bei Interesse anzugehen.
Wie muss man sich das Arbeitspensum vorstellen, das Sie in dem Studium hatten?
Ich habe versucht, jeden Tag etwas zu machen. Man muss also auch selbst eine gewisse Disziplin mitbringen. Es ist ein richtiges Studium und ich habe 20 bis 30 Wochenstunden investiert. Für jedes Modul gibt es eine mündliche Prüfung oder eine Hausarbeit und am Schluss schreibt man seine Bachelorarbeit. Bei mir waren das zwischen 40 und 50 Seiten. Und dann gibt es noch die mündliche Prüfung. Beim Studieren selbst war ich aber relativ frei. Am Anfang hieß es, man müsste zwölf Semester einrechnen. Ich habe dann neun Semester gebraucht, aber meine Kinder waren zu der Zeit auch schon größer. Im Rückblick gab es für mich nur das Fernstudium, anders hätte ich es nicht schaffen können.
Und wie oft mussten Sie nach Paderborn?
Wir hatten am Anfang jedes Semesters eine Präsenzwoche in Paderborn. Die war auch sehr gut. Das restliche Studium absolvierte ich online von zu Hause aus mit viel lesen. Aber es gab auch Online-Seminare und zum Teil aufgezeichnete Vorlesungen, die man sich anschauen konnte.
Bekamen Sie in dieser Zeit Unterstützung durch die Diözese?
Ja, um das Studium überhaupt beginnen zu können, musste ich mich beim Religionspädagogischen Mentorat der Diözese in Rottenburg bewerben und bekam von dort die Zusage. Die Kosten für das Fernstudium wurden dann von der Diözese übernommen und während des Studiums half mir das Mentorat und vermittelte Stellen für die zwei Praktika, die ich absolvieren musste. Während des Studiums gab es einmal im Jahr ein Wochenende, an dem ich mich mit allen anderen aus dem Bewerberkreis der Diözese traf, also auch mit den Pastoralassistentinnen und -assistenten und mit den Priesteramtskandidaten. In meiner jetzigen zweijährigen Assistenzzeit haben wir parallel zur Arbeit in Schule und Gemeinde Ausbildungskurse – zum Beispiel zu Katechese, Seelsorge oder Trauerpastoral – und diese manchmal mit den Pastoralassistenten und oder den Alumnen zusammen. Von Zeit zu Zeit organisiert das Mentorat zu bestimmten Themen auch Onlinetreffen, zu denen wir dann abends zusammenkommen.
Welche Aufgaben bereiten Ihnen bei Ihrer heutigen Tätigkeit die größte Freude?
Die verschiedenen Bereiche, in denen ich als Gemeindeassistentin tätig bin, machen meine Arbeit anspruchsvoll, aber auch schön. Am meisten Freude macht mir die Gestaltung von Gottesdiensten, auch die Firmvorbereitung mit Jugendlichen finde ich sehr spannend und die Erstkommunionsvorbereitung hat mir auch großen Spaß gemacht.
Was bedeutet es für Sie persönlich, auf dem Weg zu sein?
Die ganze Kirche ist ja immer auf dem Weg und wir in unserer Diözese sind besonders auf dem Weg mit den Veränderungen, die anstehen. Es ist eine anstrengende, aber auch eine spannende Zeit, in der man etwas bewegen kann und in der es darum geht, sich Gedanken zu machen, wie man Menschen mitnehmen kann, denn wir sind ja gemeinsam auf dem Weg. Als etwas Besonderes empfand ich es auch, in eine neue Kirchengemeinde mit sehr vielen Menschen zu kommen, die ich nicht kannte, und es ist etwas sehr Schönes, wenn man diese Menschen dann näher kennenlernt.
Und was würden Sie jemandem raten, der sich überlegt, ebenfalls Ihren Berufsweg einzuschlagen?
Wenn es jemand wirklich interessiert, kann ich es nur empfehlen. Wenn man so wie ich dann schon Erfahrung mit der Arbeit in der Kirche mitbringt, macht das sicherlich manches einfacher, es ist aber keine Voraussetzung und man kann auch ganz unvoreingenommen rangehen.